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Parchimer Zeitung

24. September 2017 | 08:57 Uhr

Parchim : Stolpersteine gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Aktionskünstler Gunter Demnig auf Einladung des Heimatbundes in Parchim / Schicksal der Familie Feilchenfeld steht für viele

von
erstellt am 26.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Vier Stufen, die ins Haus in der Lindenstraße 52 führen, geben die Geschichte nicht auf den ersten Blick preis. Seit Sonnabend fallen im roten Pflaster unmittelbar vor dem Eingang drei messingfarbene Gedenkplatten ins Auge. Mehr als 30 Parchimer, darunter auch Stadtpräsidentin Ilka Rohr und der Landtagsabgeordnete Christian Brade, waren gekommen, um mitzuerleben, wie der Aktionskünstler Gunter Demnig dort Stolpersteine ins Trottoir eingebaut hat.

Sie erinnern an die früheren Bewohner Isaac, Emmy und Fritz Feilchenfeld. Sie gehörten Anfang des 20. Jahrhunderts zu den wohlhabendsten jüdischen Familien.  Isaac Feilchenfeld war um 1900 in die aufstrebende Stadt gezogen. Er heiratete Emmi Weil. Am 1. Mai 1908 wurde ihr Sohn geboren. Fritz besuchte das Friedrich-Franz-Gymnasium und wurde  Kaufmann. Isaac Feilchenfeld hatte zunächst für die Firma Weil gearbeitet und wurde dann  Mitinhaber eines Tuchwarengeschäftes im Nebenhaus. 1928 ist Isaac Feilchenfeld aus der jüdischen Landesgemeinde aufgrund interner Differenzen ausgetreten. Das bewahrte ihn aber nicht vor der Verfolgung durch die Nazis. Isaac Feilchenfeld wurde am 11. November 1942 aus dem Judenhaus in der Parchimer Buchholzallee, in das die Familie vertrieben worden war, ins KZ nach Theresienstadt deportiert. Dort wurde er am 22. August 1943 ermordet. Seine Ehefrau Emmi hatte bereits im Sommer 1941 aus Verzweiflung den Freitod gewählt. Sohn Fritz war rechtzeitig nach England geflohen.

Das Schicksal der Feilchenfelds hat die Parchimerin Dr. Gunda Maintz so bewegt, dass sie sich als Mitglied des Heimatbundes für das Verlegen der drei Stolpersteine einsetzte und zwei auch selbst bezahlte. „Wir wollen in den kommenden Jahren weitere Steine verlegen und hoffen auf Unterstützung“, so Mark Riedel als Vorsitzender des Heimatbundes.  Prof. Peter Clemens, Familienforscher und entfernter Verwandter der Feilchenfelds, hält die Stolpersteine für einen  guten Kompromiss, um gegen das Vergessen anzugehen. 

Das projekt: Damit der Name nicht vergessen wird

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine  in mehr als 1100 Orten Deutschlands und in zwanzig Ländern Europas.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Für 120 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen.

Auch der Heimatbund Parchim, der sich für die Aktion seit Jahren einsetzt, will in den kommenden Jahren weitere Stolpersteine verlegen lassen. Für sieben der bekannten  13 jüdischen Familien, die in Parchim bis zur Verfolgung durch die Nazis lebten, gibt es noch keine Stolpersteine. Spenden wären dafür nötig.

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