„ProSchiene“ : Südbahnerhalt doch viel billiger

Demonstrationsteilnehmer bei der jüngsten Mahnwache auf dem Lübzer Bahnhof
Demonstrationsteilnehmer bei der jüngsten Mahnwache auf dem Lübzer Bahnhof

In Gutachten veranschlagte Investitionskosten laut Bürgerinitiative „ProSchiene“ viel zu hoch / Am 13. März Demonstration vor Landtag

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06. März 2014, 08:00 Uhr

Am 10. März findet im Schweriner Verkehrsministerium ein Gespräch zur Südbahn von Vertretern der betroffenen Landkreise und Kommunen mit Infrastrukturminister Christian Pegel und eventuell auch Ministerpräsident Erwin Sellering statt. Teilnehmen werden ebenfalls Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „ProSchiene“, und seine Malchower Mitstreiterin Monika Göpper.

Wie schon berichtet, möchte das Land zwischen Parchim und Malchow ab 2015 nur noch Busse und keine Bahn mehr verkehren lassen. „Der Minister tritt weiter hart auf, die Position ist unverändert“, sagt Russell. „Das flexible Bussystem ist für uns keine Lösung. Es ist unbequem, für Touristen nicht zumutbar, missachtet zudem die Interessen von Menschen mit einer Behinderung und ist letztlich viel zu teuer.“

Auch die BI begrüße die Einladung und das Gesprächsangebot. Bei dieser Gelegenheit gelte es, eine Lösung für die Krise zu finden, in der man sich seit der Ankündigung, die Südbahn zu zerschlagen, befinde: „Sie muss durchgängig erhalten bleiben! Und ein Gespräch ist auch deshalb gut, weil man sich dabei nicht Altbekanntes, sondern neue Erkenntnisse mitteilt.“ Demzufolge bleibe Hoffnung.

Von großer Bedeutung seien die immer wieder erwähnten Investitionen, die man tätigen müsse, um weiterhin durchgängig Züge verkehren zu lassen – wichtiges Thema in dem Gutachten, auf das sich die Landesregierung berufe, um die Zerschlagung der Südbahn zu rechtfertigen. Niemand bestreite die Notwendigkeit, etwa in die Erneuerung von Schienen und des Gleisbettes investieren zu müssen. Während das Gutachten jedoch eine Summe von 47 Millionen Euro nenne („Da bekommt jeder von uns und jeder Kommunalpolitiker erst einmal einen enormen Schreck“), kämen Berechnungen der BI zu einem sehr überraschenden Ergebnis. Demzufolge seien für die nächsten 15 Jahre Ausgaben von unter fünf Millionen Euro ausreichend.

„Was können wir also von dem Gutachten lernen? Sehr, sehr wenig!“, sagt Russell. Die BI hat das Papier schon mehrfach als für sie unakzeptabel kritisiert. Niemand wisse zum Beispiel, an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten die darin verarbeiteten Daten gesammelt wurden. „Es ist ganz klar ein defizitorientiertes Gutachten. In ihm ist alles aufgeführt, was nicht funktioniert – nicht jedoch, was man besser machen könnte“, so der BI-Sprecher.

Dazu gehöre zum Beispiel die bessere Abstimmung/Ergänzung von Bus und Bahn und vor allem auch die Anbindung von Plau am See. Dort schlummere ein „riesiges Potential“. Bei jährlich rund 430 000 Übernachtungen in der Stadt könne man davon ausgehen, dass 15 Prozent der Besucher die Bahn nutzen. Außerdem gelte es, ein einheitliches Ticket für Bus und Bahn anzubieten und besonders für die Nutzung des Schienenverkehrs zu werben. „Im übrigen weise ich darauf hin, dass Infrastrukturbetreiber gesetzlich verpflichtet sind, ihre Anlagen in einem guten Zustand zu halten“, sagt Russell. Dafür sollten die von den Nutzern zu zahlenden Trassengebühren unter anderem auch verwendet werden. In der Prignitz habe man vorgemacht, wie es besser gehe. Bahnnutzer, Kommunen und Unternehmen protestierten mit Erfolg gegen die Stilllegungspläne der brandenburgischen Landesregierung für die Bahnverbindung Neustadt/Dosse – Meyenburg. Auf den Strecken fahren nun bis mindestens 2025 weiterhin Personenzüge, obwohl das Ministerium auch hier eine zu geringe Auslastung als Begründung angeführt hatte.

In einem Anfang Februar geführten Gespräch habe sich auch der Landkreis dafür ausgesprochen, die Südbahn zu erhalten. Er frage sich, warum vorhandene Verkehrskonzepte oder das regionale Raumentwicklungsprogramm außer Kraft gesetzt werden, die die Ertüchtigung der Südbahn fordern.

An jedem letzten Freitagabend im Monat lädt die BI zu einer Demonstration auf allen von einer möglichen Streckenschließung betroffenen Bahnhöfen auf – von ihr „Mahnwache“ genannt. Bei der Verteilung von 100 Flugblättern am Vormittag desselben Tages habe Russell in Gesprächen erfahren, dass viele gern die Bahn nutzen würden, um zum Beispiel Veranstaltungen in Parchim und Schwerin zu besuchen. Am 13. März findet um 10.30 Uhr der nächste Protestzug in Schwerin vom Marienplatz zum Landtag statt.


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