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Region Parchim/Lübz : Tauziehen um die Bahn geht weiter

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Im Arbeitskreis Mecklenburgische Südbahn machen sich Städte und Gemeinden gemeinsam für den Erhalt der Bahnstrecke Hagenow - Neustrelitz stark. Bis Ende 2014 fährt die ODEG auf der Strecke deutlich reduziert.

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erstellt am 12.Apr.2013 | 09:42 Uhr

Parchim | Bürger und Gemeinden kämpfen weiter um den Erhalt der Bahnstrecken in der Region: Ziemlich genau vor einem Jahr fand in Rostock der Bahn-Krisengipfel statt. Hintergrund waren Befürchtungen, dass MV den Schienen-Nahverkehr aufs Abstellgleis schiebt. Nach dem Aus für landesweit 17 wenig genutzte Zugverbindungen ab diesem Jahr stellte das Land damals auf vier weiteren Strecken den Verkehr in Frage. Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD) hatte die erst vier Monate zuvor begonnene Auftragsvergabe für den Betrieb der Strecken Schwerin - Hagenow/Stadt, Rehna - Schwerin - Parchim, Hagenow/Stadt - Ludwigslust - Parchim - Waren - Neustrelitz und Plau - Waren gestoppt. Wegen finanzieller Fehlkalkulationen im Verkehrsressort stand mit einem Schlag mehr als ein Zehntel aller Nahverkehrsleistungen auf dem Spiel.

Heute, ein Jahr danach, ist die Situation keinesfalls entspannter, geht nach öffentlicher Kritik und Unterschriftensammlungen der Kampf um den Erhalt der Strecken in die nächste Runde: So haben sich Anfang März die Kommunen mit Haltepunkten bzw. Bahnhöfen entlang der Strecke Hagenow/Stadt - Ludwigslust - Parchim - Waren - Neustrelitz im "Interkommunalen Arbeitskreis Mecklenburgische Südbahn" zusammengeschlossen. Erklärtes Ziel des länderübergreifenden Arbeitskreises ist es, dass der SPNV - der Schienenpersonennahverkehr auf o. g. Strecke durch das Land zu erhalten ist und auch die entsprechende Ausschreibung über das Land erfolgt. In einer Dringlichkeitssitzung am Mittwochabend beschlossen die Lübzer Stadtvertreter die Mitarbeit in diesem Gremium.

Bevor das Land den SPNV auf den vakanten Strecken finanziell stützt, sollte eine Bedarfsanalyse erfolgen. "Diese ist auch gemacht worden", sagte gestern Lübz’ Bürgermeisterin Gudrun Stein. "Wir zweifeln jedoch an, dass die ermittelten Fahrgastzahlen repräsentativ sind." Zu der Annahme kommt der Arbeitskreis aufgrund etlicher Großbaustellen auf Strecken, die durchaus Auswirkungen auf die ODEG-Verbindung R3 Hagenow - Neustrelitz haben könnten. "Wir wollen eine Wiederholung der Bedarfsanalyse und wir wollen den Erhalt der Strecke", sagt Gudrun Stein. Gerade für Ältere, deren Mobilität extrem eingeschränkt ist, sei sie wichtig. Und auch für junge Leute sei sie oft die einzige Möglichkeit, sich fortzubewegen.

Während die ODEG nach Verhandlungen mit dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte übereinkam, den Schienenpersonennahverkehr auf der Strecke Mirow - Neustrelitz durch eine Notvergabe zu regeln, wird die Strecke R3 Hagenow - Neustrelitz bis Ende 2014 von der ODEG reduziert bedient, sprich ein Teil der Verbindungen ist gestrichen worden.

"Es würde mich freuen, wenn die Bestellung des SPNV in der Region auch über 2014 hinaus gelingt", sagt Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer der ODEG (Ostdeutsche Eisenbahn Gesellschaft), die ihren Firmensitz in Parchim hat. Aus seiner Sicht sei das jedoch vor allem eine Frage der Finanzierbarkeit. Und der Wirtschaftlichkeit. "Strecken um jeden Preis zu erhalten, wird nicht funktionieren", räumt Schuchmann ein. Da könnten Land oder Landkreise auch jedem Einwohner eine Taxifahrt spendieren und kämen so nicht nur ökonomischer, sondern wären auch ökologischer. Der ODEG-Chef spricht von politischen Prioritäten. Und er spricht von den so genannten "Regionalisierungsmitteln" die das Land vom Bund erhält, um neben dem ÖPNV bestellter Busbetriebe auch die Bahn fördern zu können. 2011 machten diese Mittel 231 Mio Euro aus, 2012 betrug die Summe sogar 253 Mio Euro. Nach einem Absinken auf 238 Mio in diesem Jahr sollen sie 2014 erneut steigen - um genau vier Mio Euro. Das klingt gut. Wenn nicht Anfang 2015 eine Neuverteilung der Mittel anstehen würde. Und so stellt sich schon heute die Frage, wie viele dieser Millionen für die Aufrechterhaltung von ÖPNV bzw. SPNV in das Land mit dem nach wie vor größten Bevölkerungsschwund gehen werden.

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