Parchims Gotteshaus : St. Georgen: Retter liegen im Zeitplan

Dirk Rogmann (r.) ist mit seinem Unternehmen seit 20 Jahren auch im Bereich Kirchensanierung tätig. Bastian Kruse verstärkt seit einem guten Jahr das Team.
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Dirk Rogmann (r.) ist mit seinem Unternehmen seit 20 Jahren auch im Bereich Kirchensanierung tätig. Bastian Kruse verstärkt seit einem guten Jahr das Team.

Zum Tag des offenen Denkmals bekommen Besucher der St. Georgenkirche in Parchim morgen einen Einblick in die diesjährige Sanierungsetappe.

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07. September 2012, 07:18 Uhr

Parchim | "Holz" lautet in diesem Jahr das Motto des Tages des offenen Denkmals, der morgen deutschlandweit begangen wird. Eingeladen wird auch in die Parchimer St. Georgenkirche, die nach dem Sonntagsgottesdienst bis abends 18 Uhr geöffnet ist. Voraussichtlich Mitte Oktober kann hier im Rahmen der bis 2016 laufenden Gesamtsanierung eine Bauetappe zu Ende gehen, die Experten so manche Schweißperle auf die Stirn getrieben hat: Die Sanierung des Dachstuhls vom Kirchenschiff erwies sich als schwerer Fall, da komplizierte statische Probleme zu lösen waren. Um die Sparren zu entlasten und damit zu verhindern, dass sich das Dach weiter seitlich abneigt, wurden insgesamt acht Aussteifungsböcke neu eingebaut. Sie sehen aus wie große Kreuze. "Diese speziell für St. Georgen vom Statiker entwickelte Lösung ist ein gelungener Kompromiss, um im Dachstuhl so viel wie möglich von den alten Hölzern erhalten zu können. Einige von ihnen stammen noch aus der Zeit um 1360", sagt Dirk Rogmann, Geschäftsführer des in Parchim ansässigen gleichnamigen Unternehmens. Nachdem er schon in den Jahren zuvor mit Sanierungsarbeiten an der Kirche betraut wurde, gehört die Perle der Backsteingotik in Parchims Innenstadt seit 2011 zu den Hauptbaustellen seiner Firma. Als sich nämlich abzeichnete, dass die Zimmererarbeiten im Dachstuhl besonders viel Fingerspitzengefühl erfordern würden, hatte man die beiden Abschnitte in weiser Voraussicht zusammen ausgeschrieben, um Fachkompetenz in einer Hand zu bündeln. Darüber hinaus zeichnete das Unternehmen auch für die inzwischen so gut wie abgeschlossene Sanierung der Fassade des Kirchenschiffes verantwortlich. Währenddessen sorgt die Firma Bedachung Güstrow dafür, dass die Kirche bis Ende nächsten Monats wieder ein geschlossenes Dach über dem Kopf hat.

Das 1990 von Albert Rogmann und seinem Sohn Dirk gegründete Unternehmen mit aktuell 16 Zimmerern und Maurern hat bereits in zahlreichen Gotteshäusern dem Himmel so nah gearbeitet, und das seit genau 20 Jahren. Ihren ersten kirchlichen Sanierungsauftrag führten Rogmanns 1992 im Brenzer Pfarrhaus aus. Seitdem machten die Parchimer Fachleute z. B. in den Kirchen in Giesensdorf bei Pritzwalk, in Wusterhausen, Ruchow, Mestlin oder Sternberg einen ausgezeichneten Job. Derzeit wirken sie ebenfalls an der Sanierung des Plauer Kirchturmes mit. Dem Kirchturm in Putlitz verpasste die Firma Rogmann vor zwei Jahren eine komplett neue Spitze. Die 20 Meter hohe Konstruktion wurde am Boden in einem Stück gezimmert und dann mit einem Autokran aufgesetzt. "Das war eine echte Maßarbeit und ein großes Spektakel in der Stadt, das viele Schaulustige anzog" erinnert sich Dirk Rogmann, gelernter Maurer und seit 2003 Meister seines Fachs, gern an diesen Auftrag zurück. Eine ähnliche Aktion kündigt sich demnächst in Groß Lüben an: Die Spitze, die das Parchimer Unternehmen derzeit dort vor Ort fertigt, wird sogar noch vier Meter länger und bringt es locker auf ca. 40 Tonnen. Rund 30 Kubikmeter Holz werden darin verbaut.

Allein 19 Kubikmeter Brettschichtholz, abgelagerte Eiche und getrocknetes Nadelholz, wurden seit dem vergangenen Jahr benötigt, um den Dachstuhl im Kirchenschiff von St. Georgen auszusteifen. Für die Reparatur der Deckenbalken und Sparren mussten weitere 13 Kubikmeter Eichenholz und 14 Kubikmeter Nadelholz mit dem Kran ca. zwölf Meter in die Höhe befördert werden. Die dafür gefällten Bäume stammen aus Wäldern in Bayern, Sachsen und Mecklenburg, bevor sie nun in dem über 700 Jahre alten Gotteshaus, das als Denkmal von nationaler Bedeutung auf der Bundesdenkmalliste geführt wird, "weiterleben". Dafür sorgte in den zurückliegenden Monaten auch Bastian Kruse, seit einem guten Jahr als Zimmerer in der Firma Rogmann angestellt. "Die Arbeit ist körperlich nicht ganz ohne, macht aber viel Spaß und ist sehr abwechslungsreich", findet der gelernte Tischler. Den Reiz seiner Tätigkeit mache für ihn das Erhalten von alten Konstruktionen aus. Bei jedem Sanierungsvorhaben in einem Fachwerkhaus oder wie hier in der Kirche müsse um einen individuellen Weg gerungen werden, wie man so weit wie möglich mit traditionellen Verbindungen arbeiten kann, bevor man neue Lösungen ins Auge fasst. "Es ist diese Kombination von Alt und Neu, die die Arbeit so spannend macht", sind sich Dirk Rogmann und Bastian Kruse einig.

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