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Archäologie : Spuren im Sand eines Grabhügels

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Hamburger Archäologiestudenten untersuchen Fundplätze nach Luftbildern in Karbow-Vietlübbe und Siggelkow

svz.de von
erstellt am 06.Sep.2016 | 12:00 Uhr

Kaum sind die ersten Felder abgeerntet, nutzen angehende Archäologen von der Universität Hamburg die Gelegenheit „etwas tiefer“ in die örtliche Geschichte mecklenburger Dörfer vorzudringen.

Wie bereits in den Vorjahren konnte Professor Dr. Frank Nikulka Studierende seines Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie gewinnen, was in erster Linie das Forschungsgebiet seines Doktoranden Rolf Schulze ist. Der von zahlreichen auch spektakulären Entdeckungen jüngst etwa aus Hagenow, Grabow und der Festung Dömitz bekannte Archäologe des MV-Landesamts für Kultur- und Denkmalpflege hat sich nämlich vorgenommen, einige Rätsel sogenannter Wüstungen aufzuklären, von denen es hierzulande etliche gibt.

Forschung steht noch ganz am Anfang

Als besonders vielversprechend hatte sein Studium archäologischer Luftbilder u.a. Areale nahe der heutigen Ortslagen Karbow sowie Groß Pankow ausgemacht. Entsprechende Prospektionen mit Unterstützung ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger aus der Region sowie nachfolgende Grabungen der Hamburger Studenten hatten im vorigen September an beiden Orten mehr oder weniger ausgedehnte Grabenwerke aufgegebener Siedlungsplätze punktuell erkundet, die anhand gefundener Keramikscherben auf das hierzulande frühdeutsche Mittelalter datiert werden konnten (wir berichteten).

Diesmal hätten sie sich vorgenommen, zunächst das östliche Ende des Karbower Grabenwerks zu untersuchen, um dann möglicherweise festzustellen, was es mit einem zweiten, beinahe kreisrunden aber wesentlich kleineren Grabenwerk auf sich hat, das auf einem erst kürzlich im Archiv wiederentdeckten Luftbild aus den 1990er Jahren die Kuppe des sagenumwobenen „Kirchhofbergs“ umgibt. Das deutet Professor Nikulka an, meint aber: „Noch stehen wir ganz am Anfang und können zwar sagen, wonach wir suchen aber noch nicht, was wir finden.“

Gerade erst hat ein Bagger der ortsansässigen Firma Elers insgesamt fünf „Schnitte“ von zusammen einigen hundert Metern Länge und knapp einem halben Meter Tiefe angelegt. Dabei kratzt das Karbower Grabungsteam – um Magister Rolf Schulze und Master-Studentin Miriam Pönißen als seine stellvertretende örtliche Grabungsleiterin – gerade erst buchstäblich an der Oberfläche. Eine, die von großen und kleineren Steinen durchsetzt ist. Mit der gewohnten Spachteltechnik ist da kaum etwas auszurichten, weshalb man kurzerhand auf Besen, Handfeger und Bürsten zurückgriff. Das für derlei archäologische Grabungen eigentlich widrige Hochsommerwetter gestattete, den staubtrockenen Boden zwischen den Steinen einfach wegzufegen.

Von Karbow nach Groß Pankow

Während die einen bei Karbow Hand in Hand mit den Studierenden Melanie Jühlen, Antonia Rönicke-Runge, Stephanie Gierach sowie Corina und Ralf Tiedemann einen wackligen Camping-Pavillon als Schattenspender für eine besonders diffizile Fundstelle nutzen, „brät“ das Grabungsteam um Felicitas Görke bei Groß Pankow buchstäblich in der prallen Sonne. 28,5 Grad Celcius zeigt das Thermometer an. „Morgen bringen wir uns Sonnenschirme mit“, sagt die örtliche Grabungsleiterin entschieden zu ihren jüngeren Mitstreitern Sophie-Marie Rothermund, Lukas Eckert, Anita Behnke und Christoph Puszies.

Nach ein paar Tagen dieses „Sommersemester-Abenteuers“ im „Nirgendwo“ der mecklenburgischen „Provinz“ haben sich die Hamburger Studenten aber offenbar ganz gut miteinander und den Umständen arrangiert. Davon zeugen neben dem geschäftigen Treiben und dem kameradschaftlichen Umgang vor allem die sichtbaren Fortschritte auf ihrer beinahe kreisförmigen Grabungsfläche mit etwa 20 Metern Durchmesser. Von einem abgesteckten Mittelpunkt aus ziehen sich acht schmale Suchschnitte sternförmig über das zuvor durch den ortsansässigen Landwirt vorübergehend von Mutterboden befreite Terrain. Einzelne dunklere Flecken im sonst hellen Sand stellen aus Sicht der Archäologen die „interessantesten Stellen“ dar. Was sie hier zu finden hoffen, deutet auch Felicitas Görke vorerst nur vage mit dem weitläufigen Begriff „Grabhügel“ an.

Da jener sich aber schon auf den Aufnahmen des legendären Luftbildarchäologen Dr. hc. Otto Braasch abgezeichnet hatte – im Vorjahr bei geomagnetischer Sondage bestätigt – daraufhin „händisch“ eingemessen und gerade noch einmal mittels detaillierter Luftbilder einer speziellen Kameradrohne erkundet wurde, kann er im Ergebnis gleich vierfacher Prospektion als sicher angenommen werden. Felicitas Görke gerät ganz aus dem Häuschen bei ihrer Schilderung, die sie als „Zusammentreffen ausgesprochen glücklicher Umstände“ für ihre Masterarbeit wertet.

Auf den Fortschritt und die Ergebnisse ihrer Forschung darf man mit Recht gespannt sein.  

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