Tierische Prominenz in Parchim : Supernase: Hund riecht Handys

Jörg Siebert (l.) mit seinem Handy-Spürhund Artus bei einem Besuch bei seinem Vater Jürgen Siebert in Parchim
Jörg Siebert (l.) mit seinem Handy-Spürhund Artus bei einem Besuch bei seinem Vater Jürgen Siebert in Parchim

Prominenter Vierbeiner Artus ist regelmäßig zu Privat-Besuch in der Kreisstadt. Hundeführer Jörg Siebert stammt aus Parchim.

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12. Januar 2018, 05:00 Uhr

Tierische Prominenz  in Parchim: Artus heißt der unscheinbare belgische Schäferhund.  Vor fünf Jahren machte er Schlagzeilen als erster Handy-Spürhund in Deutschland und zweiter mit diesen Fähigkeiten weltweit. Den anderen Handy-Schnüffler gab es in England. Erst später war auch in Hessen ein solcher Hund im Einsatz.

Die erstaunliche Geschichte zog sich durch Zeitungen und Fernsehsender. Im Mittelpunkt stand neben dem Tier mit der Supernase, der  im Dienst der sächsischen Justiz steht, natürlich sein Hundeführer Jörg Siebert. Er stammt aus Parchim und besucht regelmäßig seinen Vater Jürgen Siebert in der Gartenstraße. So auch  in dieser Woche.

Artus begleitet Jörg Siebert nicht nur im Beruf, er lebt auch in der Familie. Ebenso wie ein zweiter Diensthund des 47-Jährigen. Es handelt sich ebenfalls um einen Malinois, wie diese Rasse auch genannt wird. Und der ist auf Drogen spezialisiert. Solche Spürhunde kennt man von vielen Veranstaltungen und  Flughäfen. Anders als den seltenen Artus, der nach seinem Herkunftszwinger mit ganzem Namen Artus Lübeck Airport heißt. 

Rauschgift hat ein Duftfeld, erklärt Jörg Siebert. Bei der Suche nach Handys muss der Hund dagegen ganz dicht ran. Er muss über eine außerordentliche Nasenleistung verfügen.

Ein dreiviertel Jahr dauerte die Ausbildung von Artus bei der Polizei. Dabei wurde er darauf trainiert, Handys, Laptops und Speicherkarten zu finden. Der Hund kann eine Simkarte  ebenso wie ein Handydisplay riechen. Vermutlich reagiert er auf Lithium und   seltene Erden, die bei der Herstellung von modernen Smartphones verwendet werden. Es gibt allerdings darüber keine wissenschaftlichen Studien, sagt Jörg Siebert. Die wären zu kostenspielig. Fakt ist aber: Die Supernase funktioniert. Artus hat mittlerweile über 100 Handys aufgespürt. Dabei stört ihn kein Telefon, das ein Passant in der Tasche hat. Er beginnt erst mit der Suche, wenn Jörg Siebert ihm den Befehl dazu gibt und ihn ganz  bewusst dorthin lenkt, wo er suchen soll. In 20 Minuten hat die Supernase einen Raum ausgekundschaftet. Für die gleiche Arbeit bräuchten   zwei bis drei qualifizierte Ermittler rund zwei Stunden. Erstaunlich: Überall, wo Artus  im Einsatz war, fanden auch Menschen bei der Nachsuche keinen versteckten Handychip mehr. „Der Hund ist ein Hilfsmittel, um effizient und effektiv zu arbeiten“, erklärt Jörg Siebert.

Artus  spürt als Justizhund beispielsweise Handys auf, die in einer sächsischen Haftanstalt in Gefängniszellen geschmuggelt werden sollen. Immer wieder ist der Handy-Spürhund aber auch auf Anforderung von Ermittlern in ganz Deutschland unterwegs. Beispielsweise auf der Suche von Speichermedien im Zusammenhang mit Sexual- oder anderen Straftaten.

Artus ist dabei überhaupt nicht auf die Handys scharf. Er will eigentlich nur spielen. Und nach anstrengender und erfolgreicher Suche darf der Hund dann als Belohnung in seinen Gummiball beißen.

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