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In Revieren des Forstamtes Karbow kein Verkauf : Tanne vom Förster bald eine Rarität?

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In diesem Jahr dürfte es schwieriger werden, einen Weihnachtsbaum aus einem Wald vor der Haustür zu bekommen. In den sieben Revieren werden erstmals keine Weihnachtsbäume aus heimischen Wäldern verkauft.

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erstellt am 25.Nov.2011 | 05:42 Uhr

Karbow/Sandhof | Kinder, wie die Zeit vergeht. Beim Blick auf den Kalender wird klar: Morgen wird bereits der erste Advent gefeiert. Auch wenn graue Novembertage noch keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen lassen, wird es Zeit, die Vorbereitungen für das Fest in Angriff zu nehmen. Nach dem ersten Advent beginnt traditionell auch der Verkauf von Weihnachtsbäumen. Das Angebot ist groß wie nie. In den zurückliegenden Jahren war der Trend zum Christbaum aus heimischen Wäldern nicht zu übersehen. In vielen Revierförstereien wurden frisch geschlagene Fichten, Kiefern, Nordmann- oder Küstentannen und mitunter auch Blaufichten meist am zweiten oder dritten Advent unmittelbar vor Ort verkauft. Vor allem Familien mit Kindern nutzten dieses Angebot, um am Wochenende in alle Ruhe den Baum persönlich auszusuchen und mit der Frischegarantie sowie hilfreichen Ratschlägen vom Förster in Empfang zu nehmen. Dabei wurde auch in Kauf genommen, dass der eine oder andere Baum nicht so perfekt aussah wie ein Musterexemplar, das in Nachbarländern mit chemischen Wuchshilfen herangezogen wurde.

Aufwand für Weihnachtsbäume vergleichsweise hoch

Doch damit ist nun vielerorts Schluss. In den sieben Revieren des Forstamtes Karbow, zu dem rund 13 300 Hektar Waldflächen im Süden Mecklenburg-Vorpommerns an der brandenburgischen Landesgrenze zwischen Plau am See, Parchim und Neustadt-Glewe gehören, findet in diesem Jahr erstmals kein Verkauf von Weihnachtsbäumen statt. Nur noch am Stammsitz der Forstverwaltung in der Lindenstraße in Karbow werden am 10. sowie vom 12. bis 17. Dezember jeweils von 10 bis 15 Uhr heimische Weihnachtsbäume angeboten. "Ein Verkauf in den Revieren lohnt sich nicht mehr. Die Zahl der Käufer ist gesunken und der Aufwand für Weihnachtsbäume verhältnismäßig hoch", begründet Antje Bengs vom Karbower Forstamt die Entscheidung. Den Einwand, dass damit der Diebstahl von Weihnachtsbäumen aus heimischen Wäldern steigen könnte, lässt sie nicht gelten: "In vielen Wäldern gibt es kaum noch Weihnachtsbaumplantagen, sodass selbst der eigene Bedarf nicht mehr komplett gedeckt werden kann".

Auch im Stadtforst Parchim werden seit 2010 aufgrund des vergleichsweise hohen Aufwandes keine Weihnachtsbäume mehr verkauft.

Wer dennoch auf einen Baum aus Wäldern der Parchimer Region nicht verzichten will, kann einen Besuch beim traditionellen Turmblasen in den Ruhner Bergen am 11. Dezember dafür nutzen, um sich vor Ort einen Christbaum zu kaufen. Ab acht Euro pro laufenden Meter gibt es hier beispielsweise eine heimische Fichte.

Im Nachbarforstamt Sandhof setzt man dagegen auf Tradition. Hier werden in diesem Jahr erstmals sogar zwei Termine zum eigenhändigen Weihnachtsbaumschlagen angeboten, die familienausflugstauglich sind. Neben der bekannten Weihnachtsbaumplantage am Forsthaus Bossow unweit von Krakow am See (am 17. Dezember) ist diesmal zusätzlich ein Bestand im Revier Kuppentin "erntereif". Bereits eine Woche vorher laden daher Revierförster Wilhelm Jacobs und seine Kollegen am 10. Dezember auf die so genannte Mückenkoppel zwischen Gallin und Weisin ein. Ab 9 Uhr können hier Interessierte ihr ganz spezielles Bäumchen aus einem eigens zu diesem Zwecke kultivierten Bestand von Nordmanntannen aussuchen und selbst schlagen, vorausgesetzt, sie haben entsprechendes Werkzeug wie z. B. eine Säge zur Hand. Revierleiter Jacobs weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass dieser noch junge Bestand ausschließlich Bäume zu bieten hat, die maximal 180 Zentimeter Höhe erreicht haben. "Wer größere Exemplare sucht, muss sich in Bossow umsehen. Unsere Plantage dürfte erst im kommenden Jahr soweit sein", meint Jacobs, der seine "Nordmänner" in hoher Güte, das heißt gleichmäßig und mit vielen der von den meisten Weihnachtsbaumkunden in dichtem Abstand begehrten Astquirle aufwachsen sah. Vor Ort wird für Imbiss und heiße Gertränke gesorgt und Forstfachleute aus Kuppentin sowie dem Nachbarrevier Schlowe helfen beim Einpacken der handlichen Weihnachtsbäume.

Preise weiter auf dem Niveau der Vorjahre

Auf einem halben Hektar hatten die Kuppentiner vor sechs Jahren erstmals eine spezielle Weihnachtsbaumplantage mit Nordmanntannen bepflanzt. Ansonsten hat ihr mit 390 Hektar Fläche größtes Revier im Sandhofer Forstamtsbereich hauptsächlich Kiefern, Buchen und Eichen im Bestand. Wilhelm Jacobs kann übrigens wie kein anderer die Wälder ringsum beurteilen, denn er ist hier als Försterssohn aufgewachsen und sogar in demselben Haus geboren, in dem er seit 1985 seinen Dienstsitz hat, im historischen Forsthaus Kuppentin.

Für Weihnachtsbäume war der regenreiche Sommer ein Segen, was sich in der guten Qualität niederschlägt. Und die Kunden haben weiteren Grund zur Freude: Christbäume werden nicht teurer als im Vorjahr. Die Preise würden sich auf dem Niveau des letzten Jahres bewegen, erklärte Philipp Freiherr von und zu Guttenberg, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände, vor wenigen Tagen. Die Preisspanne reiche von fünf Euro je laufendem Meter bei Fichten bis zu 22 Euro je Meter bei Nordmanntannen - dem "ungeschlagenen Favoriten". Jährlich würden bundesweit bis zu 25 Millionen Weihnachtsbäume verkauft.

Die meisten Bäume werden auch diesmal die Zwischenhändler, die ihre Bäume seit Jahrzehnten aus Nachbarländern beziehen, an den Mann oder die Frau bringen. Ausreichend Weihnachtsbäume sind längst geordert und selbst noch am Heiligen Abend soll niemand leer ausgehen.

Kaum zu glauben, aber wahr: Immer mehr Weihnachtsbäume werden im Internet bestellt. Versprochen werden frisch geschlagene Bäume mit Traummaßen zu Traumpreisen, die fristgemäß vor dem Fest bis an die Haustür gebracht werden. Also passend zu den Geschenken, die "liebevoll verpackt" mit "individuellen Grüßen" vom Versandhändler kommen und dann entweder unter einer heimischen Tanne oder dem Importmodell für Freude sorgen.

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