Parchim : Tempo 30 gegen den Straßenlärm?

Parchims am stärksten befahrener Straßenabschnitt befindet sich in der Wallallee zwischen Moltkeplatz und der Teilung der Bundesstraßen Richtung Lübz und Schwerin. Hier gibt es zum Glück keine Bewohner direkt an der Straße.
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Parchims am stärksten befahrener Straßenabschnitt befindet sich in der Wallallee zwischen Moltkeplatz und der Teilung der Bundesstraßen Richtung Lübz und Schwerin. Hier gibt es zum Glück keine Bewohner direkt an der Straße.

Nervige Geräusche an den Bundes- und Landesstraßen durch Parchim. Aktionsplan macht Vorschläge zu veränderter Verkehrsführung.

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18. Januar 2018, 05:00 Uhr

Ab einem Schalldruckpegel von 65 bis 75 Dezibel wirkt Lärm als Stressfaktor. Dieser Pegel ist an Hauptverkehrsstraßen durch Parchim längst erreicht. Das geht aus dem Entwurf für den Lärmaktionsplan hervor, der im Stadthaus ausliegt.

Der Plan macht Vorschläge zur Lärmreduzierung - beispielsweise durch Tempo 30. Im Auftrag des Landes gab es analytische Untersuchungen an stark befahrenen Straßen und Eisenbahnstrecken, wo Menschen vom Verkehrslärm betroffen sind, erfuhr SVZ von Norbert Kreft, Sachbearbeiter Stadtplanung im Rathaus. Dabei wurde auch die Lärmbelästigung an Bundes- und Landesstraßen in Parchim analysiert, nicht aber die Situation an kommunalen Straßen.

Worüber sich die meisten Passanten und Anwohner schon vorher im Klaren waren, das haben Spezialisten im Detail ausgerechnet: Besonders laut ist es an den Straßen Westring, Ziegeleiweg, Südring, Buchholzallee, Putlitzer Straße, Brunnenstraße, Ostring, Wallallee, John-Brinckman-Straße, Schweriner Straße, Schweriner Chaussee. An den viel befahrenen Straßen werden demnach durchschnittliche Lärmpegel von 70 bis 75 Dezibel erreicht. Das liegt über den Grenzwerten, die eine Bundesverordnung für den Verkehrslärmschutz vorsieht. Demnach darf der Pegel in Mischgebieten mit Wohnhäusern und Gewerbe tagsüber nur 64 und nachts 54 Dezibel betragen. Für reine Wohngebiete und Straßen an Krankenhäusern gelten strengere Vorschriften.

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Die Kommunen sind zu Lärmaktionsplänen verpflichtet. Dem kommt jetzt Parchim nach. Im Entwurf des Aktionsplans gibt es Ansätze, wie sich der Verkehrslärm minimieren ließe. Ob sie wahr werden, entscheidet nicht die Stadt alleine. Schließlich geht es hier um Straßen in Verantwortung des Bundes und des Landes.

Einer der Vorschläge wurde bereits in der Vergangenheit in der Stadt diskutiert: Reduzierung des Tempolimits auf den Durchgangsstraßen auf Tempo 30. Zumindest auf Teilen der Straßen und nachts.

 Norbert Kreft mit dem Aktionsplan, der die Lärmbelastung auf Bundes- und Landesstraßen in Parchim untersucht.
Michael Beitien
Norbert Kreft mit dem Aktionsplan, der die Lärmbelastung auf Bundes- und Landesstraßen in Parchim untersucht.

Zur Diskussion steht beispielsweise auch, ob man das Einbahnstraßensystem in der Buchholzallee und der Putlitzer Straße aufhebt. Mit dem Sinn, den Durchgangsverkehr auf eine Straße zu konzentrieren. In der einen Straße würde es ruhiger werden, in der anderen allerdings noch lauter. Es ist also eine Abwägungsfrage. Eine grundsätzliche Überlegung ist es, den Verkehr auf wenige Straßen zu konzentrieren. Wenn möglich dort, wo nicht so viele Menschen betroffen sind. Wobei es immer Konflikte gibt. Der Westring ist auf beiden Seiten bewohnt. Würde man die Fahrzeuge über Raiffeisen- und Gagarinring leiten, passieren sie auf einer Straßenseite Gewerbe. Für die Anlieger auf der anderen Seite würde es allerdings lauter.

Eine Entlastung könnte die geplante Ortsumfahrung der Bundesstraßen 191/321 im Norden von Parchim bringen. Laut Verkehrsentwicklungsplan der Stadt, der allerdings anderthalb Jahrzehnte alt ist, könnte sich die Zahl der Fahrzeuge auf Parchims am stärksten beanspruchten Straßenabschnitt zwischen Moltkeplatz und Kreuzung Ostring/Wallallee um ein Drittel reduzieren. Ob die Anwohner es als weniger störend empfinden, wenn weniger Laster, aber immer noch einige nachts an ihren Häusern vorbeikommen, bleibt allerdings offen, gibt Norbert Kreft zu bedenken.

Ebenfalls in die Debatte um Lärmschutz passt der Vorschlag, Parchim für Radfahrer attraktiver zu machen, damit Autos für Stadtfahrten weniger genutzt werden.

Definiert werden im Plan auch Gebiete, in denen es ruhig bleiben soll. Und aus denen auch künftig der Lärm möglichst heraus gehalten wird.

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