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Parchimer Zeitung

26. September 2017 | 09:26 Uhr

Parchim : Sensation: Geschichte lernt laufen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Filme aus den 1930er und 1940er Jahren lassen Parchimer Geschichte lebendig werden. Nach Digitalisierung beginnt Auswertung

von
erstellt am 25.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Wolfgang Kaelcke nimmt die DVD vorsichtig aus der Schutzhülle, legt sie ins Laufwerk des Computers und schaut gespannt auf den Bildschirm. Zu sehen ist eine fröhliche Familie, die es sich im Garten an einem sonnigen Tag gemütlich macht. „Unglaublich, die Aufnahmen sind 80 Jahre alt. Das ist etwas ganz Besonderes“, ist sich der langjährige Stadthistoriker schon nach wenigen Minuten sicher. Insgesamt 204 Minuten bewegte Bilder aus den 1930er und 1940er Jahren, die der jüdische Kaufmann Carl Wolff, der sein Geschäft auf dem Areal der früheren Konditorei Scholz mitten in Parchim hatte, mit einer 16-Millimeter-Filmkamera aufgenommen hat, lassen Geschichte lebendig werden. „Es ist der Fund des Jahrzehnts“, meint Wolfgang Kaelcke, der der Parchimer Zeitung in dieser Woche einen ersten exklusiven Einblick in diesen Schatz gewährte.

Als Konditormeister Lothar Scholz an einem Januarmorgen   vor zwei Jahren einen Pappkarton voller Metallschachteln und einem nostalgischen Filmapparat ins Museum brachte, war Wolfgang Kaelcke schnell klar, dass es sich um eine Sensation handeln könnte. Auf den ersten Blick waren die Zelluloidfilme gut erhalten. Eine Riesenüberraschung war der Zufallsfund vor allem für Hartwig Tschirschwitz, einem Verwandten der Familie Wolff, der jahrelang vergeblich   nach Überlieferungen gesucht hatte.   „Nun wollten wir natürlich sehen, was Carl Wolff aufgenommen hat. Aber das musste professionell angegangen werden“, gibt Kaelcke zu bedenken. Die Gefahr, dass die Filmstreifen beschädigt werden, war groß. Hartwig Tschirschwitz, für den es keine Frage war, dass das private Material der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte, nahm Kontakt zum Filmbüro in Wismar auf. Die Stadt Parchim stellte Geld in den Haushalt ein, um eine Digitalisierung zu ermöglichen. Eine Berliner Spezialfirma übernahm den Auftrag. Herausgekommen ist eine Masterkopie sowie zwei DVD, die Hartwig Tschirchwitz vor wenigen Tagen persönlich an Wolfgang Kaelcke übergab.

„Die eigentliche Arbeit beginnt nun. Jede Filmszene wirft neue Fragen auf“, meint der Historiker. Zu sehen sind u.a. das Familien- und Alltagsleben, Stadtansichten, Aufmärsche der 33er Gilde, Szenen aus dem Wassersportverein und ein Wettkampf auf dem Jahnsportplatz.

„Für das Geschichtsbild Parchims ist es ein unvergleichbarer Zuwachs. Ziel ist es, dass wir die sehr gut erhaltenen Aufnahmen vielen zugänglich machen. Aber das wird noch etwas dauern“, so Kaelcke.   

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