Sicherster Kreis im ganzen Land

<strong>Kriminaloberrat Tom Sperling</strong><foto>Michael-Günther Bölsche</foto>
Kriminaloberrat Tom SperlingMichael-Günther Bölsche

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22. März 2013, 05:27 Uhr

parchim | "Bei uns herrscht Frieden, wir leben statistisch im sichersten Landkreis des Landes. Bei uns läuft kein Mörder frei herum, weil es im vergangenen Jahr keinen Mord gegeben hat." Kripochef Tom Sperling, immerhin Vorgesetzter für gut 100 Kriminalpolizisten im Landkreis, drückt sich nicht vor klaren Einschätzungen.

Je 100 000 Einwohner wurden 6065 Kriminalfälle registriert, im Jahr 2011 waren es noch 5946. "Trotz dieser leichten Steigering ist das Leben im Landkreis, gemessen an objektiven Zahlen, am sichersten", so der Kripochef. Die Kriminalisten sind an sechs Standorten im Landkreis im Einsatz. Für unsere Region sind das Stationen in Parchim, Plau und Crivitz.

Diebstähle sind und bleiben das Hauptproblem bei der Kriminalitätsbekämpfung, das hat sich auch 2012 nicht geändert. Eigentumsdelikte nennt das die Polizei, es gab 5202 Fälle, die angezeigt wurden, das sind immerhin 40 Prozent der Gesamtkriminalität.

Aufpassen sollten Radfahrer besonders in der Kreisstadt: Von den 425 gemeldeten Fahrraddiebstählen entfallen allein auf die Stadt Parchim 113. Das ist mit Abstand die höchste Zahl und kann damit begründet werden, dass die Kreisstadt auch die Stadt mit der höchsten Einwohnerzahl ist. Auf Platz zwei kommt Hagenow mit 70 Fahrraddiebstählen. Plau liegt mit 18 an fünfter Stelle. Insgesamt ist die Zahl gefallen, "da sich hier die Codierungsaktionen von Polizei und Fahrradhändlern positiv auswirken", so Sperling.

Bei den Raubstraftaten ist die Zahl im gesamten Landkreis konstant geblieben, bei Delikten von Körperverletzung ist sie dagegen etwas angestiegen. Auch hier belegt Parchim auf Grund der Einwohnerzahl mit 160 Taten konstant den Spitzenplatz. Ebenfalls konstant mit 60 Straftaten liegt das Amt Eldenburg Lübz. Im Amt Goldberg-Mildenitz ist sie von 46 im Jahre 2011 auf 34 im vergangenen Jahr gesunken.

Während die Zahl der Raubstraftaten im Landkreis und insbesondere in unserer Region mit 65 Fällen gegenüber des Vorjahres relativ konstant geblieben ist, liegt sie im Amt Sternberger Seenlandschaft bei fünf Fällen (+2) und im Amt Goldberg-Mildenitz bei drei Fällen (+1). Im Amt Eldenburg Lübz gab es nur ein Fall, ein Jahr zuvor waren es noch vier.

Die steigenden Kraftstoffpreise sorgen auch für ein Ansteigen der Dieseldiebstähle Das Amt Parchimer Umland liegt mit 97 Fällen weit an der Spitze im Landkreis. Schuld ist die günstige Lage der Autobahntankstelle Stolpe. Hier wurde mit gefälschten oder gestohlenen Kennzeichen 95 Mal getankt ohne zu bezahlen, an der Spornitzer Tankstelle nur zwei Mal. An fünfter Stelle liegt die Stadt Parchim, an deren Tankstellen 21 Mal der Sprit nicht bezahlt wurde. Die Aufklärungsquote liegt bei diesen Delikten kreisweit bei 47,44 Prozent. Auch die Serie in der Parchimer Weststadt, bei der Tanks aufgebohrt/aufgestochen wurden, konnte durch die Polizei aufgeklärt und die Täter dingfest gemacht werden.

Leicht rückläufig war die so genannte Straßenkriminalität, zu diesem Bereich zählt die Polizei auch alle Straftaten rund um das Auto. Von großem Interesse sind dabei Diebstähle kompletter Autos, da gab es in 2011 doch 73 Fälle im gesamten Kreis. Im Jahr 2011 wurde noch 103 Fälle registriert. Einen Grund sieht die Polizei in den immer besser ausgestatteten Fahrzeugen, obwohl der Landkreis im Bundesvergleich immer noch eine relativ alte Fahrzeugflotte hat. Eine absolute Sicherheit gäbe es dennoch nicht, warnt die Kripo. Nach wievor würden Fahrzeuge aller Kategorien gestohlen. Als Kfz-Diebstahl geht eine Tat nur dann in die Statistik ein, wenn der Täter das Fahrzeug oder Teile sich tatsächlich aneignen wollte. So genannte unbefugte Benutzungen, wo Diebe ein Auto nur so aus Spaß zu Schrott fahren, zählen nicht darunter.

Entgegen verbreiteter Vorurteile stellt die Gruppe der Jugendlichen nicht die meisten Täter. Bei den unter 25-Jährigen ist die Zahl sogar rückläufig. Gestiegen ist sie dagegen bei den über 25 bis 40-Jährigen.

Vergleicht man beide Altkreise, so ist festzustellen, dass der Parchimer Bereich relativ gut wegkommt. Hier wurden im vergangenen Jahr insgesamt 5681 Fälle registriert (2011: 5705) und 57,97 Prozent (2011: 54,29) aufgeklärt. Im Altkreis Ludwigslust wurden 7443 Fälle (2011: 7278) erfasst und davon 55,33 Prozent aufgeklärt (2011: 54,33). Um die Aufklärungsrate weiter zu erhöhen, erhoffen sich die Kriminalisten vor allem schnelle Anzeigen, und das unabhängig von der Straftat. "Nur dann können Spuren am besten gesichert und Maßnahmen ergriffen und Täter dingfest gemacht werden"", so Sperling. Als Beispiel nannte er die erst kürzlich nach nur wenigen Stunden gefassten Diebe, die in Ziegendorf ihr Unwesen trieben (wir berichteten).

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