Burow : Spur der Steine

Hobby-Präparator Mark Becker lüftet die Geheimnisse uralter Steine. Fotos: Wolfried Pätzold
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Hobby-Präparator Mark Becker lüftet die Geheimnisse uralter Steine. Fotos: Wolfried Pätzold

Mark Becker frönt als Fossilien-Präparator ein seltenes Hobby. Mit seiner Arbeit lüftet er die Geheimnisse uralter Steine.

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29. April 2015, 12:00 Uhr

Wie ist die Erde entstanden? Diese Frage lässt Mark Becker schon lange nicht mehr los. Und der 40-Jährige, der in Burow nahe Lübz zu Hause ist, kommt der Sache täglich ein Stück näher. „Als ich von meinem  Opa als Zwölfjähriger einen Stein geschenkt bekommen habe, war meine Neugier geweckt. Wie alt mag das Mineral  sein? Gibt es im Innern womöglich eine Spur? Das finde ich bis heute sehr spannend“, erzählt der junge Mann. Das daraus einmal ein Hobby werden sollte, für das Mark Becker inzwischen sehr viel Zeit aufwendet, war zunächst nicht vorhersehbar. Und auch seine Berufswahl ging zunächst in eine völlig andere Richtung. Mark Becker wurde so wie sein Großvater Schmied. Aus gesundheitlichen Gründen kann er diesen Beruf leider nicht mehr ausüben und ist nur noch als „Schmidt im Ehrenamt“ gelegentlich in der Schauwerkstatt auf dem Pingelhof zu erleben.

Vor allem in Mittel- und Süddeutschland werden Fossiliensammler in alten Steinbrüchen fündig. „Davon habe ich mich im Urlaub schon mehrfach selbst überzeugen können. Im Hunsrück – an der Grenze von Rheinland-Pfalz und  Saarland – gibt es beispielsweise spektakuläre Schiefervorkommen“, erzählt Mark Becker voller Begeisterung. Für die große Bedeutung dieser Fossillagerstätte spricht,  dass sonst meist nur fragmentarisch bekannte Fossilien hier vollständig überliefert vorkommen. Die Reste der Organismen sind häufig in Kies eingebettet und selbst feinste Hartteil-Strukturen erkennbar. Hier kam Mark Becker auf die Idee, sich mit der sachgemäßen mechanische Präparation filigraner Skelettelemente intensiv zu beschäftigen. „Der Bedarf dafür ist groß. Die Sammler sind sehr daran interessiert, ihre Funde so zu entzaubern und anschaulich zu machen“, weiß Mark Becker.

Inzwischen hat es sich in der Szene herumgesprochen und der Mecklenburger bekommt Anfragen aus ganz Deutschland und darüber hinaus. Sorgsam verpackt bekommt er beispielsweise Dachziegel große Schieferstücke zugeschickt. „Zunächst ist das geschulte Auge hilfreich. Das ist wie beim Ü-Ei“, sagt der Hobby-Präparator. Dann beginnt der eigentliche Teil der Arbeit. Mit einem Stahlschwamm legt Mark Becker erste Konturen frei. Nach fünf Stunden  ist ein „Korallen Kopf“, der vor 380 bis 400 Millionen  gelebt hat, wieder sichtbar. „Das ist für jeden Präparator ein Glücksmoment“.

Deutlich länger wird er an seinem neusten Projekt arbeiten. Aus der berühmten „Grube Messel“ nahe Darmstadt stammt die Steinplatte, die ein Sammler geschickt hat. Hier wird Mark Becker mit Skalpell und feinen Nadeln einen Panzerschuppenfisch raus arbeiten. „Das ist ein Abenteuer. Man taucht in eine unbekannte Welt ein.“ Der Präparator gibt  dem Präparat seine Handschrift. Am Ende wird er alles versiegeln, um  die Haltbarkeit zu verbessern. Dann heißt es Abschied nehmen.  Jeder Sammler will seine wertvollen Stücke natürlich behalten, um sie Freunden zu zeigen oder auch öffentlich auszustellen. Mark Becker lernt bei jedem Auftrag dazu und ist auch ein wenig stolz, dass er sich die schwierigen Arbeitsschritte selbst beigebracht hat. Die Fossilien lassen ihn einfach nicht mehr los.

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