Parchim : Sie hegt und pflegt 140 Pflanzkübel

Löscht regelmäßig den Durst der Pflanzen in 140 Kübeln auf den Hafenterrassen: Regina Nüsch.
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Löscht regelmäßig den Durst der Pflanzen in 140 Kübeln auf den Hafenterrassen: Regina Nüsch.

Stillstand passt nicht zu Regina Nüsch: Sie ist die gute Seele auf den Parchimer Hafenterrassen

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14. Mai 2018, 05:00 Uhr

Auch dafür lieben die Parchimer ihre Hafenterrassen: Das von Betreiber Holger Nüsch geschaffene Kleinod sieht nicht nur aus wie geleckt. Kaum hat sich der Frühling so richtig durchgeboxt, entfalten auf dem Gelände am Fischerdamm unzählige Steingewächse ihre bunte Farbenpracht. Sage und schreibe 140 Pflanzkübel und noch ein paar Blumenkästen verteilen sich über den gastlichen Ort direkt an Parchims Heimatflüsschen Elde. „Nur zwei Kübel sind derzeit leer“, hat Regina Nüsch natürlich den genauen Überblick, was wo gedeiht. Schließlich hat sie jedes einzelne Gefäß eigenhändig bepflanzt. Die meisten Steingewächse sind gekauft, doch auch so einige Schenkungen von Bekannten ranken nun verwegen aus den Kübeln. Zur eigenen Chefsache hat Regina Nüsch auch die Hege und Pflege der blühenden Pracht erklärt. Die entwickelt – kaum bekommt die Sonne wieder richtig Power – einen unbändigen Durst, der jeden Morgen gestillt werden will.

Regina Nüsch ist die gute Seele der Hafenterrassen. Die Mitarbeiter verehren und respektieren sie, sprechen sie liebevoll mit Mutti an. Für Sohn Holger Nüsch ist sie die verlässliche rechte Hand im Geschäft. „Ohne Mutti geht nichts“, lacht der Unternehmer. Seit 1. Januar 2015 hat er auch noch die Gastronomie in der Parchimer Stadthalle unter seiner Regie. Er weiß nur zu gut, was er an seiner treuesten Mitarbeiterin hat: Saubermachen, Grill putzen, Laub fegen und Blumenpflege, der Großabwasch nach jeder Veranstaltung, Garderobendienst – das ist das Ressort von Regina Nüsch. Gerade eben erst zum Herrentag war sie wieder 13 Stunden am Stück auf den Beinen. Danach fällt es ihr oft schwer, runterzufahren und nachts zur Ruhe zu kommen: „Ich stehe dann meist so unter Strom, dass ich nach drei bis fünf Stunden Schlaf schon wieder hellwach bin und sofort loslegen könnte“, verrät Regina Nüsch. Und auch auf der eigenen kleine Scholle gibt es „nebenbei“ immer was zu puzzeln. Dabei hat sich die Parchimerin ihren Ruhestand längst redlich verdient: In diesem Jahr feierte sie ihren 70. Geburtstag. Geboren wurde Regina Nüsch in Siggelkow. Nach der Heirat zog sie nach Parchim. Das war vor 50 Jahren. Beruflich war Regina Nüsch vom ersten Lehrtag im Jahr 1964 an bis 1993 beim Konsum tätig. Ihre langjährige Betriebszugehörigkeit kam ihr zugute, als in der Nachwendezeit alles im Umbruch war und wie so viele Betriebe auch der Konsum abgewickelt wurde. „Ich habe den Konsum fast abgeschlossen“, erinnert sie sich an diese Zeit. Der Einstieg ins Gastrogeschäft ergab sich von selbst Regina Nüsch war schon früher mit ihrem Mann an den Wochenenden sehr viel auf Dorffesten unterwegs: Er fuhr die Musiker, sie stand hinter dem Tresen, kellnerte und hatte Spaß daran. Als sich Sohn Holger Nüsch eines Tages selbstständig machte, zunächst in der Mühlenstraße, fing sie bei ihm an. Dass sie an vielen Tagen regelrecht einen Vollzeitjob macht, stört Regina Nüsch nicht. „Wenn ich loslegen kann, sind alle Wehwehchen vergessen. Ich brauche das, muss immer was zu tun haben“, verrät sie. Das Lob der Gäste ist ihre Energiequelle. Zu sehen, dass der schöne Ort am Wasser von den Besuchern angenommen wird, macht sie stolz. Manchmal witzeln Sohn und Mutter: „Wir gehen mal zusammen in Rente.“ Holger Nüsch hat noch etwa 15 Arbeitsjahre vor sich und Regina Nüsch dann das stolze Alter von 85 Jahren erreicht, wenn sie ihre Kittelschürze an den Nagel hängt. Ja die Kittelschürze, die verteidigt sie vehement: „Sie ist das einzige Erbstück der Familie, das ich mit hierher gebracht habe. Aber sie ist eben so schön praktisch.“

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