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Suchthilfezentrum Parchim : Teures Lehrgeld für Alkoholsünder

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Es kostet mehrere tausend Euro, um die Fleppen wieder zu bekommen / SVZ sprach mit Jutta Scharf vom Suchthilfezentrum Parchim

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erstellt am 06.Feb.2015 | 07:45 Uhr

Teures Lehrgeld: Mehrere Tausend Euro kostet es einen Autofahrer, der mit 1,6 Promille und mehr am Steuer erwischt wird, um seinen Führerschein wieder zu bekommen, Strafen zu bezahlen, Schäden zu begleichen. Das geht aus Erhebungen des Suchthilfezentrums Parchim hervor.

Erst am vergangenen Wochenende hatte die Polizei auf den Straßen des Landkreises Ludwigslust-Parchim erneut zwölf angetrunkene Autofahrer erwischt - teils mit so hohen Promillewerten, dass der Führerschein sofort eingezogen wurde. „Das ist doch Wahnsinn“, sagt Jutta Scharf, Leiterin des Suchthilfezentrums. Wenn der Führerschein weg ist, beginnt für ihr Team die Arbeit.

Wer mit einem Alkoholwert von über 1,6 Promille oder als Mehrfachtäter am Steuer erwischt wird, ist seinen Führerschein los, erklärt Jutta Scharf. Gleiches gilt beim Fahren unter illegalen Drogen wie Amphetaminen, Ecstasy, Kokain. Wer ertappt wird, ist laut Gesetz zehn Jahre fahruntauglich. Und könnte sich seinen Führerschein erst nach 15 Jahren wieder abholen. Abkürzen lässt die führerscheinlose Zeit durch die im Volksmund als Idiotentest bekannte medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU). Die kann nach einem Jahr, im günstigsten Fall nach einer Sperrfrist von einem halben Jahr abgelegt werden.

90 Prozent der MPU-Teilnehmer fallen allerdings ohne spezielle Vorbereitung durch. Zu denjenigen, die die Pleite verhindern und sich auf die Begleitung der Betroffenen spezialisiert haben, gehört das Suchthilfezentrum. Der freiwillige Vorbereitungskurs kostet hier eine Pauschale von 300 Euro. Dafür werden die Betroffenen das ganze Jahr begleitet.

Wer seinen Führerschein abgeben muss, sollte sich relativ schnell Rat holen, rät Jutta Scharf. Im Einzelgespräch klären die Suchtberater zunächst, wie ernsthaft ein Alkohol- oder Drogenproblem ist. Es muss ermittelt werden, wo die Therapie ansetzen kann. Wichtig ist, dass sich die betroffenen Autofahrer kritisch mit sich selbst auseinandersetzen. Die kritische Sichtweise auf das Delikt ist auch ein wichtiges Kriterium beim psychologischen Gespräch im Rahmen des „Idiotentests“.

Es gehe letztlich darum, den Verkehr sicherer zu machen, so Jutta Scharf. Es sei wichtig, dass die betroffenen Autofahrer in ihrem Leben etwas verändern. Man versuche, den Kursteilnehmern „MPU als Chance“ zu vermitteln. Jutta Scharf: „Führerscheinentzug ist ein wichtiges Mittel, um Menschen zum Umdenken zu bewegen.“ Bei der Vorbereitung auf die amtliche Untersuchung wollen die Berater sensibilisieren, damit die ertappten Autofahrer nicht rückfällig werden. Bei der überwiegende Zahl fällt der Groschen. Allerdings ist auch etwa jeder vierte, der die MPU absolviert, rückfällig.

Autofahrer, die mit Drogen und Alkohol unterwegs sind, sind sich selten bewusst, wie teuer es wird, den Führerschein zurück zu bekommen. Allein die MPU kostet knapp 400 Euro. Nicht selten müssen die Betroffenen vor dem Test nachweisen, dass sie clean sind - mit bis zu sechs Urinkontrollen. Jede davon kostet 95 Euro. Auch werden in Abhängigkeit vom Einkommen des Autofahrers Strafen verhängt - zwischen 30 und 45 Tagessätze. Teilweise müssen Schäden am eigenen Auto oder beispielsweise an Leitplanken berücksichtigt werden. Hinzu kommen beispielsweise Gebühren bei der Führerscheinstelle. Im besten Fall kam ein Klient des Suchthilfezentrums im Vorjahr mit Kosten von 1340 Euro davon, um die „Fleppen“ wieder zu bekommen, wobei er zusätzlich seine Strafe abgearbeitet hat. Im höchsten Fall kostete einem Mann der „Spaß“ über 14 000 Euro. Hinzu kam eine noch höhere Summe als Verdienstausfall, weil er mit dem Führerschein auch seinen Arbeitsplatz verloren hatte.

69 Männer und Frauen betreuten die Parchimer Suchtberater im Vorjahr in Sachen MPU. Die überwiegende Zahl schloss die Vorbereitung auf den „Idiotentest“ erfolgreich ab oder setzt sie in diesem Jahr fort.

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