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Parchimer Zeitung

18. Oktober 2017 | 22:31 Uhr

Parchim : Umbau wird teurer als erwartet

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Gemeindevertretung Obere Warnow beschließt höhere Kreditaufnahme, um den Erhalt der Arztpraxis auf dem Dorf zu sichern

von
erstellt am 22.Aug.2017 | 05:00 Uhr

450 000 statt 406 000 Euro: Das sind die neuen Berechnungen für den laufenden Umbau des früheren Konsums in Grebbin zum Mehrzweckgebäude mit Arztpraxis. Die Gemeindevertreter stimmten dafür, dass die Kommune mehr Geld als zunächst geplant bereitstellt und einen höheren Kredit aufnimmt.

160 700 Euro muss sich die Gemeinde Obere Warnow als Investitionskredit pumpen. Die Gemeindevertreter plädierten am Donnerstag vergangener Woche einstimmig dafür. Zuletzt hatte es im Dorfparlament Auseinandersetzungen um das Thema gegeben. Vermutet wird, dass auch der plötzliche Rücktritt des früheren Bürgermeisters Hartmut Bahl mit diesem Streit in Verbindung steht. Allerdings gab es dazu keinerlei Erklärung, auch nicht von Bahl selbst. Der amtierende Bürgermeister Bernd Kock meinte auf Anwohnerfragen, es handele sich um reine Spekulationen.

Dass der Streit um die Finanzierung die Gemeindevertreter entzweit, wurde bei der Debatte in der vergangenen Woche deutlich. Gemeindevertreter Maik Kindler betonte, dass es hier um die Schaffung von Räumen für die Arztpraxis und damit um Daseinsvorsorge geht. Wenn die Gemeinde dafür einen hohen Schuldenberg aufbaut, müsse ihr das egal sein.

„Wir können nicht sagen, nach uns die Sintflut“, so der amtierende Bürgermeister Bernd Kock. Er hatte bereits bei einer vorangegangenen Sitzung die Befürchtung geäußert, dass es bei der derzeitigen Investitionssumme von 450 000 Euro nicht bleiben könnte. Und er hatte ein Gespräch mit der Kommunalaufsicht zu dem Thema. Kock hatte Anfang August u.a. die Variante vorgeschlagen, den Ausbau nicht bis zu Ende zu führen.

Das Projekt zu stoppen ist allerdings offenbar nicht mehr möglich, ohne dass das zu Schaden für die Gemeinde führt. Roland Wulff vom Amt Parchimer Umland bestätigte auf Nachfrage in der Sitzung allerdings, dass die Planungen vor dem Umbau des früheren Konsums nicht bis ins Detail gegangen sind.

„Wir sollten darum kämpfen, die Arztpraxis in der Gemeinde zu halten“, so Gemeindevertreter David Wollgandt, der auf namentliche Abstimmung gedrängt hatte, um im Ernstfall einzelne Gemeindevertreter, die sich gegen die Weiterführung des Baus aussprachen, in Regress zu nehmen.

Auch die Gemeindevertreter, die mehr Bedenken hatten, stimmten aber zu. „Ich weiß, wie notwendig das ist, aber ich habe auch Bauchschmerzen bei der Finanzierungssumme“, erklärte beispielsweise Gritt Hoheisel. Jeder wisse, worüber hier abgestimmt wird, erklärte Bernd Kock.

Das Amt will den Bauablauf streng kontrollieren und so verhindern, dass es zu neuerlichen Kostenüberschreitungen kommt.

Nach Einschätzung von Kämmerin Regina Arendt ist die Neuverschuldung der Gemeinde Obere Warnow durch diesen Kredit „eher bedenkenlos“. Derzeit hat die Gemeinde Investitionsdarlehen von 479 000 Euro. Mit dem neuen Kredit kommt sie auf 640 000 Euro. Das entspricht einer Verschuldung von 819 Euro pro Einwohner.

Zu bedenken sei aber, dass sich allein 420 000 Euro auf Darlehen für die Wohnungen in Herzberg und Grebbin beziehen. Das kommt über Mieten wieder rein. Für die Infrastruktur der Gemeinde laufen noch Kredite für das Feuerwehrgebäude in Grebbin, für die Straße in Kossebade und die Bergstraße in Herzberg.

Die Kämmerin machte in der Gemeindevertretersitzung aber auch auf viele kommunale Objekte in der Gemeinde aufmerksam, deren Bewirtschaftung man sich teilweise nicht mehr leisten kann.

Für den Umbau des Konsums erhält die Kommune Fördermittel in Höhe von 200 000 Euro. Sie hatte mit wesentlich mehr gerechnet. Allerdings fiel ein anderer Fördertopf komplett aus, weil sich laut Kämmerin die Richtlinien geändert hatten. Dieses Geld hätte es nur gegeben, wenn die Kommune komplett auf Mieteinnahmen verzichtet hätte. Auch darüber wurde nachgedacht, so die Kämmerin. Doch auch das war nicht möglich.

 

 

 

 

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