zur Navigation springen
Parchimer Zeitung

17. November 2017 | 18:56 Uhr

Parchim : Tennishalle bleibt, Kraftwerk kommt

vom

Die Stadtwerke ersetzen ihr Gas- durch ein Holzkraftwerk. Dafür wurde das benachbarte Grundstück der Tennishalle erworben. Ein Drittel der Halle wird abgerissen. Der Rest steht weiterhin für den Sport zur Verfügung.

svz.de von
erstellt am 22.Aug.2012 | 10:00 Uhr

PARCHIM | Die Stadtwerke Parchim (SWP) wollen ihr Kraftwerk an der Ziegendorfer Chaussee (Ecke Raiffeisenring) von der Versorgung mit Erdgas abkoppeln und stattdessen eine Anlage errichten, die ab Ende 2013 Wärme und Strom durch die Verbrennung von Holzresten aus dem Parchimer Stadtwald erzeugt. Für den Standort des Biomasse-Kraftwerks wurde von der Immobilienverwaltung Hans Thon & Lorenz Lüders bereits das benachbarte Grundstück der Tennishalle erworben, sagt SWP-Geschäftsführer Dirk Kempke. Ein Drittel der 3800 Quadratmeter großen Halle soll abgerissen werden, um Platz für das neue Kraftwerk zu schaffen. Der Rest steht weiterhin Sportlern und Schülern zur Verfügung. Damit ist die Angstpartie um den Fortbestand der Halle beendet (wir berichteten).

Auf einer Anwohnerversannlung im Rathaus stellten Kempke und Planungsingenieur Hartwig Kühl ("Energieprojekt", Schwerin) das Projekt vor. Bislang war das Restholz aus der Bewirtschaftung des Stadtwaldes verkauft worden, bis hinunter nach Leipzig oder Dresden. Bezahlt wurde aber nur diejenige Holzmenge, die dort ankam - reduziert durch Transportverluste und Trockenschwund. "Wir suchten deshalb nach einer Möglichkeit, unser städtisches Holz in Parchim thermisch zu verwerten", erklärte Stadtrat Detlev Hestermann. Parallel dazu sind die Stadtwerke ohnehin daran interessiert, den Einsatz fossiler Brennstoffe zu reduzieren. Dabei spielen mögliche Preiserhöhungen von Gas, Öl und Kohle und der Wunsch, die Kohlendioxid-Bilanz zu verbessern, eine große Rolle. Dazu trägt unter anderem bereits das Kraftwerk bei, das die Stadtwerke auf dem Gelände der Kläranlage betreiben.

Am Tennispark soll eine Anlage entstehen, deren Betrieb vollautomatisch läuft. Ein Lastwagen pro Tag schüttet die zuvor zerhackten Holzreste in einer Halle auf ein so genanntes Vorschubrost. Pro Jahr werden etwa 5000 Tonnen Restholz verbraucht. Seine Verbrennung erhitzt ein Thermo-Öl, dessen Wärme eine organische Flüssigkeit verdampfen lässt. Dieser Dampf treibt eine Turbine, die etwa 0,3 Megawatt Strom erzeugt, etwa soviel wie für die Versorgung von 450 Haushalten nötig ist. Mit der Wärme des Dampfes wird zudem Fernwärme in der Größenordnung von 1,3 Megawatt erzeugt. Das entspricht etwa einem Viertel der gesamten Wärmeleistung der Parchimer Stadtwerke. "Diese erprobte und bewährte Technologie funktioniert bereits bei niedrigen Temperaturen", erklärte Planungsingenieur Kühl. Ein weiterer Vorzug sei, dass es sich um einen komplett geschlossenen Kreislauf handelt. Die Kosten für die Versorgung mit Strom und Wärme können laut Stadtwerke-Geschäftsführer Dirk Kempke durch entsprechende Lieferverträge mit der Stadt auf lange Sicht in einem überschaubaren Rahmen gehalten werden. Jährlich werde der Verbrauch von 800 000 Kubikmeter Erdgas eingespart und der Ausstoß an Kohlendioxid um 1500 Tonnen reduziert. "Der Betrieb des neuen Kraftwerks soll die Anwohner so wenig wie möglich beeinträchtigen." Deshalb werde die Genehmigungsbehörde alle Immissionen wie Schall oder Geruch ausgiebig dahingehend prüfen, ob sie die rechtlichen Vorgaben einhalten. Die Pläne seien so weit gediehen, dass sie reif zum Einreichen seien.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen