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Heimlich entsorgt : Sparwahn der Bürger bringt Müllsystem ins Kippen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Entsorger finden immer mehr Hausmüll, Folien und Metallteile in Papiercontainern und verlieren massiv Einnahmen

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 16:38 Uhr

Eigentlich soll das Unternehmen Remondis im Auftrag des Kreises Papiere und Kartonagen einsammeln, immerhin 12000 Tonnen pro Jahr. Doch statt alter Zeitungen und Kartons landet immer mehr normaler Müll in den Papiercontainern. Jetzt hat die „Vermüllung“ der Papiersammlungen ein derartiges Ausmaß erreicht, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises über drastische Maßnahmen nachdenken muss. Denn das gesammelte Papier soll eigentlich teuer verkauft werden. Mit den Einnahmen wird die Hausmüllentsorgung gestützt, um die Gebühren niedrig zu halten. Doch das ist in Gefahr, weil die Entsorger ihre gepressten Papierpacken immer seltener bei den Papierfabriken loswerden. Und wenn, dann zu geringeren Preisen.

Der Remondis-Betriebshof in Ludwigslust: Langsam nähert sich ein gewaltiger Müllwagen der Halle, dann hebt sich der Container. Doch schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass nicht nur Papier und Pappe in die Halle kippt. Jede Menge Folien sind zu sehen, Kunststoffe, eine Metallpfanne findet sich, Reste alter Plasteflaschen, Packen mit vollen Babywindeln finden sich schon bei der ersten Suche. Matthias Hartung, Remondis-Chef in MV, schüttelt nur den Kopf, als er eine Plasteplatte aus dem Berg zieht. „Für uns ist das ein Riesenproblem. Wir können diese Mengen Müll nicht zu vertretbaren Kosten aussortieren. Doch die Papierfabriken wollen den Müll nicht. Und wir bleiben auf allem sitzen.“ Damit nicht genug, die Rücksichtslosigkeit mancher Bürger hat auch schon zu massiven Schäden an den Entsorgungsfahrzeugen geführt, berichtet Jan Becker, Niederlassungsleiter in Ludwigslust. So verkeilte sich jüngst eine alte Nähmaschine unter dem Press-Schild in dem Auto. Der Schaden ging in die tausende Euro.

Die Fuhre, aus der die Besucher den Müll ziehen, stammt aus dem nördlichen Teil des Altkreises Ludwigslust aus den sogenannten Depotcontainern. Gemeint sind damit die Metallboxen an den Containersammelplätzen. Davon gibt es immer noch mehr als 570 Standorte im Landkreis. Vor allem diese Container werden immer mehr mit allem voll gestopft, was der schmale Metallschlitz so schlucken kann. Doch auch in den blauen Papier-Tonnen der Privathaushalte findet sich zunehmend Müll.

Steffen Grünwaldt, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes, zu den Ursachen der illegalen Müllentsorgung: „Es ist offenbar der Sparwahn sehr vieler Bürger, die auf der einen Seite so wenige Entleerungen wie möglich bei der Hausmülltonne haben wollen. Und auf der anderen Seite haben sie die Papiertonnen als die Möglichkeit entdeckt, ihren Müll doch noch loszuwerden.“  Für die These spricht viel: Vier Entleerungen der Hausmülltonne pro Jahr sind im Landkreis Pflicht, für 70 Prozent der Haushalte ist das offenkundig wichtig, wie Anrufe und Nachfragen beweisen. Die durchschnittliche Quote liegt im Kreis zwischen fünf und sechs Entleerungen pro Jahr. In Schwerin gibt es das nicht, da wird eine Pauschale bezahlt, egal wie oft man seine Mülltonne herausstellt. Bei einer Stichprobe ergab sich jetzt, dass in Schweriner Papiertonnen nur ein Siebtel der Müllmenge festgestellt wurde, die man im Landkreis Ludwigslust-Parchim fand. Für Steffen Grünwaldt sind die Konsequenzen daraus klar: „Wenn sich an der Vermüllung des Papiers  nichts ändert, werden wir die Zahl der Zwangsentleerungen beim Hausmüll deutlich erhöhen müssen. Und wir werden die Zahl der Container an den Stellplätzen drastisch reduzieren.“

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