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Scheck für überfällige Sanierung übergeben : Siggelkower retten ihre Dorfkirche

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Die Situation ist prekär. Die Kirche in Siggelkow neigt sich immer stärker nach Norden. Im Gebäude ist es kalt und es lässt sich kaum heizen. So fiel die Einladung zum Adventskonzert mit Fritz Abs ungewöhnlich aus.

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erstellt am 10.Dez.2012 | 06:57 Uhr

Siggelkow | Die Einladung zum kleinen Adventskonzert mit Kantor Fritz Abs in der Siggelkower Dorfkirche war schon ungewöhnlich. "Warme Decken sind vorhanden. In unserer Kirche ist es so kalt und es lässt sich kaum heizen und das hält im Winter die Besucher leider ab, sich ein Konzert bei uns anzuhören", hatte Gabriele Zwerschke angemerkt. Schließlich liegt ihr viel daran, dass sich die Besucher an der Musik erfreuen und anschließend für die Rekonstruktion des Gotteshauses etwas spenden. "Unserer Kirche geht es wirklich nicht gut. Das Gebäude neigt sich immer stärker nach Norden. Die Situation ist prekär", macht die engagierte Vorsitzende des Kirchenfördervereins aus ihrer Sorge keinen Hehl. Und das hat sich längst über die Dorfgrenzen hinaus herumgesprochen. Vor wenigen Tagen waren Joachim Dietmar Ziegler, Vorstand der Sparkasse Parchim-Lübz, zusammen mit Marina Raddatz als Marketingmitarbeiterin der Bank nach Siggelkow gekommen. Und sie hatten etwas mitgebracht. Zusammen mit dem Kirchenältesten Gerhard Degel konnte Gabriele Zwerschke einen Scheck in Höhe von 5000 Euro in Empfang nehmen. Das Geld stammt aus dem Ertrag der PS-Lotterie, die bei den Kunden der Sparkasse seit Jahren großen Anklang findet. "Wir unterstützen Vorhaben in der Region und wollen helfen, dass die Siggelkower ihre Kirche auch in Zukunft behalten", sagt Dietmar Ziegler. Die Spende kommt in die Siggelkower Baukasse, die sich damit auf einen Gesamtbetrag von rund 25000 Euro gefüllt hat. "Seit Monaten sammeln wir Geld, damit die Sanierung möglichst bald beginnen kann. Auch wenn unser Eigenbeitrag noch nicht ausreichen wird, lassen wir uns nicht entmutigen. Die Zeit könnte knapp werden", befürchtet die Fördervereinsvorsitzende. Inzwischen geben sich in Siggelkow die Bauexperten die Klinke in die Hand. "Die Fundamente sind das Problem. Bis zu 90 Prozent der Gründung der Kirche müssen wohl erneuert werden", weiß Gabriele Zwerschke. Auch an vielen Balken und dem Dach hat der Zahn der Zeit selbst für den Laien sichtbar genagt. Erste Kostenschätzungen sind von Aufwändungen in Höhe von 300 000 Euro ausgegangen. Inzwischen sind die bautechnischen Probleme so umfassend, dass dieser Betrag wohl nicht ausreichen wird. Die Kirche ist nach dem 30-Jährigen-Krieg Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut worden. Seinerzeit herrschte im Land große Not und für einen soliden Bau fehlten Geld und Material. In DDR-Zeiten ist der Altar entfernt worden. Das Holz wurde für die provisorische Reparatur des Fußbodens benötigt. Die Kirche blieb danach nicht nur schmucklos, sondern verfiel trotz der Bemühungen einzelner zunehmend.

Die Siggelkower wollen ihre Kirche unbedingt im Dorf behalten. Deshalb engagieren sich nicht nur aktive Christen für den Erhalt des prägenden Fachwerkbaus. "Wir wollen alle Möglichkeiten nutzen, um das benötigte Geld zusammen zubringen", macht die Fördervereinsvorsitzende deutlich. Im Sommer hat Pastorin Ulrike Kloss Menschen namens Siggelkow und Siggel aus nah und fern eingeladen, um sie für den Erhalt der Kirche zu gewinnen. Mehr als 40 Frauen und Männer reisten meist aus dem Norden Deutschlands an und einige haben dabei auch etwas gespendet. Nachdem die Siggelkower Dorfkirche nach den großen Gotteshäusern in Parchim auf Platz drei der Prioritätenliste der bedrohten Kirchen gesetzt wurde, gibt es berechtigte Hoffnung dass auch Geld der Landeskirche für den ersten Bauabschnitt, der im kommenden Jahr in Angriff genommen werden soll, zur Verfügung steht. Gabriele Zwerschke, die selbst seit zwei Jahrzehnten in dem Dorf lebt und sich hier wohl fühlt, will sich auch an Stiftungen wenden und um Unterstützung bitten. "Wir lassen uns nicht unterkriegen und werden unsere Kirche retten", ist sie sich mit ihren Mitstreitern einig. Dann wird es womöglich eines Tages nicht mehr nötig sein, dass sich die Konzertbesucher mit Decken vor der beizenden Kälte schützen müssen.

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