Mestlin : Streifzug im Hinterland der Metropolen

Musikalische Unterhaltung bot die „Liga der außergewöhnlichen Gitarristen“ aus Parchim.
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Musikalische Unterhaltung bot die „Liga der außergewöhnlichen Gitarristen“ aus Parchim.

Zum sechsten Mal fand in Mestlin „hinterland”, Markplatz für Kunst, Mode, Handwerk und Design, statt

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19. November 2017, 21:00 Uhr

Marktgewühl im kleinen Örtchen Mestlin. Köstlich bis kostbar ist die Ware, die unter dem Logo „hinterland“ im Kulturhaus an diesem Wochenende angeboten wird. Und von origineller Unterhaltung bis hin zur Demonstration bildnerischen Kunstschaffens erstreckt sich das liebevoll zusammengestellte Rahmenprogramm. Wenn teilweise noch nie gesehene handwerklich und schöpferisch gefertigte Waren von Händlern und Händlerinnen aus Berlin und Hamburg angeboten werden und dieses Angebot sich mit dem heimischen vermischt, dann wird eines klar: Mestlin ist an diesen Tagen wirklich bevorzugtes, anziehendes Hinterland der Metropolen. Marktgewühl, das bedeutet heute „Menschengewühl“, „hinterland“ wurde auch zum sechsten Mal in diesem Jahr außerordentlich gut angenommen. Wühltische wie in Kaufhäusern gibt es hier hingegen nicht. Jedes kunsthandwerkliche Angebot ist wirkungsvoll inszeniert. Schön, schöner, am schönsten, manchmal ist man ratlos, wie man diese Fülle an Attraktivem noch aufnehmen könnte, geschweige, mit nach Hause nehmen. Die Preise sind, obgleich man auch für kleines Geld etwas finden kann, nicht niedrig. Die Produktionsweisen mit industrieller Massenproduktion, zumal in Billiglohnländern, auch überhaupt nicht vergleichbar. Geschäftig, warenfixiert streifen die meisten Besucher durch diesen ästhetisch hochrangigen Markt. An einem der Mode- und Designständen probiert eine Besucherin eine Kappe auf. Man weiß nicht so recht, erinnert die steilwandige Kopfbedeckung an einen futuristischen Film oder an eine russische Bärenfellmütze? Aber die Kreation hat Stil und wem sie steht... .

An anderer Stelle werden handgewebte Läufer angeboten. Sie bestechen durch Materialqualität, diskrete Musterung und ungewöhnliche Farbgebung. Etwas Exquisites, bedacht gemacht. Bedacht bedruckt sind die typografischen Blätter, die Hans Hilmar Koch aus Krakow am See anbietet. Neben seiner „typomanischen Erkrankung“, wie er sagt, habe er einen Faible für die Literatur. Zitate aus Gedichten von Joachim Ringelnatz etwa zieren Blätter, ein ganzer Kalender 2018 ist ihm ebenfalls gewidmet. Ein Buchdrucker, der ins Kunsthandwerk einstieg und natürlich ins novemberliche „hinterland“.

„Jetzt stell dir vor, jemand kommt“, sagt Maskenbildnerin Helga Treutler aus Schwerin zu einem maskierten Kind, das sich hinter einem Riesenkopf mit gnätzigem Gesicht noch schwer tut. Dieses Spiel will gelernt sein, im Prinzip reichen wenige Gebärden, den Rest erledigt die ausdruckvolle Maske. Im oberen Hörsaal, wo das Maskentheater probiert wird, werden regelmäßig auch alte DEFA-Filme gezeigt. Uwe Höppner vom Filmklub Güstrow hat den „Führerschein”, um die betagten Filmschätze der DEFA, die heute in einer Stiftung gehütet werden, mit einer transportablen alten Tonkino -Kofferanlage, kurz „Teka 35”, vorführen zu dürfen. Soeben läuft 18 Minuten lang „Ali und der Hexenmeister”, ein Scherenschnittfilm für Kinder aus dem Jahr 1986, aufwändig gestaltet, auch ein Türöffner für Kinder in die Welt der Kunst.

Die Kunst im engeren Sinne wird vertreten unter anderen durch den Hauskünstler 2017, Pit Arens, dessen zeichenhaften Licht- und Schattenobjekten der Große Saal gewidmet ist. Martin Hoffmann aus Hamburg demonstriert seinen ganz anderen künstlerischen Ansatz im ersten Stock des Kulturhauses. Vielschichtigkeit lässt sich seinen geisterhaften Köpfen als einziger Hinweis auf Individualität ablesen. Vielschichtigkeit, die durch die Verwendung des hellen, fast durchsichtigen Materials Pergamin entsteht, das der Künstler von dunklem Untergrund aufsteigend so aufträgt, dass ausdruckstarke Räumlichkeit entsteht.

Am Ende geht man, den Kopf voller Eindrücke, nach Hause. Es hat sich gelohnt.

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