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Parchimer Zeitung

23. November 2017 | 19:52 Uhr

Parchim : Senioren vermissen den Stadtbus

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Am Wochenende pendeln keine Busse zwischen Weststadt und Zentrum. Ältere Parchimer schildern Unzufriedenheit mit der Situation.

von
erstellt am 02.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Schwierige Situation für Menschen in Parchim, die nicht mobil sind, aber trotzdem etwas vom Leben in der Kreisstadt mitbekommen wollen: Am Wochenende, wenn es viele Veranstaltungen gibt, fährt seit 2013 kein Stadtbus mehr.

Aktuelles Beispiel: Am morgigen Sonnabend ist Gesundheitsmarkt in der Kreisverwaltung in der Putlitzer Straße. Eine Parchimerin schreibt: „Ich habe eine gehbehinderte Schwester und meine Mutter ist 79 Jahre alt. Beiden ist es auch in diesem Jahr nicht möglich, zum Gesundheitsmarkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gelangen. Es fahren ja die Stadtbusse nicht mehr am Wochenende. Ebenso ist der Friedhofsbesuch an den Wochenenden nur möglich mit Taxi oder wenn andere Familienmitglieder den Fahrdienst übernehmen. Das gelingt leider nicht immer.“

Ihre Mutter und eine Bekannte treffen wir in der Weststadt. Beide erzählen, dass sie sehr zufrieden mit ihrer Wohnung und der Gegend sind, in der sie leben. Doch wegen des mangelnden Busverkehrs am Sonnabend und Sonntag seien sie nicht mobil. Wenn es Veranstaltungen am Wochenende gibt sei für die Weststädter ohne eigenes Auto kein Hin- und Zurückkommen. Dabei wohnen gerade in ihrer Nachbarschaft viele Ältere. Eine Erleichterung wäre es, wenn am Sonntag wenigstens ein Bus Richtung Friedhof und zwei Stunden später wieder zurück führe, meint eine Parchimerin. Und schließlich wünscht sie sich, dass der Bus, der am Martinimarktwochenende zwischen Bahnhof und Festgelände pendelt, einen Abstecher durch die Weststadt macht.

Den Gedanken, den SVZ-Leser in vergangenen Jahren immer wieder geäußert haben, hat die Stadt aufgegriffen. Die Einbindung der Weststadt in den Shuttle-Zubringer Martini-Markt sei schon 2015 erfolgt, sagt Parchims Bürgermeister Dirk Flörke. „Hier sind die Wünsche der Bürger berücksichtigt worden.“ Das soll auch 2016 so erfolgen.

Flörke erinnerte daran, dass der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) eine Aufgabe des Landkreises sei, der dies mit der kreiseigenen Gesellschaft erfüllt. Dass der Stadtbus nicht mehr am Wochenende fährt, sei seinem Kenntnisstand dem fehlenden Bedarf geschuldet. Das sei in Einzelfällen für eine Bürgerin oder einen Bürger misslich. Dass eine anderweitige Organisation des Transports sich schwierig gestaltet, sei ihm durchaus bewusst. „Letztlich wäre es eine Aufgabe der kreiseigenen Verkehrsgesellschaft, den Bedarf für das Bedienen der Stadtlinien am Wochenende zu erfassen. Ob die Verkehrsgesellschaft anhand dessen zu anderen Entscheidungen bezüglich der Stadtbuslinie am Wochenende kommt, vermag ich nicht einzuschätzen“, so Flörke. Er werde die Problematik an den Geschäftsführer herantragen.

SVZ fragte nach bei Stefan Lösel, seit einem Jahr Geschäftsführer des Verkehrsbetriebes VLP. Er hat offenbar Lösungsvorschläge – wenn auch nicht schon zum Gesundheitsmarkt an diesem Wochenende.

Generell ist der Stadtbus am Wochenende Geschichte. Die Stadt Parchim hatte bis vor ein paar Jahren noch einen hohen finanziellen Zuschuss gezahlt und diesen dann gestrichen. Darauf wurde der Busfahrplan ausgedünnt. Am Wochenende war der Bedarf sehr klein.

„In den vergangenen Jahren gab es ganz vereinzelt Nachfragen“, so Lösel. VLP hat einen öffentlichen Dienstleistungsauftrag mit dem Landkreis für die nächsten zehn Jahre. Da hängen alle Fahrpläne dran. Und auch hier ist kein Stadtbus mehr am Wochenende dabei.Dennoch sieht Lösel Chancen. Zum Ende diesen Jahres soll bekanntlich ein Anrufbussystem im ländlichen Raum eingeführt werden. Noch sei nicht vorgesehen, dass der Rufbus auch innerhalb von Parchim eingesetzt wird. Aber Lösel könnte sich das vorstellen.

Und er hält es auch für möglich, dass der VLP einen Sonderfahrplan für bestimmte Tage aufstellt, wenn es Veranstaltungen in Parchim gibt. Nur setzt das voraus, dass sich der jeweilige Veranstalter an den Busbetrieb wendet. Der Busbetriebschef sagt: „Wenn Fahrgäste da sind, die Fahrscheine kaufen, dann wollen wir dem Beförderungsbedürfnis gerne nachkommen.“


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