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Streit um Theater-Mühle : „Sie haben gehört, dass es losgeht“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Theater-Mühle Thema im Kreistag: Landrat-Vertreter beschimpft Presse, kann aber keinen Bautermin nennen Offener Streit in Verwaltungsspitze

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Noch mehr Fördermittel für den künftigen Theater- und Museumsstandort Elde-Mühle in Parchim? Fünf Millionen hat das Land vor zwei Jahren zugesagt, allein es tut sich nichts. Landrat-Vertreter Wolfgang Schmülling (SPD) nannte nun vor dem Kreistag bis zu 12,5 Millionen Euro zusätzlich für die Sanierung des Parchimer Museums am „bestehenden Standort“, korrigierte dann aber, dass er die Mühle meine. Diese bis dato unbekannte Information habe Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) am vergangenen Freitag in einer Mail mitgeteilt. Das Geld komme über das Wirtschaftsministerium  als Förderung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

Schmülling, offenbar massiv unter Druck, attackierte dann die Presse: „Sie haben gehört, dass es losgeht! Es ist abenteuerlich, was Sie schreiben. Fragen Sie gern nach, wir erklären es Ihnen.“ Nun, auch die gestrige Anfrage an die Kreisverwaltung blieb – wie unzählige vorher zum Thema – unbeantwortet. Wir hätten gern gewusst, was losgehe, wann Ausschreibung und Bau beginnen und wie hoch die Gesamtkosten sind. Auch was nötig sei, um an den Bewilligungsbescheid zu kommen, wäre von Interesse.

Ausgerechnet Udo Pastörs (NPD) brachte Schmülling in Erklärungsnöte, als er fragte, ob denn schon ein Bewilligungsbescheid vorliege. Der Landrat-Vertreter musste zugeben: „Wir warten auf den Bewilligungsbescheid. Wir werden einfordern, dass er möglichst zügig kommt.“ Es sei doch schon ein Erfolg, dass es nach Jahren des Kampfes für den Ersatz der Bühnen jetzt eine Begehung der Elde-Mühle gegeben habe (wir berichteten).

SPD-Fraktionschefin Dr. Margret Seemann löste dann einen handfesten Streit der Verwaltungsspitze aus, als sie den Beigeordneten Günter Matschoß (CDU) vorführte. Der seit Monaten erkrankte Landrat habe ihn doch gebeten, „eine Beschlussvorlage mit vergaberechtlichen Varianten“ zu erarbeiten. Wo die denn sei, fragte Seemann und empörte sich darüber, dass die CDU jetzt auch noch eine Sondersitzung des Kreisausschusses fordere: „Das kostet Geld.“

Matschoß ließ sich das nicht gefallen und packte aus: Bis zur letzten Juniwoche seien Raumaufteilung und Finanzierung nicht klar gewesen. Erst am 12. Juli nannte  das Kultusministerium die Förderstellen. Der Landrat habe am 5. Juli gefordert, eine Beschlussvorlage zu erstellen. Matschoß: „Wenn Sie mir zeigen, wie Sie das durch die Gremien bekommen – gerne.“ Dann unterstellte Seemann, die CDU werde bevorzugt informiert. Nico Skiba (CDU) konterte kühl: „Frau Dr. Seemann, schauen Sie mal zwei Plätze nach rechts. Da sitzt einer (Detlev Hestermann, SPD), der an der Informationssitzung teilgenommen hat.“

Die Stadt Parchim gibt sich freigiebiger mit Informationen als der Landkreis. Bürgermeister Dirk Flörke (CDU) zeigte sich gestern überrascht: „Ich kenne die Summe nicht. Wenn es so sein soll, freue ich mich. Wir haben schon immer darauf gesetzt, die Kultur-Mühle mit Theater und Museum zu betreiben. Ich bin überzeugt davon, dass es eine absolut tolle und anziehende Sache wird. Wir hatten vergangene Woche sehr intensive Runden zur Finanzierung der Projekte in der Kultur-Mühle.“

Davon wiederum hatte Landrat-Vertreter Wolfgang Schmülling dem Kreistag nichts erzählt...

Kommentar von Udo Mitzlaff: Wer führt hier eigentlich Regie?
Was die Verwaltungsspitze eines der größten Landkreise Deutschlands in Sachen Kultur-Mühle aufführt, ist so abenteuerlich, das kann eigentlich keiner aufschreiben. Man muss es erst mal hinbekommen, einer tollen neuen Sache die Euphorie des Anfangs auszutreiben und sie in missmutiges und kleinliches Hickhack zu verwandeln. Offenbar tobt hinter den Kulissen der Streit um die richtige Umsetzung. Landrat Rolf Christiansen (SPD) macht kein Geheimnis daraus, dass er das fertige Projekt am liebsten schlüsselfertig übernehmen würde. Der Beigeordnete Günter Matschoß scheint aber ein öffentlich-privates Projekt zu bevorzugen. Nun, nach drei bühnenlosen Jahren müssten beide langsam zu Potte kommen. Wir können nur appellieren: Macht schneller! Damit der Informationsnebel sich lüftet, werden wir jetzt alle zwei Wochen beim Landkreis nachfragen, wann es wirklich losgeht. Nach unseren Erfahrungen werden die Beiträge wohl eher kurz ausfallen...
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