Vorgestellt : Stahlwerker mit Fingerfertigkeit

Dieses Geschirr hat Otto Dreyer bemalt. Vorbild sind Motive des Porzellanmalers Johann Gregorius Höroldt (1696-1775)
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Dieses Geschirr hat Otto Dreyer bemalt. Vorbild sind Motive des Porzellanmalers Johann Gregorius Höroldt (1696-1775)

Otto Dreyer aus Barkow ist begeistert von Jahrhunderte altem Kunsthandwerk und schuf sich nach dem Vorbild eine eigene Sammlung

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20. September 2017, 05:00 Uhr

Stahlwerker hat er einmal gelernt. Der ursprünglich aus Karrenzin stammende Otto Dreyer war Lehrling in der Maxhütte Unterwellenborn in Thüringen und arbeitete in dieser Zeit auch bei extremer Hitze mit einem Vorschlaghammer am Hochofen. Der Stahlwerker stellte in späteren Jahren eine enorme Fingerfertigkeit unter Beweis. Im Wohnzimmer des heute 78-Jährigen in Barkow bei Stolpe ist das allgegenwärtig. Da steht eine Vitrine voller Porzellan, das er mit filigranem Muster bemalt hat. Und als Schmuckstück glänzt ein aufwendig verzierter Kachelofen, den Otto Dreyer nach einem Vorbild aus dem 17. Jahrhundert nachgebaut hat.

Beruflich hatte Otto Dreyer es eigentlich nie mit dem Kunsthandwerk zu tun. Er war nach seiner Lehre an der Offiziersschule, schied aus gesundheitlichen Gründen bei der Armee aus, arbeitete beim Rat der Stadt Dessau und dann viele Jahre als Antennenbauer.

In seinem Hinterstübchen habe er sich aber immer schon mit Kunst befasst. „Mein künstlerisches Interesse ist eine Gabe mütterlicherseits“, sagt er. Auch sein Onkel habe etwas gemalt. Otto Dreyer las u.a. Literatur des Archäologen Johann Joachim Winckelmann (1717-1788), ein Buch über den altägyptischen König Tutanchamun, besuchte auch das Nationalmuseum in Kairo.

In Dessau, wo Otto Dreyer, einen Großteil seines Lebens verbracht hat, war man bei Straßenbauarbeiten auf eine Werkstatt gestoßen, in der sich die noch intakten Formen für einen Kachelofen aus dem 17. Jahrhundert befanden. Sie kamen ins Museum. „Das waren Künstler“, schwärmt Otto Dreyer. Er konnte sich Abdrücke von den Formen sichern, schuf daraus eigene als Vorlage für seinen Ofen. Während er in Mannheim lebte, schaffte er sich einen Brennofen an, der auf seinem Balkon stand und womit er Mitte der 1990er-Jahre nach und nach die Kacheln für das Schmuckstück fertigte. Jede Kachel war vier Mal im Ofen.

Der nach dem historischen Vorbild entstandene Kachelofen ist heute nicht nur eine Zierde im Wohnzimmer in Barkow. Er ist zugleich ein Gebrauchsgegenstand. Der Ofen lässt sich von der Küche aus heizen, ist voll funktionsfähig, kommt allerdings momentan angesichts des günstigen Ölpreises nicht zum Einsatz. Erst wenn der Ölpreis wieder steigt. „Ab 80 Cent fange ich an zu heizen“, sagt Otto Dreyer.

Kacheln hat er ebenso bemalt wie beispielsweise Porzellan und Krüge. Dazu gehört ein ganzes Service mit altchinesischen Motiven. Als Vorlage diente Otto Dreyer die Kunst von Johann Gregorius Höroldt (1696 - 1775). Der gilt als Schöpfer der europäischen Porzellanmalerei und hatte seinerzeit die Manufaktur in Meißen mit zu Weltruhm gebracht. Verewigt auf Krügen hat Dreyer aber auch mittelalterliche Bilder aus der Sammlung der Manessischen Liederlandschaft. Beispielsweise eins mit Minnesängern, das in Schulbüchern abgebildet ist.

Inzwischen lässt Otto Dreyer das Kunsthandwerk ruhen. Mit seinem Haus in Barkow habe er genug zu tun, sagt der 78-Jährige.

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