Parchim : Sie sind angekommen in Parchim

Die elfjährige Sabiha Kekheya aus Syrien hat den Weg ihrer Flucht in diesem Bild dargestellt.
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Die elfjährige Sabiha Kekheya aus Syrien hat den Weg ihrer Flucht in diesem Bild dargestellt.

Einige Kriegsflüchtlinge aus Syrien und dem Irak, die in der Kreisstadt leben, stellen Bilder und Kunsthandwerk aus

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15. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Sie fühlen sich geborgen in Parchim: Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, die in der Weststadt im Kinder-, Jugend- und Familientreff Bilder und Kunsthandwerk ausstellen.

Die elfjährige Sabiha Kekheya ist die jüngste Ausstellerin. Sie hat den Weg ihrer Flucht ins Bild gerückt und das, was sie – angekommen in Parchim – besonders bewegt. An ihre Heimat Syrien hat sie nur eine Erinnerung: Ein großes Feuer prangt auf ihrem Bild. Mehrere Monate hat die Familie mit Vater Nabeel Kekheya (46) und Mutter Manal Kaka (37) in der Türkei gelebt. Sie war traurig, als sie das Land verließen - auf der ersten Etappe im Boot über das Mittelmeer, erzählt sie. Aber es gab keine Perspektive. Die Elfjährige schwärmt von der Stadt Parchim, in der sie heute lebt. Sie freut sich u.a. über den Schnee und den Tannenbaum, die sie nur aus Filmen kannte. Der Winter ist derzeit ihre liebste Jahreszeit. In Syrien und der Türkei gibt es andere Feste, erzählt sie. Aber für sie ist wichtig, dass sie in Parchim auch Weihnachten und Ostern feiern kann. Nicht die Geschenke sind für sie entscheidend, sagt sie, „sondern dass wir alle gemeinsam feiern.“

Sabihas Eltern, die ebenso wie ihre Tochter gut deutsch sprechen und derzeit einen Kurs besuchen, wollen sich wenn möglich selbstständig machen in Parchim mit einer kleinen Firma, die Handel zwischen Europa und dem mittleren Osten betreibt. Der Mann ist Maschinenbau-Ingenieur, seine Frau hat Wirtschaft studiert.

Der Autor und Karikaturist Ali Alogaili aus dem Irak, der früher für viele Zeitungen und Zeitschriften gearbeitet hat, ist Jahrgang 1958 und damit der Älteste, der in der Weststadt ausstellt. Er fühle sich sehr wohl in Parchim, sagt er. Hier habe er Stabilität und Freiheit gefunden. Durch eine Rückenerkrankung kann er seine Bilder nicht mehr im Sitzen, sondern nur in seinem Bett liegend malen.

Blumendesigner Hamoud Chabo Abdnach aus Syrien, der mit seiner Familie nach Jahren in einem Flüchtlingslager im Libanon nach Deutschland gekommen ist, erlebt Parchim als eine schöne, ruhige Stadt mit einem Miteinander von Syrern und Deutschen. Das Kunsthandwerk, das er in der Kreisstadt ausstellt, geht nicht in den Verkauf, sondern dient als Geschenk für Bekannte.

„Kunst kommt an....“ heißt die Ausstellung. Gabriele Liebenow vom Kinder-, Jugend- und Familientreff verweist auf die Stärke von Bildern auch dort, wo Worte fehlen. Die Flüchtlinge, die nach Parchim kommen, sind zunächst u.a. damit gefordert, die deutsche Sprache zu lernen.

Zum Ausstellungsprojekt gehörte ein Trommelworkshop. Hamad al Halabi und Taghrid Kubeitze waren bei der Ausstellungseröffnung dabei. Das junge Paar studierte in Syrien. Beide wollten Grundschullehrer werden. Jetzt strebt Hamad al Halabi eine Laufbahn als Industriekaufmann an. Parchim empfindet der junge Mann, der übrigens auch im Marnitzer Chor singt, bereits als Heimat: „Die meisten Menschen helfen uns und sind sehr nett zu uns.“

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