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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 17:55 Uhr

Parchim : Und plötzlich ist die Wohnung weg

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Mieterverein Parchim, Lübz und Umgebung wird zunehmend mit unrechtmäßigen Kündigungen konfrontiert.

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Zunehmend ist der Mieterverein Parchim, Lübz und Umgebung wegen unrechtmäßiger Kündigungen gefragt. Das erklärte Geschäftsführerin Catharina Möller-Federau beim Tag der offenen Tür des Vereins in dieser Woche in Parchim. Meist ging in solchen Fällen ein Eigentumswechsel voraus. Neue Besitzer der Immobilie konfrontierten die alten Mieter nicht selten mit einem veränderten Mietvertrag und Mieterhöhungen. Wenn die Wohnungsnutzer dann nicht darauf eingingen, folgte zuweilen die Kündigung. In Parchim habe es relativ viele solcher Fälle nach Häuserverkäufen unter Privatleuten gegeben, so die Geschäftsführerin.

Der Mieterverein konnte die Kündigungen abwenden. Denn eigentlich sind die Mieter rechtlich auf der sicheren Seite. Ein neuer Eigentümer muss die alten Mietverträge akzeptieren. Sie gelten weiter. Die Mieter müssen keinen neuen Vertrag unterschreiben. Ihr Mietverhältnis besteht zu den alten Bedingungen fort. Allerdings kostet die Auseinandersetzung in solchen Fällen Nerven. „Für viele ist es eine solche Belastung, dass sie sich dann eine neue Wohnung suchen“, erklärt Catharina Möller-Federau. Zuweilen gibt es solche Auseinandersetzungen auch, wenn der Vermieter gestorben ist und eine Erbengemeinschaft die Verantwortung übernommen hat. Es gebe auch immer wieder Fälle von vorgetäuschtem Eigenbedarf. Auch hier sind nicht selten Kündigungen unwirksam.

Zunehmend wenden sich auch Mitglieder an den Verein, weil ihre Mieten steigen. In Parchim sind die Kaltmieten mittlerweile auf 5,40 Euro und mehr pro Quadratmeter geklettert. Unter 5,30 Euro sei kaum noch etwas zu bekommen, so die Geschäftsführerin. Auch angesichts dieser Tatsache scheuen manche Mieter die Auseinandersetzung mit den Eigentümern bei Mängeln. Denn sie fürchten, dass sie kaum noch eine andere günstige Wohnung bekommen.

Vereinsvorsitzende Gertrud Schulz bezeichnet die Modernisierungsumlagen als einen Kostentreiber. Die elfprozentige Umlage bleibt, auch wenn die Kosten für den Umbau längst beglichen sind. Die Vorsitzende fragt sich, ob bestimmte Modernisierungen überhaupt zweckmäßig sind. Energetische Sanierungen wirken sich oft wenig oder zu gering aus. Die Mieter sparen zwar etwas an Energiekosten, damit würden aber nicht die Umlagen von elf Prozent ausgeglichen, die sie mehr für ihre Wohnung zahlen müssen.

Auf dem Lande gibt es teilweise noch preiswerten Wohnraum, so Catharina Möller-Federau und Gertrud Schulz. Allerdings lasse dann oft die Qualität zu wünschen übrig.

Beispielsweise in Karow. Der Mieterverein berichtet von nicht sanierten Wohnungen, von Blocks, die fast leer stehen. In solchen Immobilien ist zuweilen eine 70-Quadratmeter-Wohnung für 200 Euro zu haben.

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