Theaterstück mit Arbeitslosen : Showdown am Sonnenberg

Die Räuberbande mit ihrem abgewandelten Einheitsfrontlied „Weil der Räuber ein Räuber ist“
Die Räuberbande mit ihrem abgewandelten Einheitsfrontlied „Weil der Räuber ein Räuber ist“

Projektfabrik Witten inszeniert Theaterstück mit Arbeitslosen: Morgen Premiere in der Tanzschule Röber

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15. März 2016, 12:00 Uhr

Mit Theaterspiel zum Job: In der Tanzschule von Andreas Röber hat morgen um 18.30 Uhr das neueste Projekt JobAct® to Connect der Projektfabrik Witten in Parchim seine Premiere. „Showdown am Sonnenberg“ heißt das diesjährige Stück, die Mitwirkenden sind unter 30 und über 50 Jahre alt.

Dabei spielt gerade diese unterschiedliche Altersstruktur eine nicht unerhebliche Rolle, denn „es ist nicht einfach, diese unterschiedlichen Generationen zusammenzubringen“ erzählt Edith Völker, die Bewerbungsmanagerin der Berufsbildungsstätte Start.

Eines ist allen Teilnehmern gleich, sie sind ohne Job und das soll sich ändern. Wie aber soll das mit einem Theaterstück funktionieren? „Hier lernen alle das Agieren auf einer Bühne vor Publikum. Mit Hilfe dieser Kunst wird das Selbstbewusstsein gestärkt“, ist sich Edith Völker sicher. Es ist ja nicht nur das Theaterspiel, das eine Herausforderung darstellt, sondern es sind gleich mehrere Dinge, die hier miteinander verknüpft sind.

Zunächst geht es um das Stück. Hier ist gemeinsame Kreativität gefragt – was prima geklappt hat. Parchim hat mit Räuber Vieting sein Maskottchen und die Sonnenberge liegen vor den Stadttoren – was liegt näher, als daraus eine Handlung zu entwerfen? Gesagt, getan: Alles gewürzt mit etwas Humor, mit Grimmschen Märchenfiguren sowie einer Anleihe aus Schillers „Die Räuber“ und fertig ist eine anspruchsvolle Geschichte, die nun in Szene gesetzt werden muss.

Hier haben die Laiendarsteller professionelle Hilfe von Sigrid Maria Schnückel. Spätestens nach der Begrüßung weiß der Fernsehzuschauer, dass er diese Frau kennt. Schließlich hat sie sieben Jahre in der RTL-Serie „Hinter Gittern“ als Melanie Schmidt eine der Hauptrollen gespielt.

Ob ihr diese „Knasterfahrungen“ bei der Inszenierung der Parchimer Räubergeschichte geholfen haben, ist nicht bekannt. Man merkt Sigrid Maria Schnückel aber an, dass sie mit Freude bei der Sache ist. Es gelingt der erfahrenen Schauspielerin, die Projektteilnehmer mitzureißen und Spaß, Freude und Ernst zu vermitteln. Interessant ist auch die Bühnengestaltung, denn es wird im Saal und auf dem Hof zugleich gespielt. Auch die Kostüme und Masken haben sich die Projektteilnehmer selber ausgedacht und gefertigt.

Finanziert wird das Projekt durch das Jobcenter Ludwigslust-Parchim. Die Berufsbildungsstätte Start GmbH fungiert als Kooperationspartner. Die Tanzschule Röber hat ihren Saal zur Verfügung gestellt. Gestartet ist das Projekt bereits im Oktober vergangenen Jahres.

Die Theaterarbeit hat gewollte Nebenwirkungen: So wird das Selbstbewusstsein deutlich gestärkt, die Akteure lernen lange Texte und das Spiel auf der Bühne vor Publikum. Während Lampenfieber ganz normal ist, muss man hier lernen, über den eigenen Schatten zu springen. Das ist für einige Teilnehmer eine große Hürde, die aber im Team gemeistert werden kann.

Dass dies keine bloße Theorie ist, zeigt sich darin, dass „manch einer bereits ausgeschieden ist und eine Arbeit gefunden hat, andere mit einer deutlich gestärkten Persönlichkeit und mit Wissen der eigenen Fähigkeiten in die Bewerbungsgespräche gehen“, sagt Edith Völker.

Für die beiden Vorstellungen am Mittwoch und Donnerstag in der Tanzschule Röber in der Stegemannstraße jeweils um 18.30 Uhr sei den Projektteilnehmern ein kräftiges „Toi, toi toi“ zugerufen: Möge dieser Theatergruß auch dem weiteren beruflichen Leben gelten.

(Weitere Fotos in der Printausgabe und im E-Paper)

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