Schuldenberg hemmt Entwicklung in den Dörfern : Tessenow: Gewerbepark Klotz am Bein

<fettakgl>Mit dem Gewerbegebiet</fettakgl> in Zachow hat sich die Gemeinde eine schwere finanzielle Last aufgebürdet.<fotos>Wolfried Pätzold</fotos>
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Mit dem Gewerbegebiet in Zachow hat sich die Gemeinde eine schwere finanzielle Last aufgebürdet.Wolfried Pätzold

Nachdem die Schneefälle auch die Dörfer der Gemeinde Tessenow noch einmal in eine weiße Märchenlandschaft verwandelt haben, kann Bürgermeister Reinhard Müller (CDU) dem Comeback des Winters nicht viel Gutes abgewinnen.

svz.de von
27. März 2013, 02:53 Uhr

Tessenow | Nachdem die Schneefälle kurz vor Frühlingsbeginn auch die sechs Dörfer der Gemeinde Tessenow noch einmal in eine weiße Märchenlandschaft verwandelt haben, kann Bürgermeister Reinhard Müller (CDU) dem Comeback des Winters nicht viel Gutes abgewinnen. "Jeder Einsatztag des Winterdienstes kommt uns teuer. Da müssen wir diesmal richtig Geld in die Hand nehmen, das wir eigentlich gar nicht haben", beklagt das Gemeindeoberhaupt die prekäre Finanzsituation seiner Kommune. "Meine Vorgänger sind vor sechs Jahren in eine tückische Steuerfalle getappt. Das müssen wir nun ausbaden", sagt Müller. Seinerzeit hatte ein im Ortsteil Zachow ansässiges Dienstleistungsunternehmen der Medizinbranche mit in Aussicht gestellten Gewerbesteuern zunächst für Einnahmen in Größenordnungen von rund 200 000 Euro gesorgt, die allerdings wie eine Seifenblase zerplatzten und zu katastrophalen Ausfällen der Schlüsselzuweisungen des Landes und schließlich schmerzlichen Rückzahlungen führten. "Eigentlich hätten wir auch in diesem Jahr ein ausgeglichenen Haushalt, aber die zur Verfügung stehenden 80 000 Euro gehen komplett für Schulden drauf", ärgert sich Reinhard Müller. Auch mit seinem zweiten Sorgenkind kommt er nicht aus der Verlustzone. "Unser Gewerbegebiet in Zachow ist wie ein Klotz am Bein. Für die Erschließungskosten werden wir noch Jahre zahlen, ohne nennenswerte Einnahmen zu erzielen." Nachdem im Traditionsunternehmen "Eldekonserven" das Licht ausging und sich bis dato keine neuen Investoren dafür interessieren, liegt ein langer Schatten auf dem Gewerbeareal am Dorfrand. Darüber kann auch der Photovoltaikpark, für den die Gemeinde Land verkauft hat, nicht hinwegtäuschen. Die Erwartungen, dass damit zeitnah Gewerbesteuern in die Gemeindekasse kommen, blieben bislang unerfüllt.

Wie knapp in Tessenow inzwischen das Geld ist, bekamen die Bürger erst kürzlich zu spüren, als sie von der Erhöhung der Grundsteuern informiert worden sind. "Wir wurden gezwungen, die Hebesätze auf den Landesdurchschnitt anzuheben. Das hat uns zwar nur wenige Mehreinnahmen beschert, aber wir können uns weiterhin den ,Luxus’ eines Gemeindezentrums und eines Gemeindearbeiters für sechs Orte leisten", kommentiert Reinhard Müller diese Entscheidung mit ein wenig Sarkasmus.

Viel lieber würde er den Ausbau der Infrastruktur in den Dörfern vorantreiben. "Dank der Unterstützung eines Handwerksbetriebes aus der Gemeinde können wir unsere Spielplätze zwar kostengünstig instand setzen, aber nicht wirklich erneuern. Auch für die erforderliche Sanierung von Straßen wie beispielsweise dem Ring in Tessenow ist Geduld gefragt", sagt Müller. Umso glücklicher ist er, dass andere Projekte wie der Bau eines dringend erforderlichen Wasserrückhaltebeckens in Zachow und die Bereitstellung von schnellem Internet inzwischen realisiert werden konnten. Als Erfolg verbucht der Bürgermeister auch den Generationswechsel und die Zusammenlegung der Feuerwehren. "Die Fusion ist gelungen und unsere Feuerwehr im Dorfleben fest verankert. Das soll auf jeden Fall so bleiben. Was die Kameraden für ein lebendiges Dorfleben beisteuern, wird beim großen Tauziehen am 6. Juli wieder zu sehen sein", freut sich der Bürgermeister schon jetzt. Weitere Höhepunkte im kulturellen Veranstaltungsprogramm der Gemeinde sollen am 28. März in Poltnitz und Malow sowie am 30. März in Tessenow die Osterfeuer werden. Im Herbst ist erneut ein Erntefest geplant.

Bürgermeister Reinhard Müller befürchtet wie viele seiner Mitbürger, dass der Gemeinde womöglich stürmische Zeiten bevorstehen. "Die Pläne eines Investors aus Rostock, der auf einer bislang landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen Malow Mühle, unterhalb von Tessenow bis kurz vor Zachow einen Windpark mit fast 200 Meter hohen Türmen aufbauen will, bereitet uns große Sorgen. Wir lehnen die gigantischen Windkraftanlagen ab und lassen uns damit unsere schönen Dörfer nicht kaputt machen", gibt sich das Gemeindeoberhaupt kämpferisch.

Schon jetzt ist die Einwohnerzahl von einst mehr als 700 auf nur noch rund 630 gesunken. "Wir sind froh, dass junge Familien zurückkommen. Das werden sie sich evtl. überlegen, wenn Windtürme am Dorfrand die Idylle verschandeln und damit die Lebensqualität sinkt", befürchtet Reinhard Müller.

In einem Brief an alle Bürgermeister hat Landrat Rolf Christiansen (auch Chef des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg) vor wenigen Tagen darüber informiert, dass neue Windenergieeignungsräume ausgewiesen werden sollen (wir berichten). "Ich nehme ihn beim Wort, dass es unsere gemeinsame Zielstellung sein muss, hierbei den größtmöglichen Nutzen für unsere Region zu erzielen", stellt Reinhard Müller klar.

Doch die Realität sieht anders aus: Bislang hätten die der Gemeinde stets als zukunftssicher angepriesenen Projekte allerdings überwiegend finanzielle Nachteile gebracht.

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