Nach Brand in Parchim : Stubentiger brauchen neue Bleibe

Tierfreunde, Polizei und Ordnungsamt trafen sich gestern Vormittag am Brandhaus mit einem der ehemaligen Bewohner. Fotos: Michael-Günther Bölsche
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Tierfreunde, Polizei und Ordnungsamt trafen sich gestern Vormittag am Brandhaus mit einem der ehemaligen Bewohner. Fotos: Michael-Günther Bölsche

Katzen nach einem Brand in einem Fachwerkhaus in der Altstadt zwar „rehabilitiert“, aber ohne „festen“ Wohnsitz

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07. November 2014, 18:00 Uhr

Das Schicksal der Stubentiger aus dem Brandhaus in der Parchimer Altstadt beschäftigt inzwischen Menschen weit über die Region hinaus: Tierfreunde, Polizei und Ordnungsamt wollen den herrenlos gewordenen Katzen helfen und trafen sich gestern Vormittag am Brandhaus mit einem der ehemaligen Bewohner. Wie bereits berichtet, verloren bei einem Brand am Dienstag dieser Woche neben den vier Bewohnern auch fünf Katzen ihr Obdach. Für Kopfschütteln sorgte der Fall, da die zum Zeitpunkt des Feuers volltrunkenen Bewohner des Hauses tatsächlich behaupteten, eine Katze müsse für den Brand verantwortlich gewesen sein. Sie soll den Pizzaofen eingeschaltet haben ...

Nun haben Anwohner beobachtet, wie die Tiere in der Brandruine nach Futter suchten. Am Fenster waren erst eine Samtpfote, dann noch zwei weitere Katzen zu sehen, die scheinbar nach Futter suchten. Katrin Rachow hatte Mitleid: „Es sind doch Lebewesen, die kann man doch nicht sich selbst überlassen“, meint die Parchimerin. Sie informierte am Donnerstag das Ordnungsamt, ein Mitarbeiter meldete sich auch relativ schnell vor Ort. Er machte ein paar Fotos und wollte sich dann melden. Als sich am Freitagmorgen nichts rührte, griff die engagierte Tierfreundin erneut zum Hörer, um Freunde um Unterstützung zu bitten. Außerdem ersuchte sie über Internet und Facebook um Hilfe. Das bekam auch eine Hamburger Tierfreundin mit, die wiederum Kontakt zur Parchimer Tierschutzinitiative hat. Sofort nahm sie Kontakt zu einer Mitstreiterin dieser Gruppe auf. Gestern Vormittag trafen sich alle vor dem Brandhaus.

Dazu gerufen wurden auch das Parchimer Ordnungsamt sowie zur Unterstützung Beamte des Polizeireviers. Der Vermieter war nicht vor Ort und das Brandhaus war erst wenige Minuten zuvor freigegeben worden, nachdem ein Brandursachenermittler seine Arbeit beendet hatte. In dem Haus, so ergaben die Gespräche vor Ort, sollen fünf Katzen gelebt haben, zwei Alttiere sowie drei Katzen, die wahrscheinlich erst wenige Monate alt waren. „Eine von den kleinen konnten wir einer Freundin vermitteln, die sich nun liebevoll um das Tier kümmert“, erzählt Katrin Rachow. Die beiden anderen kleinen Katzen waren nur für kurze Zeit zu sehen. Sie wirkten sehr ängstlich und scheu und versteckten sich gut. Ein Alttier wurde tot auf dem Dachboden gefunden. Einer der Bewohner, Paul F., bestätigte diese Zahl und meinte, dass man den Tieren Futter geben würde. „Rechtlich verantwortlich sind die Besitzer, also die Bewohner“, stellten die Polizeibeamten klar. Da die Katzen aber nicht in der Ruine bleiben können, in der jetzigen Übergangswohnung aber nicht geduldet werden, muss eine andere Lösung her. Sollte bis Montag keine Alternative gefunden werden, sollen die Tiere eingefangen und der Tierauffangstation in Kiekindemark übergeben werden, kündigt das Ordnungsamt an. Am Wochenende werden sie selbstverständlich mit Futter versorgt.

Der Fall hat bereits deutschlandweit das mediale Interesse auf sich gezogen. Neben dem Fernsehsender RTL haben sich auch Radiosender aus Berlin und aus Bayern bei der Polizeiinspektion Ludwigslust gemeldet und nach den Tieren erkundigt, berichtet Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Außerdem stellte er klar, dass die bisherigen Ermittlungen bestätigten, dass die Katzen „nichts mit dem Brand zu tun haben.“ Das sei eine reine Schutzbehauptung der Bewohner gewesen. Gegen den Mieter wird wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt, so der Polizeisprecher.


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