Parchim : Vermisst niemand sein Fahrrad?

Im Lager des städtischen Fundbüros „stapeln“ sich Fahrräder, die offenbar niemand vermisst. Fotos: Wolfried Pätzold
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Im Lager des städtischen Fundbüros „stapeln“ sich Fahrräder, die offenbar niemand vermisst. Fotos: Wolfried Pätzold

Schon zum Jahresbeginn jede Menge Arbeit im städtischen Fundbüro. Viele Schlüssel verloren. Drahtesel sind Ladenhüter

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11. Januar 2016, 14:06 Uhr

Selbst bei Schnee und Eis wollen manche Kreisstädter auf ihr Fahrrad nicht verzichten. Und doch scheint längst nicht jeder ein so inniges Verhältnis zu seinem Drahtesel zu haben. Immerhin 28 zum Teil sehr gut erhaltene Räder fristen im Depot des städtischen Fundbüros ein tristes Dasein und das vielfach schon seit Monaten. „Es ist nicht nachzuvollziehen. Die Räder sind meist fahrbereit, waren nicht ganz billig und müssten doch vermisst werden“, gibt sich Resi Koschel-Bühring, die im Fundbüro der Stadt seit rund vier Jahren den Hut auf hat ratlos. Im vergangenen Jahr hat nur ein Fahrradbesitzer das verschwundene Gefährt gesucht und freudestrahlend wieder in Empfang genommen. Ob die Fundräder entwendet und dann „entsorgt“ wurden, oder ein Pedalritter aus Schusseligkeit sein Rad vergessen hat, ist nicht bekannt. Oft findet die Polizei auf Kontrollgängen herrenlose Räder, wie wieder einmal an diesem Wochenende. Ein 28er Herrenrad mit zusätzlichem Kindersitz war im Bereich der Schleuse entdeckt worden und kam erst einmal mit ins Revier. Auch dieses Rad könnte den Bestand im Fundbüro vergrößern. Nach sechs Monaten Aufbewahrungszeit können die Räder an den Finder, oder für soziale Zwecke abgegeben werden. Die Stadt hat so bereits mehrfach die Vereins(a)uktionswoche des ZiP-Büros unterstützt. Der Erlös aus der Versteigerung der Fundräder kam der Kinder- und Jugendarbeit zugute.

„Ich rate jedem, der etwas vermisst, im Fundbüro nachzufragen“, so Resi Koschel-Bühring. Obwohl das Jahr erst wenige Tage alt ist, konnte sie bereits mehrere Parchimer glücklich machen. „Im Moment sind es Schlüsselbunde, die verloren und gefunden werden“, sagt sie und verweist auf eine gut gefüllte Ablage. Vor drei Tagen wurden drei Schlüssel mit einem Namensschild „Simone“ bei ihr abgegeben. Die Inhaberin eines Handyshops am Neuen Markt hatte es gefunden. Eine entsprechende Nachfrage gab es bislang nicht. Freudestrahlend nahm dagegen ein Vater für seinen Sohn, der außerhalb arbeitet, ein Schlüsselbund in Empfang, dass in der Parchimer Zeitung für Schlagzeilen gesorgt hatte. Und auch ein junger Flüchtling, der seine Brieftasche verloren hat, ist sehr dankbar, dass ihm geholfen werden konnte. „Die Parchimer sind ehrliche Leute. Da ist es keine Frage, dass mit Bargeld gut gefüllte Portemonnaies im Fundbüro landen. Leider gehen einige Zeitgenossen mit ihrem Eigentum ziemlich sorglos um“, meint die Fachfrau.

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