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Parchimer Zeitung

20. November 2017 | 22:00 Uhr

Erinnert : Sie waren jung und ohne Furcht

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Vor 50 Jahren: Lübzerin Frigga Bielefeldt half in den 60er Jahren im westafrikanischen Mali, landwirtschaftliche Strukturen aufzubauen

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Furcht vor der Fremde hatten sie nicht. Als Mittzwanziger gingen Frigga Bielefeldt und ihr Mann Rolf für zwei Jahre nach Mali als Entwicklungshelfer. Eine Erfahrung, die das Paar für immer prägen sollte. Über die derzeitigen Zustände in dem westafrikanischen Staat schüttelt die heutige Rentnerin den Kopf. Doch damals arbeitete sie mit der Hoffnung, dass es den Menschen in Mali einmal besser gehen sollte.


Ein großer Schritt
für das junge Ehepaar


Ihr Ehemann und sie waren frisch verheiratet, als sie sich für das gemeinsame Abenteuer entschieden. Ein großer Schritt, gerade in den 60er Jahren: „Ich war gespannt auf das Neue. Ich wollte sehen, wie die Menschen in Mali leben.“ Die beiden jungen Erwachsenen hatten bereits einige Berufserfahrung in der Landwirtschaft. Als staatlich geprüfte Landwirte begannen sie in Burg bei Magdeburg zu arbeiten. Noch ohne Nachwuchs, waren sie frei und ungebunden. „Eines Tages wurden wir gefragt, ob wir als Aufbauhelfer für die Brigade der Freundschaft der FDJ in ein französischsprachiges Land gehen wollen“, sagt Bielefeldt über die Zeit vor ihrer Reise. Sie mussten sich entscheiden, obwohl sie ihr Ziel nicht kannten. Erst nach dem endgültigen „Ja“ erfuhr das Paar, dass es nach Mali gehen sollte. Der Auslandsaufenthalt stand im Kontext der DDR-Entwicklungshilfe. Frigga Bielefeldt und ihr Mann gehörten einer FDJ-Freundschaftsbrigade von insgesamt zwölf Deutschen an.

In einem Vorbereitungskurs schulte man die jungen Aufbauhelfer in „Tropenkunde, Länderkunde und Französisch“. Sie wollten die Malinesen bei Ackerbau und Viehzucht unterstützen. Felder bestellen, Tiere hüten, das waren die Aufgaben der Bielefeldts als Entwicklungshelfer. Ihre Motive von damals kennt sie heute noch: „Reiselust und das Bedürfnis zu helfen, verschlugen mich nach Afrika. Mit unseren Händen wollten wir für Frieden und Völkerfreundschaft arbeiten“, erklärt die gesprächige Lübzerin.

Es verschlug die Gruppe in ein Camp, das 500 Kilometer entfernt von der malinesischen Hauptstadt Bamako lag. Ihre Unterkünfte waren einfache Hütten, „keine Luxushotels“. Mit Netzen schützten sie sich jede Nacht vor den aggressiven Moskitos. Dass die Deutschen trotz Impfungen an Malaria erkrankten, sei normal gewesen. Ein einfaches, schlichtes Leben in einer Wüstenregion, darauf wurden sie bereits zuhause vorbereitet. Kontakt zu ihren Familien in der Heimat pflegten sie über gelegentliche Briefe. Einsam fühlten sie sich dennoch nicht.

Für zwei Jahre standen sie den Einheimischen bei Seite. Kleine Maschinen und Traktoren kamen zum Einsatz, sie pflanzten Bäume und hielten Tiere. Der sprichwörtliche Pioniergeist, „der den Leuten zu Gute kam“, beflügelte die Zusammenarbeit mit den Einwohnern. Freundschaften entstanden.


Große Hitze in einem weit entfernten Land


Die Reise ist ein halbes Jahrhundert her, trotzdem entsinnt sich die Rentnerin an die ersten Eindrücke von Westafrika: „Es war beeindruckend. Plötzlich waren wir hinter der Sahara, also so weit weg und es war so heiß.“ Die Hitze blieb ihr auch 50 Jahre später in wacher Erinnerung. Die hohen Temperaturen von über vierzig Grad hätten die Entwicklungshelfer oft schwach und krankgemacht. „Kaum lebensfähig“, meint Bielefeldt. Dass sie in Mali und bei einem späteren Arbeitseinsatz in Algerien auch mit Konflikten, Elend und Armut konfrontiert wurde, klammert Frigga Bielefeldt in ihrer Erzählung nicht aus. Sie reiste mit der Erwartung ins Ausland, helfen zu wollen und half. „Als wir dort gewesen sind, ging alles vorwärts. Wieder der Erwartung ist die Hilfeleistung später verpufft. Das ist entmutigend“, meint sie nachdenklich.

Eine bunte Keksdose mit alten Fotos, Postkarten und Zeitungsartikeln öffnet die 75-Jährige heute und schwelgt augenblicklich in Erinnerungen an eine aufregende Zeit. „Uns erwarteten keine Wilden, sondern ganz liebe Menschen, die immer gut zu uns waren“, erinnert sich Bielefeldt. Französisch, die Amtssprache in Mali, blieb für Frigga Bielefeldt eine lebenslange Passion. In unzähligen Urlauben erkundete sie mit ihrem Mann französischsprachige Länder. An der Lübzer Volkshochschule gab sie nebenberuflich Französischunterricht.

Frigga Bielefeldt spricht heute noch begeistert über die Herzlichkeit der Menschen aus Mali: „Eigentlich hatten sie allen Grund den Weißen böse sein, so wie sie vorher ausgebeutet wurden. Aber sie waren freundschaftlich und vertrauenserweckend zu uns. Das hat mich geprägt.“ Die damals 25-Jährige gewann eine Erkenntnis: „Diese Erfahrung beeinflusste meine Haltung, bescheiden zu sein und gegenüber Menschen positiv zu denken“, sagt sie heute.

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