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Wer hat Parchimer Skulptur zerstört? : Staatsschutz übernimmt Courage-Fall

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Die Polizei nimmt die Zerstörung der Skulpturengruppe Courage vor dem Stadthaus sehr ernst. Jetzt ermittelt der Staatsschutz, ob eine politisch motivierte Tat vorliegt. Zeugen werden derzeit um Hinweise gebeten.

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erstellt am 23.Aug.2012 | 11:49 Uhr

parchim | Die Polizei nimmt die Zerstörung der Skulpturengruppe Courage vor dem Stadthaus (wir berichteten) sehr ernst. Jetzt ermittelt der Staatsschutz, ob eine politisch motivierte Tat vorliegt. Klaus Wiechmann, Sprecher der Ludwigsluster Inspektion, bat Zeugen um Hinweise, wann das Ensemble zuletzt unzerstört gesehen wurde. So lässt sich die Tatzeit eingrenzen.

Bei der ersten blindwütigen Attacke auf das Skulpturenensemble am Parchimer Stadthaus im März 2010 reagierten viele Bürger noch mit gesundem Zorn. Die erneute Zerstörung vom vergangenen Wochenende scheint - wenn die Eindrücke nicht täuschen - viele Parchimer resignieren zu lassen. Haben die Täter also erreicht, was sie vielleicht wollten?

Nicht ganz. Bürgermeister Bernd Rolly (SPD) spricht Klartext: "Ich empfinde es als große Sauerei, wie hier mit diesem Kunstgegenstand am Stadthaus umgegangen wurde." Die Stadt Parchim habe sich in der Vergangenheit immer als kunstoffene Stadt gezeigt, um so unverständlicher sei dieser wiederholte Vandalismus an Kunstobjekten. Bernd Rolly: "Wie im konkreten Fall mit dem Kunstobjekt weiter verfahren wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Ich bitte die Parchimer Bürgerinnen und Bürger, unsere Kunst- und Kulturgüter zu schützen."

Landrat Rolf Christiansen (SPD) verurteilt die Tat: "Kunst zu zerstören - das geht zu weit und ist unabhängig vom Hintergrund der Tat zu verurteilen. Die von Wieland Schmiedel geschaffene Skulptur hat zudem einen besonderen Stellenwert, weil sie an den KZ-Todesmarsch erinnert und zur Courage mahnt. Courage ist mit Blick auf rechtsextremistische Tendenzen auch bei uns im Landkreis dringend geboten, ebenso wie gelebte Demokratie und Toleranz."

Auch Professor Dr. Wolfgang Vogt, Ini tiator des Parchimer Corsos der Skulpturen und des Kulturforums Pampin, will nicht in der Empörung verharren. "Vielleicht ist die erneute Zerstörung der negative Anlass, ein Bündnis der Couragierten zu gründen." Auch Vogt spielt auf den Titel des Werks von Wieland Schmiedel an. Der Landeskulturpreis-Träger will mit der Gruppe Courage (zu der die zerstörte Frauenfigur Core gehört) auf gesellschaftliche Entwicklungen aufmerksam machen: "Ich sehe in der Gegenwart gefährliche Tendenzen zu Gewalt und Extremismus, zum Wegschauen und Verdrängen unserer Vergangenheit." Das Ensemble solle auch verdeutlichen, wie "verletzlich der Mensch ist, wie wichtig Gewaltlosigkeit und Zivilcourage, Toleranz und Freiheit, Verantwortungsbewusstsein und Wahrhaftigkeit in einer demokratischen Gesellschaft und für jeden Einzelnen sind". Wolfgang Vogt schlägt vor, dass die Parchimer ein Zeichen setzen, um ihre Stadt auch als Kultur-Kreisstadt zu etablieren: "Die Parchimer müssten sagen: Das ist unsere Ikone für Zivilcourage. Wir schützen sie." Vogt, der sich auch für Parchim als Kreisstadt engagierte, könnte sich vorstellen, die Frauenfigur Core in die Obhut eines Gebäudes, vielleicht des Stadthauses, zu nehmen und den zerstörten Teil außen zu belassen. Die andauernde Zerstörung von Kunstgegenständen sei jedenfalls einer Kreisstadt unwürdig. Die Frage, ob wir Kunst im öffentlichen Raum wollen und - so man dies bejaht - wie sie zu schützen sei, müsste jetzt möglichst breit diskutiert werden.

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