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Parchimer Zeitung

20. Oktober 2017 | 23:47 Uhr

Jubiläum : Severiner haben Grund zum Feiern

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Vorbereitungen für 750-Jahrfeier laufen auf Hochtouren / Ortschronistin Irene Schultz stellt Dokumentation zusammen / Festumzug am 21. Juni

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erstellt am 20.Jan.2014 | 16:44 Uhr

Die meisten Dorfbewohner haben sich das Wochenende zum Beginn des diesjährigen Sommers längst im Kalender angestrichen. Vom 20. bis 22. Juni wird hier groß gefeiert, denn Severin wird 750 Jahre alt. „Da freuen wir uns schon sehr drauf“, sagt Irene Schultz. Für sie als Ortschronistin ist dies natürlich etwas ganz Besonderes. Seit Wochen dreht sich bei der 68-Jährigen schon alles um dieses Jubiläum.

Irene Schultz hat es vor mehr als drei Jahrzehnten nach Severin verschlagen. Für die Leipzigerin ging im Norden der Traum vom Leben auf dem Land in Erfüllung. Die junge Frau wurde hier als Bürgermeisterin eingesetzt und erlebte die Licht- und Schattenseiten der kleinen Gemeinde an der Bundesstraße 321 hautnah mit. Nach der Wende war es ihr wichtig, dass die Erinnerungen an die spannende Zeit nicht verloren gehen. Irene Schultz sammelte Fotos, Zeitungsbeiträge und machte sich auf Spurensuche in Archiven in Schwerin und Parchim. „Die Geschichte von Severin ist eine spannende Sache. Da lohnt es auf jeden Fall, sich damit gründlich zu beschäftigen“, meint die engagierte Frau. Das, was sie bisher zusammen getragen hat, kann sich sehen lassen. In mehreren ledergebundenen A-3-Ordnern ist nachzulesen, wie aus einem Rittergut ein sozialistisches Dorf wurde, dass nach der Wende mit der Mecklenburger Landpute weit über die Region hinaus bekannt geworden ist.

Der Ort Severin wird 1264 erstmals als „Ceberin“ urkundlich erwähnt. Die Experten glauben, dass sich dieser Ortsname wahrscheinlich vom altslawischen Wort „Sebru“ für Bauer ableitet und damit für „Bauerndorf“ steht. Das Rittergut und der Besitz von fünf Großbauern wurde in der Zeit von 1309 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts vielfach veräußert. 1922 wurde der Berliner Großindustrielle Günter Quandt, der nach Ende des Zweiten Weltkrieges komplett enteignet worden ist, Eigentümer von mehr als 930 Hektar Land. Quandts Herrenhaus aus den 1880er Jahren war 1931 Schauplatz einer spektakulären Hochzeitsfeier. Quandts Ex-Gattin Magda hat Nazigröße Joseph Goebbels am 19. Dezember in der Dorfkirche geheiratet und danach im Schloss standesgemäß gefeiert. Nach dem Krieg sind hier Flüchtlinge untergekommen, bevor daraus eine Bildungsstätte wurde.

Noch heute gibt es in Severin eine „Neubauernstraße“. Der Name steht dafür, dass hier 49 Umsiedler und 21 Gutsarbeiter bei der Bodenreform jeweils rund zehn Hektar Land bekamen. Später wurden EAS, MTS, LTA als Servicefirmen für die Bauern sowie je eine LPG Tier- und Pflanzenproduktion gebildet. Nach der Wende wurde die Landwirtschaft wieder privatisiert. Mit der Mecklenburger Landpute entstand ein namhafter Lebensmittelbetrieb im Dorf. „Viel hat sich inzwischen getan. Straßen wurden erneuert und die Hauseigentümer habe ihre Grundstücke verschönert. Severin ist ein einladendes Dorf“, freut sich auch die Ortschronistin. Sie hat es schwarz auf weiß, die Einwohnerzahl hat sich in den zurückliegenden Jahren von 250 auf 293 sogar erhöht. Viele junge Familien zieht es wie einst Irene Schultz hinaus auf das Land.

Fast druckfertig ist eine Broschüre, die in einer Auflage von mehreren hundert Stück beim Geburtstagsfest verkauft werden soll. Der Erlös wird ebenso wie eine Spende der VR-Bank zur Finanzierung der Jubiläumsfeierlichkeiten verwendet. Auch das Konzept für einen großen Festumzug, der am Sonnabend, dem 21. Juni die Geschichte des Dorfes lebendig werden lassen soll, ist fast fertig. Um die hundert Mitwirkende werden gebraucht. Irene Schultz wird sich mit einer Tracht unter die Landfrauen mischen und ihr Mann Gerhard ist als Zimmermann bei den Handwerkern dabei. „An diesem Tag wird wohl das ganze Dorf auf den Beinen sein. Schon jetzt machen viele mit“, freut sich die Ortschronistin. Schließlich sei das Dorfleben ohne die sehr aktive Feuerwehr, die Vereine, die Freizeitsportler und die Firmen undenkbar. Und auch aus dem Nachbardorf Domsühl kommt willkommene Unterstützung. Wenige Tage vor dem Dorfgeburtstag – am Wahltag, dem 25. Mai – wird schließlich die inzwischen besiegelte Gemeindehochzeit zwischen Domsühl und Severin ganz offiziell vollzogen. „Das ist auf jeden Fall ein zusätzlicher Grund zum Feiern“, ist sich Irene Schultz mit vielen ihrer Mitbürger längst einig.


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