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Erwerbslosen-Theater Parchim : Über sieben Berge lasst uns gehen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Beeindruckendes Spiel von erwerbslosen Laiendarstellern: Premiere ist am 22. März um 15 Uhr in Parchimer Tanz-Center

von
erstellt am 14.Mär.2017 | 22:00 Uhr

In der Tanzschule Röber wird in diesen Tagen fleißig geprobt, doch statt Tanzschritten sind schauspielerische Fähigkeiten gefragt. Auf der Bühne im großen Saal proben erwerbslose Frauen und Männer ein Theaterstück ein, mit dem sie sich selbst und die Zuschauer beschenken wollen.

Bereits zum dritten Mal inszeniert die Projektfabrik Witten in Parchim ein Laienspiel mit Arbeitslosen und hat dazu einige Partner auf die Bühne geholt. Neben dem Jobcenter und der Tanzschule Röber ist dies die Deutsche Angestelltenakademie (DAA). Als Regisseurin konnte erneut Sigrid Maria Schnückel verpflichtet werden, die den Fernsehzuschauern vor allem als Melanie Schmidt aus der RTL-Fernsehserie „Hinter Gittern“ bekannt ist und bereits in den Vorjahren in diesem außergewöhnlichen Projekt Regie führte.

„1x Schnittchen, 1x Miststück mit 7 Knappen to go, bitte“ heißt das diesjährige Stück und die Darsteller im Alter ab 50 Jahren, haben ihren Spaß bei diesem Spiel gefunden. Dabei war das nicht so einfach. Carola Jantzen beispielsweise ist 53 Jahre alt und seit etlichen Jahren ohne Job. „Ich musste erst reinschnuppern und mich im Laufe der Zeit auf diese neue Situation einstellen“, sagt sie, die den 6. Zwerg spielt.

Vor allem das Stehen auf einer Bühne und das Spiel vor Zuschauern ist ihr eigentlich fremd, doch im Laufe der Zeit siegten die Neugier und das Interesse an der ungewohnten Arbeit. „Ich habe hier schon etwas gelernt und das ist die Stärkung meines Selbstbewusstseins“, sagt sie und geht auf die Bühne zu ihrem Auftritt. Ines Zeylan ist noch nicht so lange ohne Job und findet diese Art der Weiterbildung prima. „Der Zusammenhalt ist ganz gut, man lernt neben dem Text auch einige persönliche Blockaden abzubauen“, sagt sie und bereitet sich auf ihren Auftritt als schlafwandelnder Zwerg vor. Auch andere Mitspieler bestätigen, dass sie mit der Zeit Spaß am Spiel gefunden haben und die anfängliche Scheu überwunden haben. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Art der Regisseurin, mit ihren Darstellern umzugehen. „Sie kann schon eine Nervensäge sein, aber es muss sie auch“, lautet das einhellige Urteil und es ist ein dickes Lob.

Das eigentliche Ziel aber ist nicht das Theaterspiel, sondern über dieses Spiel zu sich selbst zu finden, seine Stärken zu erkennen und Schwächen zu überwinden und letztlich wieder Fuß zu fassen im beruflichen Alltag. Das ist für einige Teilnehmer eine große Hürde, die aber im Team gemeistert werden kann. Dass dem so sein kann, zeigen die Ergebnisse bisheriger Arbeit. Viele konnten danach eine neue Ausbildung, eine Umschulung oder dergleichen starten und selbstbewusster und gestärkt die Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern angehen. Deshalb bleibt es nicht bei dem Spiel, sondern das Projekt beinhaltet mehrere Stufen und das Theaterspiel ist ein Teil. Zum Stück selbst soll nicht viel verraten werden. Nur so viel, Schnittchen und sieben Knappen erinnert stark an Schneewittchen und die sieben Zwerge, doch das wäre zu einfach und so gibt es eine ganz besondere Fassung, in der sich Schiller, Goethe, die Gruppe Karat und Peter Maffay auf irgendeine Weise begegnen. Besonders interessant auch der neu gefasste Text „Über sieben Berge lasst uns gehen“ in Anlehnung an den bekannten Hit. Wenn am Schluss alle a capella singen „…Sieben Knappen sehen endlich wieder Licht! Faule Socken sind wir nämlich nicht…“, dann ist das ein optimistischer Blick in die Zukunft, den allen gegönnt sei.

 

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