St. Georgen: Bald Halbzeit im Bauprogramm

<fettakgl>Allein im vergangenen </fettakgl>Jahr wurden 36 000 Biberschwänze auf dem Dach des Kirchenschiffes verlegt. <fotos>Michael-Günther Bölsche</fotos>
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Allein im vergangenen Jahr wurden 36 000 Biberschwänze auf dem Dach des Kirchenschiffes verlegt. Michael-Günther Bölsche

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22. Januar 2013, 09:53 Uhr

Parchim | Schon in einigen Wochen stehen wieder Gerüste an der Parchimer St. Georgenkirche. Sie verkünden: Die aus dem Förderprogramm des Bundes bis 2016 möglich gewordene Komplettsanierung der Backsteinkirche als Denkmal nationaler Bedeutung geht planmäßig weiter.

Mit der vierten Etappe erreichen die Bauarbeiten im Außenbereich 2013 ihr Finale, und das hat es noch einmal in sich: Planer, Maurer, Zimmerer und Dachdecker müssen bei den Arbeiten im Ostchor all ihr Können aufbieten, da noch einmal schwierige statische Probleme zu lösen sind. Anliegen ist es, den Dachstuhl in seiner Urkonstruktion von 1670 zu bewahren und durch Pfeiler und Streben zu stabilisieren. Die in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts eingebauten Stahlträger können dann entfernt werden. Diese pragmatische Sofortlösung ist damals aus statischen Gründen gefunden worden und hatte Bestand, auch als Dach und Außenmauern der Kirche zwischen 1979 und 1983 mit Spendenmitteln der Bayrischen Landeskirche saniert wurden. Besonders viel zu tun gibt es in diesem Bereich auch am Mauerwerk, das durch die jahrzehntelange Last, mit der der Dachstuhl auf den Ostchor drückte, stark gelitten hat.

Insgesamt sieht der Finanzierungsplan für die diesjährige Etappe ein Investitionsvolumen von 255 000 Euro vor. Mit dem Einsatz von Städtebaufördermitteln in Höhe von 90 000 Euro wird 2013 außerdem die Wiederherstellung aller elf Fenster im Bereich des Ostchores möglich. Der Förderverein St. Georgenkirche Parchim e. V. ist zuversichtlich, dass danach im Einvernehmen mit der Stadt schnell eine dauerhafte Lösung gefunden wird, wie Sockel und Mauerwerk am Umgang zum Alten Markt künftig vor Spritzwasser geschützt werden können.

Mit insgesamt 39 000 Euro (2012: 38 000 Euro) muss der Förderverein auch in diesem Jahr zuverlässig seinen Beitrag an dem großen Bauvorhaben leisten. Am Sonntag dieser Woche sind alle Mitglieder zur Jahresmitgliederversammlung eingeladen. Diesmal steht wieder die Wahl des Vorstandes für die nächsten drei Jahre an. Manfred Arndt, Gerhard Meyer, Werner Kautz, Elke Arndt, die bewährte Schatzmeisterin Heike Ringhand, Albert Rogmann, Günter Schulze und Dietrich Lock haben bereits ihre Bereitschaft erklärt, künftig weiterhin dem Vereinsvorstand zur Verfügung zu stehen. Alle gehören bereits seit der Gründungsstunde des Vereins im Januar 2008 und damit seit genau fünf Jahren zum Vorstand, einige von ihnen engagierten sich bereits vorher in Fördervereinen.

Was der Enthusiasmus von Fördervereinen bewirken kann, dafür ist die St. Georgengemeinde seit langem ein eindrucksvolles Beispiel: Um die Jahrtausendwende brachte von 1996 bis 2001 ein Orgelförderverein die Restaurierung der Frieseorgel aus dem Jahr 1871 auf den Weg. Wenige Monate nach der feierlichen Orgelweihe zum Reformationsfest 2001 schlug schon 2002 die Gründungsstunde des Glockenfördervereins, der im Jahr 2007 am Ziel angelangt war: Am 30. September 2007 läuteten zum Festgottesdienst anlässlich der 700-Jahrfeier des Gotteshauses erstmals alle fünf Glocken - die beiden restaurierten und drei neu gegossene. Beide Vereine standen damals unter dem unermüdlichen Vorsitz von Elke Arndt, die 2008 den Staffelstab quasi an ihren Mann weitergab.

Mit 107 Mitgliedern und fünf Ehrenmitgliedern kann sich der St. Georgen-Förderverein auf eine breite und rührige Basis stützen, die immer wieder mit kreativen Ideen die Baukasse füllen hilft: Allein an Großspenden gingen in den zurückliegenden zwölf Monaten mehr als 10 000 Euro ein. Weitere 4000 Euro spendeten die Mitglieder. Drei Benefizkonzerte erbrachten 1700 Euro. Im Handarbeitskreis standen auch 2012 die Nadeln nicht still. Der Erlös von 2000 Euro spricht für die geschickten Hände der emsigen Frauen. In der Kirchencafe-Spendenbüchse des letzten Jahres fanden sich 540 Euro. 18 Fördervereins- und Gemeindemitglieder hielten die Kirche von Anfang Mai bis zum Erntedankfest offen und konnten dabei 1048 Euro einnehmen. Genauso wichtig war ihnen aber auch, den Besuchern die Kirche und ihre Kunstschätze nahe zu bringen. Der Erlös aus dem Bücherbasar belief sich auf 405 Euro. Glücklich schätzt sich der Verein, solche Förderer wie die Marlis-Kressner-Stiftung an seiner Seite zu haben: Im vergangenen Jahr stellte die Stiftung 20 000 Euro zur Verfügung, für 2013 hat sie wiederum eine erhebliche Summe in Aussicht gestellt.

Die Mitgliederversammlung des Fördervereins beginnt am Sonntag, 27. Januar, um 14.30 Uhr im Rahmen des Kirchencafes in der Winterkirche. Eingeladen sind auch Nichtmitglieder, besonders aus der Gemeinde, die über das Erreichte und über die vorliegenden Aufgaben informiert sein möchten.

Im Anschluss lädt der Verein zu Orgelmusik zeitgenössischer jüdischer Komponisten ein. Der 27. Januar ist der Holocaust-Gedenktag. St. Georgenkantor Fritz Abs spielt an der Orgel und Propst i. R. Klaus Labesius wird einige gedenkende Worte sprechen.

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