Parchim : Suala spontan in den Kreis der Familie aufgenommen

Suala Mohammed mit seinen Gasteltern Barbara und Wolfgang Westphal.
Suala Mohammed mit seinen Gasteltern Barbara und Wolfgang Westphal.

Barbara und Wolfgang Westphal sind regelmäßig Gasteltern für jugendlichen Flüchtling aus Ghana

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12. Juni 2015, 12:00 Uhr

„Diese traurigen Augen, das hat mir einfach weh getan.“ Barbara Westphal aus Parchim erinnert sich noch ganz genau, wie sie im Dezember vergangenen Jahres in einer Kureinrichtung an der Ostsee auf Suala Mohammed aufmerksam wurde. „Er war immer ganz allein, kaum jemand machte sich die Mühe, ihn anzusprechen.“ Barbara Westphal tat es. Sie verständigten sich mit Händen, Füßen und Zetteln. Und Barbara Westphal begriff seine Geschichte: Die Geschichte eines jungen Menschen, der vor 18 Jahren in Ghana geboren wurde, mit acht Jahren seine Mutter verlor und vor etwa eineinhalb Jahren mit ansehen musste, wie sein Vater ermordet wurde – erschossen. Auch Suala wollte man töten, doch dem Jungen gelang die Flucht. Mit einer schweren Schussverletzung im Bein und etwas Taschengeld, das bereits in Istanbul aufgebraucht war, führte seine Odyssee über Griechenland, Bulgarien, Ungarn, die Slowakei nach Deutschland, wo er in Hamburg operiert wurde. Heute lebt Suala in einer Gemeinschaftsunterkunft in Boizenburg und nimmt an der Volkshochschule in Hagenow an einem Deutsch-Intensivkurs teil.

Seine schönsten Stunden verlebt er jedoch in Parchim: Denn Barbara Westphal hat ihr damals in der Kureinrichtung gegebenes Versprechen gehalten, ihn zu besuchen. Mehr noch: Inzwischen holen sie und ihr Mann Wolfgang Westphal ihn sogar regelmäßig zu sich nach Hause. Suala ist längst ein Teil der gesamten Familie Westphal geworden, wurde von den Kindern und Enkelkindern gleichermaßen ins Herz geschlossen. Zu ihrem Geburtstag richtete Barbara Westphal extra eine Feier nur für die jugendlichen Enkel und für Suala aus, wo es auf dem Keyboard und beim Trommeln ordentlich zur Sache ging. Auch den Seniorenclub „Wir am Wockersee“, in dem sich Barbara Westphal als Vorsitzende engagiert, hat der Westafrikaner schon kennen gelernt. Und in der Küche der deutschen Gasteltern stehen mittlerweile so einige afrikanische Gewürze: „Es macht so viel Spaß, zusammen zu kochen“, schwärmt die Gastmutter. Vor allem aber sieht sie, wie gut es Suala tut, menschliche Wärme zu bekommen, sich geborgen zu fühlen. „Dann vergisst er auch mal für einen Moment all die schlechten Gedanken an das Erlebte“, beobachtet die Gastmutter. An ihrem Gastsohn imponiert ihr, wie wissbegierig und interessiert Suala ist. Er spricht fließend französisch und englisch und ist nun dabei, sich die deutsche Alltagssprache zu eigen zu machen, was Wolfgang und Barbara Westphal intensiv und konsequent befördern.

Die Aufenthaltsgenehmigung von Suala läuft noch bis September dieses Jahres. Westphals wünschen sich, dass sie auch über die Zeit hinaus für ihr neues Familienmitglied da sein und ihm helfen können, eine Perspektive für sein Leben zu finden. Ihr eigenes Leben habe durch die Begegnung mit Suala eine ganz neue Bereicherung erfahren. „Seine ehrliche Herzlichkeit zu erleben, zu sehen, wie er sich schon über Kleinigkeiten total freuen kann, das ist ein großer Gewinn für uns.“

Barbara Westphal wird nachdenklich, zieht Parallelen mit der eigenen Biografie: „Ich bin selbst ein Flüchtlingskind.“
 

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