Parchim : Ständerhäuser aus MV für Nigeria

Legen das Fundament für eine internationale Partnerschaft: Wolfgang Klokow, Gerd Köhler, Danilo Ziech, Bashir Hamisu Kano und Panos Tsigaras (v.r.)
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Legen das Fundament für eine internationale Partnerschaft: Wolfgang Klokow, Gerd Köhler, Danilo Ziech, Bashir Hamisu Kano und Panos Tsigaras (v.r.)

Projektentwickler Gerd Köhler knüpft internationales Netzwerk, um ein Haus mit schwebenden Wänden auch in Afrika zu vermarkten

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15. Mai 2018, 05:00 Uhr

Nigeria ist neben Südafrika die wichtigste Wirtschaftsmacht in Afrika. In Nigeria wird seit mehr als 50 Jahren Erdöl gefördert, trotzdem lebt ein Großteil der Bevölkerung in Armut. Die Zahl der Bewohner hat sprunghaft zugenommen und hat die Marke von fast 190 Millionen nahezu erreicht. Wohnraum ist extrem knapp. Bashir Hamisu Kano, Geschäftsführer der BuildWorths Limited, ein mittelständisches nigerianisches Unternehmen, dass sich nach eigenen Angaben bei der Bereitstellung von Weltklasse-Baulösungen für private, kommerzielle und institutionelle Kunden in seinem Heimatland stetig entwickelt, will am Wohnungsnotstand etwas spürbar ändern. „Wir sind nach Deutschland mit der Erwartung gekommen, eine gemeinsame Partnerschaft aufzubauen, um nachhaltige Lösungen für modernen Trockenbau als Smartbauhaus-System für den nigerianischen Markt zu nutzen“, so Bashir Hamisu Kano. In den Jahren 2017/2018 hat seine Firma einen Umsatz von mehr als 1,3 Millionen Euro avisiert.

Auf der Suche nach Partnern in Europa ist der nigerianische Unternehmer auf einen Pionier der Ständerhaustechnologie – Diplom-Ingenieur Gerd Köhler, der seit drei Jahren in Siggelkow mit seinem selbst entwickelten und gebauten Holzhaus für Furore sorgt – gestoßen. Schon die Grundsteinlegung verlief bei ihm spektakulär. Nicht wie hierzulande üblich, ein Betonfundament, sondern bis zu 2,10 Meter lange Schrauben wurden ins Erdreich getrieben und bieten Standsicherheit fürs gesamte Haus. „Die könnte man sogar wieder rausdrehen, falls das Haus abgebaut und an einem neuen Standort wieder aufgebaut werden sollte“, erklärt Gerd Köhler das geniale Prinzip.

Dass diese gigantischen Erdschrauben nunmehr sogar für internationales Interesse sorgen würden, hatte Gerd Köhler seinerzeit nicht geahnt. Sein Schraubenlieferant, die weltweit agierende Firma Krinner aus Niederbayern, gehört auch zu den Handelspartnern von Bashir Hamisu Kano. So erfuhr der nigerianische Geschäftsmann, dass in Siggelkow in Mecklenburg nicht nur ein Haus auf Schrauben gegründet wurde, sondern ein komplettes Systemhaus in der Praxis zu erleben ist. Der Kontakt zum Erfinder war schnell hergestellt.

Gestern fand in Siggelkow das erste persönliche Treffen zwischen Gerd Köhler sowie einem Parchimer Mittelständler – vertreten durch Seniorchef Wolfgang Klokow und Prokurist Danilo Ziech – statt. Ziel der Gespräche ist eine strategische Zusammenarbeit, um für den nigerianischen Markt Systemhäuser bis 400 Quadratmetern Fläche mit mehreren Unternehmen im Norden Deutschlands zu liefern. Gestern gab es weitere Verhandlungen in Europas größtem Holzumschlagzentrum in Wismar und der dortigen Universität. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und bringen Erfahrung auf dem Gebiet der Industrie- und Verbindungstechnik ein“, so Wolfgang Klokow aus Parchim. Die Firma Klokow Industrietechnik arbeitet u.a. mit Russland, Spanien, Neuseeland und Indien zusammen. Gert Köhler ist zuversichtlich, dass schon bald die ersten Container mit Teilen für Funktionstechnik nach Nigeria auf den Weg gehen. „Da werde ich in diesem Jahr sicher selbst auf große Reise gehen“, freut er sich bereits. Als Mitglied des Fachbeirates Holz in MV will er dem Baustoff zum Durchbruch verhelfen.

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