Ausgestorben geglaubte Blume entdeckt : Sensationeller Wiederfund

Purpur-Sommerwurz
Purpur-Sommerwurz

Stark gefährdet: Purpur-Sommerwurz auf Paradieskoppel bei Dobbertin entdeckt

svz.de von
27. Juni 2016, 20:45 Uhr

Als der Schüler Harald Koch aus Goldberg seinem Biologielehrer an der ehemaligen Erweiterten Oberschule Lübz mitteilte, er habe die Purpur-Sommerwurz gefunden, schüttelte der Lehrer den Kopf und wies darauf hin, dass diese Pflanze ausgestorben sei. Danach wandte sich Harald Koch an Prof. Franz Fukarek, der als Hochschulprofessor an der Universität Greifswald die Arbeitsgemeinschaft der Floristen in Mecklenburg unter dem Dach des Deutschen Kulturbundes leitete. Auch der wollte es nicht glauben. Schließlich schickte der Schüler an Professor Fukarek einen Herbarbeleg. Nun war die Sensation perfekt: Die als verloren geglaubte Pflanze gab es noch!

Harald Koch schrieb darüber im Botanischen Rundbrief: „1973 entdeckte ich unweit des Flächennaturdenkmals „Paradieskoppel“ in der Dobbiner Plage bei Dobbertin ein Vorkommen von Orobanche purpurea. Prof Fukarek bestätigte die Richtigkeit der Bestimmung.“ Weiter zitierte er folgende Passage aus einem Brief des Professors. „Bisher sind im mecklenburgischen Gebiet nur 7 Fundorte bekannt geworden, aber alle vor 1860.“ Als vor einigen Wochen die Arbeitsgemeinschaft Geobotanik Mecklenburg-Vorpommern anlässlich des 57. Floristentreffens das Flächennaturdenkmal „Paradieskoppel“ besuchte, suchten Harald Koch und Walter Kintzel vergeblich nach der Purpur-Sommerwurz. Kurz danach entdeckte Katja Hahne aus Sandhof am Nordrand der Dobbiner Plage ein neues Vorkommen. Eine Auszählung durch Mitglieder der Fachgruppe Geobotanik Parchim ergab insgesamt 34 blühende Pflanzen mit 73 Trieben (Sprossachsen). Möglicherweise können es inzwischen sogar noch mehr sein.

Die Purpur-Sommerwurz ist ein Vollschmarotzer, besitzt kein Chlorophyll (Blattgrün), ist daher auch nicht grün wie die meisten Pflanzen. Infolge dessen kann sie auch nicht die Photosynthese durchführen. Nährstoffe und Wasser entnimmt sie daher ihrer Wirtspflanze, indem sie deren Wurzelsystem „anzapft“. Wirtspflanze ist die gewöhnliche Schafgarbe. Die Samen der Purpur-Sommerwurz keimen nur in unmittelbarer Nähe ihrer Wirtspflanze, da die Keimung der Samen durch besondere chemische Substanzen angeregt wird, die von den Wurzeln der Schafgarbe abgegeben werden. Der Keim bildet zunächst eine spezielle Wurzel (Haustorium), die in die Wirtswurzel eindringt. Danach entwickelt sich ein Speicherorgan direkt an der Wirtswurzel. Aus diesem treibt später der Spross. Er trägt nur stark reduzierte Blätter, in deren Achseln die Blüten sitzen.

In der Roten Liste für Mecklenburg-Vorpommern wird die Purpur-Sommerwurz mit der Gefährdungskategorie „stark gefährdet“ geführt, gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass für diese Art unser Bundesland innerhalb Deutschlands eine beträchtliche Verantwortung besitzt.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen