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Ministerpräsident besucht Parchimer Schuhmanufaktur : Sellering hinterlässt Fußabdruck

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Mit prominenten Kunden hat Schuhmachermeister Kay Gundlack fast täglich zu tun. Die meisten kommen aus der internationalen Showbranche. Doch gestern zog es den Ministerpräsidenten unseres Landes nach Parchim.

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erstellt am 24.Jul.2013 | 04:06 Uhr

Parchim | Mit prominenten Kunden hat Schuhmachermeister Kay Gundlack fast täglich zu tun. Die meisten kommen aus der internationalen Showbranche. "Politiker interessieren sich eher selten für meine Schuhe. Da bin ich schon gespannt, was den Ministerpräsidenten unseres Landes nach Parchim zieht", sagt der junge Meister und räumt ein, dass er durchaus ein wenig aufgeregt ist. Als Erwin Sellering (SPD) dann das Geschäft am Neuen Markt in Parchim betritt, gibt es keine Berührungsängste. "Ich bin sicher ein Paradiesvogel in der Provinz. Die Guten haben die Region ohnehin schon verlassen", meint Kay Gundlack, der aus Goldberg stammt. Erwin Sellering kontert: "Die Besten bleiben hier". Das Kompliment lässt der junge Meister nicht unkommentiert stehen: "Das stimmt leider nur bedingt. Wenn die Stadt stirbt, stellt sich die Frage, was soll man hier machen?" In Parchim hat es früher 118 Schuhmacher gegeben. Schließlich hat Parchim nicht umsonst den Beinamen "Stadt der Tuch- und Schuhmacher" getragen. Umso bemerkenswerter sei es aus Sicht des Ministerpräsidenten, dass es in dieser Stadt einen Handwerksbetrieb gibt, der nicht nur in ganz Deutschland, sondern in der weiten Welt Kunden hat. Seit 2006 hat sich Kay Gundlack die Markenrechte für seine Schuhe gesichert. Neben der offiziellen Urkunde ist in einer Bildergalerie zu sehen, für wen der junge Mann seit acht Jahren arbeitet. Da gibt es sehr persönliche Fotos mit Entertainer Thomas Gottschalk, Stardesigner Prof. Luigi Colani, Stargeiger Davin Garrett und einigen anderen.

Erwin Sellering will es ganz genau wissen: "Was macht Ihre Schuhe so besonders?" Schließlich habe Fußballtrainer Jupp einmal gesagt, dass erfolgreiche Männer alte Schuhe tragen sollten.

Kay Gundlack lüftet sein Geheimnis: Jeder Kunde bekommt bei ihm einen individuellen Schuh, der die Besonderheiten der Füße, den Geschmack und auch die Abweichungen vom Idealfuß berücksichtigt. Als er Erwin Sellering anbietet, mit ihm die ersten Schritte auf dem Weg zum optimalen Sellering-Schuh zu gehen, willigt der ohne Zögern ein. Im "Fußumdrehen" hat er seinen rechten Schuh ausgezogen, um in einer speziellen Modelliermasse seinen Fußabdruck zu hinterlassen. "Das sieht ganz gut aus, leichter Spreizfuß", sagt der Meister und sein prominenter Kunde trägt es mit Humor. Später ergibt die Messung, dass der Ministerpräsident mit Schuhgröße 43 im Land unterwegs ist. Der Abdruck wäre die Voraussetzung für die Anfertigung der passenden Leisten. Im Lager von Kay Gundlack sind dutzende Leisten von den Füßen seiner Kunden archiviert. Nach der Fertigung der ersten Schuhe könnten daraus später weitere Paare ohne großen Aufwand hergestellt werden. Zur Schuhberatung gehört bei Kay Gundlack - der längst zum exklusiven Kreis von "German Manufacturers" gehört - selbstverständlich auch die Stilberatung. Da bekommt es Erwin Sellering aus erster Fachhand: Die passende Farbe für den Schuh des Politikers ist und bleibt schwarz. Im Lager der Manufaktur kann sich der Gast aber davon überzeugen, dass der Lederstruktur, -herkunft und -farbe keine Grenzen gesetzt werden. Gut zu hören, denn Erwin Sellering interessiert sich auch sehr für den Trend bei Damenschuhen.

"Das Handwerk spielt im Land eine unverzichtbare Rolle", stellt Erwin Sellering nach dem Kurzbesuch in Parchim klar. In Mecklenburg-Vorpommern sind rund 20 000 Handwerksbetriebe mit rund 100 000 Arbeitsplätzen aktiv. Kay Gundlack hat sich ohne Fördermittel einen Spitzenplatz im Nischenhandwerk erarbeitet. Er denkt inzwischen darüber nach, in Berlin eine Filiale zu eröffnen. Ab Januar 2014 werden seine Schuhe auch in Dubai präsent sein. Das hört der Ministerpräsident gerne und zollt dem jungen Mann Anerkennung.

Ein Wiedersehen in Parchim scheint wahrscheinlich. "Ich werde mein Konto prüfen und mir dann vielleicht auch einen Schuh aus der Manufaktur zulegen", sagt Erwin Sellering und fährt davon.

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