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Mecklenburgisches Landestheater Parchim : Versprochen: Ekel Alfred bleibt länger

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„Ein Herz und eine Seele“ ist ein Riesenerfolg im Mecklenburgischen Landestheaters Parchim und oft ausverkauft. Das Stück wird deshalb länger gespielt, verspricht der Intendant Thomas Ott-Albrecht.

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2013 | 06:56 Uhr

Parchim | "Wenn das kein Erfolg wird, dann wandere ich aus", das hatte der Intendant des Mecklenburgischen Landestheaters Parchim Thomas Ott-Albrecht gesagt, als man sich entschied, "Ein Herz und eine Seele" zu inszenieren. Dass aber die Geschichten um den "Ekel-Alfred" so einschlagen würden, war dann doch etwas überraschend. Die Theatergaststätte, in der das Stück aufgeführt wird, ist auf Wochen ausverkauft. SVZ-Mitarbeiter Michael-Günther Bölsche sprach mit Thomas Ott-Albrecht über diesen Erfolg, der auch Kritiker auf den Plan ruft.

Frage: Wie kam man auf die Idee, dieses Stück zu inszenieren?

Thomas Ott-Albrecht: Unsere Spielplangestaltung orientiert sich an den vielseitigen Bedürfnissen der Zuschauer aus unserer Region und setzt dabei auf die maximale Ausschöpfung der vorhandenen Möglichkeiten. Wir haben dieses Stück ausgewählt, da an unserem Haus hervorragende Schauspieler agieren, die in der Lage sind, solche Rollen zu verkörpern. Im Zusammenspiel mit der inszenatorischen Leistung war der Erfolg absehbar.

Nun spielt dieses Stück in der Theatergaststätte, reichen da die Plätze überhaupt aus?

Ja und nein. Gerade die intime Atmosphäre der Theatergaststätte lässt die Familie Tetzlaff auch noch im Jahr 2013 livehaftig wieder auferstehen. Das Publikum befindet sich mitten im Geschehen. Mit wesentlich mehr Zuschauern oder einem wesentlich größeren Raum wäre dieser Eindruck lange nicht so intensiv. Inszenierungen der kleinen Form leben eben auch von dieser Nähe. Ausgehend von der aktuellen Nachfrage reichen die Plätze allerdings bei weitem nicht aus.

Unbestritten ist, dass sich natürlich auch die Einnahmen positiv entwickeln. Gibt es Überlegungen, zusätzliche Vorstellungen zu planen, um die Nachfrage zu stillen?

Auf die Finanzeinnahmen möchte ich gerne etwas differenzierter eingehen. Kürzlich äußerten einige Besucher aus dem benachbarten Schwerin einen einzigen Kritikpunkt: "Eure Eintrittspreise sind viel zu niedrig." Damit haben sie im Prinzip recht. In anderen Bundesländern werden für diese Form leicht 25 Euro Eintritt pro Karte verlangt und auch bezahlt. Ausgehend von den finanziellen Möglichkeiten der Einwohner unserer Region und unserem selbst gewähltem Anspruch "Theater für alle" zu produzieren, möchten wir aber möglichst vielen Besuchern dieses Haus zugänglich machen. Ein weitaus höherer Preis als 12 Euro pro Karte würde Besucher ausschließen oder sie mindestens an einem weiteren Besuch einer anderen Inszenierung hindern. Eine gut besuchte Abendvorstellung im großen Saal ist in jedem Fall einnahmeträchtiger, so dass eine deutlich positivere Entwicklung der Finanzeinnahmen tatsächlich erst eintritt, wenn der geneigte Zuschauer die ihm gegebene Möglichkeit weiterer Theaterbesuche auch nutzt.

Können die Schauspieler überhaupt zusätzliche Vorstellungen planen, schließlich sind sie ja auch in anderen Stücken zu sehen?

Mit regelmäßig mehr als 260 Vorstellungen pro Jahr und nur einer Sparte Schauspiel (insgesamt 35 Mitarbeitern) ist unsere Kapazitätsgrenze schon mehr als erreicht. Zum Vergleich: ein normales Vier-Sparten-Stadttheater mit 300 Mitarbeitern spielt, wenn es gut ist, etwa 700 Vorstellungen jährlich an nur einem Standort, während wir als Landestheater auch noch zusätzlich viel unterwegs zu etlichen Abstecherorten sind. Dennoch unternehmen wir unser Möglichstes, um der Nachfrage gerecht zu werden. Konkret: mit der Bekanntgabe des April-Planes sind gleichzeitig fünf weitere Vorstellungstermine für den Mai veröffentlicht worden. Auch Juni-Termine werden sobald als möglich bekannt gegeben. Schon jetzt steht fest, dass diese Inszenierung vom 29. Juni bis zum 28. Juli jeweils mittwochs bis sonntags im Rahmen unserer Kooperation mit der Volkstheater Rostock GmbH in der Kleinen Komödie Warnemünde zur Aufführung kommen wird. (Die Kartenpreise liegen dort bei ca. 18 Euro) Zusätzlich bleibt "Ein Herz und eine Seele" auch über das Jahr 2013 hinaus regelmäßig im Spielplan, so dass mit etwas Geduld auch jeder Zuschauer rein kommt.

Noch eine Frage zu diesem Thema, werden denn auch alle vorbestellten Karten rechtzeitig abgeholt?

Ab vier Karten Vorbestellungen auf einen Namen drängen wir auf eine Abholung im Vorfeld. Doch das ist im zweitgrößten Landkreis der Bundesrepublik nicht immer realisierbar. Wir freuen uns vermehrt, auch neues Publikum aus dem Altkreis Ludwigslust gewinnen zu können, da kann man schlecht verlangen, extra den Weg nach Parchim anzutreten, nur, um Karten abzuholen. Daher gibt es eine zugegebenermaßen noch etwas umständliche Möglichkeit der Überweisung und des Zusendens von Eintrittskarten. Ansonsten werden die Karten auf Vorbestellung bis zu einer halben Stunde vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse bereitgehalten, bis dahin nicht abgeholte Karten gehen dann in den Freiverkauf. Es kommt des Öfteren aber zu wenigen freien Plätzen, nur, weil Vorbestellungen nicht annuliert wurden. Das ist gleich doppelt ärgerlich. Nämlich zum einen für die Zuschauer, die sich vergeblich um Karten bemüht haben. Zum anderen minimieren sich dadurch die Einnahmen des Hauses.

Neben "Herz und eine Seele" ist das Repertoire des Landestheaters breit gefächert. Wie laufen die anderen Stücke?

Für den 8. März liegen für das "Rössl" in unserem Hause bis jetzt mehr als 200 Vorbestellungen vor. Auch die nächste Vorstellung am Ostermontag bei Bauer Korl in Golchen erfreut sich bereits einer regen Nachfrage. Zwischenzeitlich bockte das "Ross" jedoch ein wenig. Soll heißen, im Januar und Februar blieben die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurück und das trotz glänzender Kritiken und etlicher sehr positiver Bekundungen bisheriger Zuschauer. Überraschend verläuft die Resonanz auf unseren Ein-Mann-"Faust". Unsere letzte geplante "Hase und Igel"-Vorstellung am 10. Februar war so brechend voll, dass wir überlegen, in den Osterferien noch eine Zusatzvorstellung anzusetzen. Kürzlich war Premiere von "Die kleine Meerjungfrau", Das ist eine Inszenierung vor allem (aber nicht nur) für Kinder. Damit wird das Parchimer Theater seiner Hauptaufgabe - als Kinder- und Jugendtheater - gerecht.

Was wird uns in der zweiten Hälfte der Spielzeit 2012/2013 da noch erwarten? Für die nahe Zukunft stehen mit "FrühlingsStürme", einem Stück über sexuelle Aufklärung und "Tschick" einem Road-Movie noch zwei neue Jugendtheater-Inszenierungen ins Haus. Damit verfügen wir dann wieder über ein ausreichendes Repertoire, um Angebote für jede Altersgruppe, jeden Bildungsstand und jede Schulform in unserem Kerngeschäft vorzuhalten.

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