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Unvergessen : Stolperstein erinnert an Gustav Josephi

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Jüdischer Kaufmann unvergessen. Parchim Teil von Gunter Demnigs Mahnmal

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2016 | 12:59 Uhr

Wer genau hinschaut, kann nun im Betonpflaster vor einer stilvoll restaurierten  Stadtvilla in der Putlitzer Straße 43 eine kupferne Metallplatte mit dem Namen und Daten von Gustav Josephi entdecken. Am Samstagmorgen  hat der international geschätzte Künstler Gunter Demnig hier seinen jüngsten „Stolperstein“ verlegt. Initiiert hat die Aktion, mit der an Menschen erinnert werden soll, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und meist dem Holocaust zum Opfer gefallen sind, der Parchimer Heimatbund.  Das Projekt von Gunter Demnig hat sich mit inzwischen mehr als 40 000 Steinen in etwa 800 deutschen und rund 200 ausländischen Städten zum weltweit größten dezentralen Mahnmal entwickelt. In Parchim wurden bereits insgesamt zehn solcher Stolpersteine für  jüdischen Familien verlegt.

Gustav  Josephi – geboren 1857 und eins von fünf Kindern der jüdischen  Kaufmannsfamilie Hermann Josephy – gehörte als Stadtverordneter und Vorsitzender des Handelsvereins zu den angesehenen Bürgern Parchims. Auch im Vorstand der Parchimer Kaufmannsschule, als  Schatzmeister des Patriotischen Vereins und im  Ehrenausschuss des Parchimer Sport-Clubs war geachtet.  Der erfolgreiche Kaufmann stifte  ein Harmonium für die Feierhalle auf dem Neuen Friedhof.

Die Nazis zwangen Gustav Josephi  1933 alle  Ämter niederzulegen. 1935 wurde Gustav Josephi zum Volljuden erklärt. Er verließ daraufhin Parchim, ging nach Wiesbaden  und wurde von dort aus 1943  nach Theresienstadt deportiert. Drei Tage nach der Ankunft, am 24. März 1943, ist er dort verstorben.

Einige seiner rund 150 Nachkommen erlebten am Samstag das Verlegen des Stolpersteins in der Putlitzer Straße selbst mit. Auch Stadtpräsidentin Ilka Rohr und Bürgermeister Dirk Flörke sowie Mitglieder des Heimatbundes und einige  Bürger erwiesen Gustav Josephi die Ehre.

„Ein Stolperstein ist der richtige Weg, um an ein Einzelschicksal zu erinnern“, ist sich Dirk Flörke sicher.

Im Namen der Familienangehörigen bedankte sich  Urenkelin Dr. Beate Josephi, die selbst Historikerin ist und  in Australien lebt. Sie hatte sich im Vorfeld darüber informiert, wie Parchim mit der Vergangenheit umgeht.

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