Parchim : Traumjob mit Tier und Traktor

Der zugstarke Traktor ist eher seine Fahrzeugklasse: Lukas Hellwig gibt sich nicht mit normalen Pkw ab.
Der zugstarke Traktor ist eher seine Fahrzeugklasse: Lukas Hellwig gibt sich nicht mit normalen Pkw ab.

Berufsperspektiven in der Heimat: Der Land- und der Tierwirt hat einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag.

svz.de von
05. März 2018, 20:45 Uhr

Die Welt ist weit, doch am schönsten ist es bekanntermaßen wo? Genau, zu Hause. So haben wir uns auf die Fahne geschrieben, einige Ausbildungsberufe in und um Parchim vorzustellen. Kurze Anfahrtswege, ein festes Gehalt und ein Platz mitten in der Heimat.

Carsten Timm ist der Kuhflüsterer. Auf dem Gelände der Agrar GmbH Diestelow ist er quasi Herbergsvater von 330 Milchkühen und die, weiß er, „haben eine Wohlfühltemperatur von 0 bis 15 Grad Celsius“. Also kein Mitleid mit Milchspendern auf den Winterwiesen, denen geht es zurzeit besser als manch einem Mecklenburger.

Doch vergessen wir einmal das muntere Faktenjonglieren und konzentrieren uns auf das Wesentliche: die Ausbildung zum Land-bzw. Tierwirt. Schon ein Schild vor dem Eingang des Büros der seit 1999 unter Federführung von Carsten Timm existierenden Gemeinschaft verrät, hier ist Nachwuchs willkommen: „Wir bilden aus“. Tatsächlich werden in diesem Ausbildungsjahr sechs Lehrlinge auf dem 1850 Hektar großen Gelände in die Geheimnisse der Agrar- und Tierwirtschaft eingeweiht. Während der Landwirt sowohl die Tier- als auch die Pflanzenproduktion erlernt, kann bei dem Tierwirt zwischen zwei Ausbildungen gewählt werden: die Fachrichtung Rinder- oder die Fachrichtung Schweineproduktion. Der Diplom-Agraringenieur Carsten Timm hält viel von der Nachwuchsförderung, weiß aber auch, dass manch einer die Ausbildung unterschätzt.

„Es reicht bereits der Hauptschulabschluss, aber manch einer könnte da Probleme in der Berufsschule bekommen“. Es gebe aber natürlich auch Ausnahmen. „Lukas Hellwig zum Beispiel.“ Dieser hatte nach der neunten Klasse die Schule abgeschlossen und sich im Laufe der Ausbildung „unglaublich stark entwickelt“. Der jetzt im zweiten Ausbildungsjahr zum Landwirt lernende Lübzer hatte sich schon als kleines Kind für die Landwirtschaft interessiert und als zweite Option auch eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau ins Auge gefasst. Doch er steht jetzt mit beiden Lehrlings-Beinen fest im Diestelower Unternehmen: „Es ist sehr abwechslungsreich, besonders mag ich das Bedienen der Maschinen“, so der 17-Jährige. Auch das frühe Aufstehen, halb sechs am Morgen, sieben Uhr Arbeitsbeginn, sei für ihn kein Problem. Er bringt gute Voraussetzungen mit, die auch zukünftige Interessenten haben sollten: „Naturverbundenheit, Robustheit“, zählt Carsten Timm auf, „Leidenschaft für den Beruf und ein Grundinteresse für die natürlichen Prozesse sollten vorhanden sein“. Den theoretischen Teil der dreijährigen Ausbildung erhalten die Jungen und Mädchen an der Berufsschule Zierow bei Wismar (Landwirt) und Güstrow (Tierwirt). Sie bekommen vom ersten bis zum dritten Lehrjahr ein Gehalt von 440, 480 und 540 Euro brutto. Zusätzlich gibt es - einmal jährlich- eine sogenannte „erfolgsabhängige Vergütung“, welche auf dem Notendurchschnitt der Berufsschule basiert. So können zusätzlich 144 bis 540 Euro erarbeitet werden. Anreiz genug, in der Schule noch besser aufzupassen...

Der Alltag der Auszubildenden in Diestelow ist eine Mischung aus verantwortungsvollen Tätigkeiten: Das Bedienen der riesigen Mähdrescher, die flächendeckende Ernte in den späten Sommermonaten um Raps, Weizen, Gerste und Mais einzubringen, die Belegung der 850 Sauen, das in 12-stündigen Abschnitten fällige Melken der Kühe, welches an sich jeweils drei Stunden einnimmt – alles, um unsere tägliche Milch in den Kaffee, das Sonntagsbrötchen auf den Tisch und die deftige Salami auf unser Pausenbrot zu bringen.

„Wir denken immer in Kreisläufen“, so Carsten Timm, der jetzt in den kalten Wintermonaten des neuen Jahres die Hände voll zu tun hat mit der Jahresplanung und -organisation. Das sollte auch der zukünftige Auszubildende beherzigen, denn in dessen verantwortungsvollen Händen liegt „unser täglich Brot“.


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