Unfallstatistik : So wenig Unfälle wie noch nie

Tödlicher Unfall auf der B 321.
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Tödlicher Unfall auf der B 321.

Die Straßen im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind sicherer geworden - das zeigt sich in der aktuellen Unfallstatistik.

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24. April 2015, 08:00 Uhr

Die Straßen im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind sicherer geworden. Die Polizeiinspektion Ludwigslust präsentierte gestern die seit 2008 niedrigste Unfallzahl. Die Beamten registrierten im vergangenen Jahr exakt 6997 Verkehrsunfälle, das sind 596 oder 7,8 Prozent weniger als 2013, ungefähr eine „Montsernte“. Die Zahl ist besser als der Landesrückgang von 2,8 Prozent. Trotz des niedrigen Stands blieb die Anzahl der bei Verkehrsunfällen getöteten Personen mit 26 auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2013 starben 27 Menschen auf den Straßen.

„Gründe für den Rückgang der Unfallzahlen gibt es viele“, sagt Polizeirat Wulf Nehls, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Ludwigslust, „Überwachungsdruck und Fahrzeugsicherheit, z.B. Assistenzsysteme, greifen da vielschichtig ineinander.“ Allerdings sieht Wulf Nehls für die Polizei keinen Grund, sich entspannt zurückzulehnen. Als Beleg nennt der Polizeirat die erschreckenden Ergebnisse einer Messaktion vom Dienstag im Bereich des Autobahnkreuzes Schwerin. Ein Hamburger schoss mit 152 Stundenkilometern hautnah im 80er-Bereich an den Bauarbeitern vorbei. Wulf Nehls: „Wir haben von 7 bis 17.30 Uhr 5309 Fahrzeuge gemessen, davon waren 1200 zu schnell, 43 hatten sogar mehr als 120 km/h auf dem Tacho.“ Raserei war auch eine der Hauptursachen 2014 für Unfälle auf den Straßen: 344 gehen auf das Konto überhöhte bzw. unangemessene Geschwindigkeit. Wulf Nehls: „Nicht ausreichender Sicherheitsabstand nach vorn oder zur Seite war für 655 Zusammenstöße ursächlich. Oftmals fahren Autofahrer deutlich zu dicht auf vorausfahrende Fahrzeuge auf und bringen dabei sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr. “ 321 Mal krachte es, weil sich Fahrzeuglenker nicht über die Vorfahrt einig wurden. In 116 Fällen waren Alkohol- oder Drogeneinwirkung die Auslöser von Verkehrsunfällen. Viel Leid durch vermeidbare Ursachen: 873 Menschen wurden verletzt, 176 davon schwer (statistisch heißt das, sie mussten mehr als 24 Stunden im Krankenhaus bleiben). 2013 hatte die Polizei noch 991 verletzte Verkehrsteilnehmer registriert, wobei 182 schwere Verletzungen erlitten. Insgesamt gab es 12 Prozent weniger verletzte Verkehrsteilnehmer.

Regional gibt es Unterschiede innerhalb des kreisweiten Zuständigkeitsbereichs der Polizeiinspektion. Den stärksten Rückgang an Verkehrsunfällen verzeichnet das Sternberger Revier (minus 165 oder 13,8 Prozent), prozentual folgt das Polizeihauptrevier Parchim (minus 118 oder 12,2 Prozent). Das Revier Plau am See zählt 67 Unfälle weniger als im Vorjahr (7,6 Prozent).

Auch die Bundesstraßen differieren in der Unfallträchtigkeit. Auf der B 321 passieren statistisch gesehen 4,4 Unfälle pro Kilometer, auf der B 198 nur 0,7. Gut für Bambi: Die Zahl der Wildunfälle sank um 11,3 Prozent von 2803 (Jahr 2013) auf 2487. Auch die Kollisionen von Autos mit Bäumen ging stark zurück, von 224 (2013) auf 166. Gestiegen ist die Zahl der von Motorradfahrern verursachten Unfälle. Sie kletterte von 70 im Jahr 2013 auf 81 im vergangenen Jahr.

Bei aller Entspannung gibt eine Zahl zu denken. Wulf Nehls: „Im Zuge von Kontrollen hat die Polizei im vergangenen Jahr 53 563 Geschwindigskeitsverstöße geahndet – fast 147 pro Tag.

Gute Nachrichten - Ein Kommentar von Udo Mitzlaff

Gute Nachrichten? Drucken wir doch gerne. Wenn weniger Unfälle auf den Straßen des Landkreises passieren, ist das erfreulich. Das heißt, die Autofahrer sind vorsichtiger unterwegs. Und das heißt, die Polizisten machen eine gute Arbeit. Auch wenn wir uns manchmal über Kontrollen ärgern, sie scheinen zu wirken und insgesamt die Situation auf den Straßen zu entspannen. Allerdings ist das Ziel noch nicht erreicht. Zu ruppig und drängelnd geht es noch auf den Straßen zu, zu viele sterben. Geht es gelassener und rücksichtsvoller, möglichst ohne Kontrollen? Schön wärs. Wir drucken gern im nächsten Jahr die guten Nachrichten.

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