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Junge Parchimer Künstler : "Uhus" mit ultravioletten Visionen

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Was dem einen Michelangelos David, das sind der UHU-Crew aus Parchim ihre "ultravioletten Visionen". Statt Klavier und Spachtel brauchen sie bis zu 14 Kilometer Wolle, jede Menge Holz, Nägel Kiloweise, Lycrastoff.

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erstellt am 24.Feb.2012 | 11:39 Uhr

Parchim | Was dem einen Michelangelos David und dem anderen Mozarts Figaro, das sind der UHU-Crew aus Parchim ihre "ultravioletten Visionen". Statt Klavier und Spachtel brauchen sie bis zu 14 Kilometer Wolle, jede Menge Holz, Nägel Kiloweise, Lycrastoff ohne Ende und hunderte schwarze Kabelbinder. Und wenn sie sich dann ans Werk machen, könnt’ man meinen, ein Handarbeitsclub mit Hang zu futuristischen Formen ist am Werkeln. Und eigentlich läge man damit gar nicht mal so falsch. Denn Handarbeit ist das, was die jungen Uhus machen, wirklich. Und futuristisch irgendwie auch.

Die "UHU-Crew" - das sind Matthias Dehn, Nick Olszewski, Henrik Liebenow, Robert Gamlin, Karsten Brüning, Anne Teterra… - unter anderem. Insgesamt sind sie mehr, nämlich etwa zehn Leute. "Wir haben ein festes Team, die Mehrbesetzung wechselt je nach Auftragsgröße und wie jeder halt Zeit hat", erzählt Matthias, einer der Köpfe der Truppe.

Die hatte sich vor ca. vier Jahren gegründet, nachdem ein paar der Jungs bei "Antaris" und von diesem Berliner Open Air Festival (four Days, three nights, two floors - vier Tage, drei Nächte, zwei Bühnen) total begeistert waren. "Vor allem von der Deko", erinnert sich Henrik. "So was, haben wir uns damals geschworen, machen wir auch mal."

Dazu muss man wissen, dass bei Parties dieser Art nicht mal eben ’ne glitzernde Diskokugel unter die Decke gehängt wird. Heutige Dekorationen sind so speziell und von Festivalveranstaltern nachgefragt, dass eigens dafür professionelle Deko-Teams engagiert werden. Diese Deko hat nichts zu tun mit der Kunst von Michelangelo und Mozart. Hier geht es auch nicht um vorgefertigte Strukturen, sondern vielmehr um Ideen, die Wirklichkeit werden. Und da kommen die "ultravioletten Visionen" des UHU-Teams ins Spiel. Ihre mit UV-Pigmenten gefärbten Wollfadengebilde, Tuchdrapierungen, Malereien und diverse andere ausgeklügelte Arrangements sind bei Tageslicht besehen durchaus interessant, besonders sind sie nicht. Erst unter Schwarzlicht erwacht ihre "Seele", dann entstehen außergewöhnliche Farb- und Leuchteffekte, die irgendwie gar keine Grenzen zu kennen scheinen.

Vier Jahren ist es her, als sich die UHU-Crew auf den Weg machte, diese spektakulären Party- und Festivalkulissen zu ersinnen, sie dann selbst zu bauen und schließlich eigenhändig zu installieren. "Stück für Stück haben wir uns diese spezielle Form der modern Art angeeignet, selbst Ideen entwickelt und versucht, sie immer mehr zu verfeinern," sagt Nick. "Es gibt viele Team wie uns. Wir sind keine Profis, UV-Deko ist unser Hobby, wenn- gleich es schon tolle wäre, wenn wir irgendwann einmal davon leben könnten."

Inzwischen haben die Parchimer so ziemlich alle in Frage kommenden Locations im Landkreis und der näheren Region für Parties ausstaffiert, sich längst auch andere Partyhochburgen in Deutschland erobert und möchten am liebsten noch weiter. "Im Ausland waren wir bisher immer nur als Gäste", sagt Robert, " auf ’ner Goa in Frankreich mal die Deko machen, das wäre schon cool."

Das bleibt vorläufig ein Traum. Einen anderen sind sie gerade dabei, sich zu erfüllen: Seit gestern Abend stellen die jungen "Uhus" ihre UV-Kunst bei "Mode, Kunst, Wein" in der Waagestraße aus. "Es ist unsere erste Ausstellung", sagt Henrik. Wie die anderen ist auch er der Boutique-Inhaberin dankbar dafür, dass sie ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. "Es ist natürlich nur ein kleiner Teil dessen, was wir sonst für Parties installieren. Aber wir werden sehen, wie es läuft, wie das Interesse an unserer Kunst und die Resonanz auf die Ausstellung sind. Und dann werden wir das gerne wiederholen", bleibt Matthias völlig gelassen.

Dass Parchim nicht das dankbarste Pflaster für ihre ultravioletten Visionen ist, ist den jungen Leuten durchaus bewusst. Dennoch laden sie alle herzlich ein, mehr über diese Kunst zu erfahren und sich mitreißen zu lassen möchte - und zwar noch bis 30. März.

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