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Parchimer Zeitung

18. November 2017 | 07:49 Uhr

Lewitzrand : Süchtig nach MZ

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Oldtimer auf zwei Rädern sind die Leidenschaft von Michael Seissing

von
erstellt am 14.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Mit elf Jahren besaß Michael Seissing seine erste Simson. Er hatte sie erfolgreich seinem älteren Bruder aus dem Kreuz geleiert. Sein erstes Motorrad besorgte ihm vor fast 19 Jahren sein Vater. Das gute Stück – eine MZ ES 150 mit Originalpapieren – befindet sich bis heute in seinem Besitz und wird in diesem Jahr stolze 50 Jahre jung. Michael Seissing steuert auf seinen 34. Geburtstag zu und motorisierte Zweiräder älteren Datums sind seine große Leidenschaft.

„Ich habe den ganzen Tag mit Fahrzeugen auf vier Rädern zu tun, da brauche ich nach Feierabend die Abwechslung“, witzelt der gelernte Kfz-Mechaniker. Den Beruf hat er bei einem alteingesessenen Lehrmeister in Parchim gelernt und auch heute verdient er in einem Kfz-Fachbetrieb in der Kreisstadt seine Brötchen. Dass sich das „Schrauber-Gen“ bei ihm schon so frühzeitig manifestierte, sei eine logische Konsequenz: „Ich bin auf dem Dorf groß geworden. Da weiß doch jeder, welchen Reiz es auf einen ausübte, wenn jemand mit dem eigenen Moped auf der Straße umherkurvte“, will der ehemalige Mestliner aus gutem Grund lieber nicht weiter ins Detail gehen.

Seit etwa drei Jahren ist Michael Seissing in der Gemeinde Lewitzrand zu Hause. Seine Garage füllen mittlerweile acht eigene Zweiräder, davon sechs MZ, alle selbstverständlich fahrtüchtig bzw. zugelassen. „MZ macht süchtig“, ist sich der Schrauber mit Gleichgesinnten aus der Szene einig. Fast andächtig steht er vor seiner jüngsten Errungenschaft, die er erst vor wenigen Tagen im nordwestmecklenburgischen Gadebusch direkt von einem Erstbesitzer an Land gezogen hat: Eine MZ ETS 150/1, Baujahr 1973. Das gute Stück hat die Gadebuscher Heimat nie verlassen. Allein das macht es schon so besonders. Nebenbei hat Michael Seissing in Erfahrung gebracht, dass von diesem Typ laut Kraftfahrzeugbundesamt insgesamt nur 15 000 Stück in Zschopau hergestellt wurden. 2016 sollen davon in ganz Deutschland insgesamt noch 68 Maschinen zugelassen gewesen sein. Der MZ-Freak kann sich schon jetzt ausmalen, wie groß der Trennungsschmerz ausfällt, sollte er die neue Trophäe in seinem Fuhrpark jemals in andere Hände geben.

Den Hang ausgerechnet zur MZ und zur Simson erklärt sich der Oldtimerfan aus der eigenen Biografie heraus: „Das ist unsere Geschichte, damit sind schon unsere Väter und Großväter gefahren. Generationen von Jugendlichen haben ihr ganzes Jugendweihegeld in ihre erste Simson gesteckt. Das war damals Freiheit.“

Das Faszinierende sei aber auch, dass es diese Zweiräder heute nicht mehr als Neufahrzeuge gibt. Als Objekt der Begierde in Sammlerkreisen gelten laut Seissing vor allem die Modelle, die bis Anfang der 1990er Jahre vom Band rollten. Interessant findet er den Trend, dass viele Ostsammler die Kisten wieder aus dem Westen „zurückholen“ und dass die unverwüstliche gute alte Simson heute wieder bei der Jugend im Kurs steht.

Natürlich badet sich auch jeder Oldtimerfreund gern mal im Aufmerksamkeitswert: Der ist garantiert, wenn wie im vergangenen Jahr zur Herrentagsausfahrt ein Konvoi von 47 Mopeds der Marke Simson, Enduro und Schwalbe die von blühenden Rapsfeldern gesäumte Landstraße entlangknattert oder sich eine Oldtimerkolonne wie eine Perlenkette durch eine Stadt schlängelt. Wenn Michael Seissing mit einem von seinen drei Armeemotorrädern bei einem einschlägigen Treffen aufkreuzt, dauert es keine drei Minuten, bis sich die ersten Zaungäste eingefunden haben, schon mitten beim Fachsimpeln sind und beginnen, in Erinnerungen zu kramen.

Ab März wird für die Saison aufgerüstet

In diesen Tagen hat der Simson-MZ-Oldtimerfan begonnen, eine 48 Jahre alte MZ ES 250/2A aus dem früheren Armeebestand für den Saisonstart 2017 startklar zu machen. Sobald der Frühling anklopft und die Sonne regelmäßig auf den Planeten scheint, geht es auch auf den einschlägigen Plattformen in den sozialen Netzwerken noch mehr zur Sache. Michael Seissing hat auf facebook unter „MZ Freunde Kreis-Parchim“ nach eigenen Angaben bisher etwa 1000 Gleichgesinnte zusammen gebracht. „Pflichttermine“ für einen Oldtimerfan wie Michael Seissing sind natürlich das Oldtimertreffen am ersten Maifeiertag in Spornitz sowie die Herrentagsausfahrt. Für dieses Jahr hat er noch das 16. Internationale Ostblock-Fahrzeugtreffen in Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten vom 7. bis 9. Juli auf dem Schirm. Das IFA-Treffen am 3. Oktober in Schwerin als absolutes Mekka der Oldtimerfreunde ist eh gesetzt. Zwischendurch schiebt er noch die ein oder andere Ausfahrt mit seinem ES-Gespann ein: Das wird exklusiv für seine beiden Kinder (9 und 7 Jahre) startklar gemacht.

 

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