Parchim : Selbst Bienen sollen am Wall schwärmen

Die Wallanlagen sollen auch künftig für  Parchimer  und Gäste der Kreisstadt ein liebenswertes Kleinod bleiben.
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Die Wallanlagen sollen auch künftig für  Parchimer  und Gäste der Kreisstadt ein liebenswertes Kleinod bleiben.

Auftrag für zweite Etappe der Wallanlagen-Sanierung wird vergeben. Zunächst wird Boden getauscht. Insektenfreundliche Bäume und Sträucher eingeplant.

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17. Februar 2018, 05:00 Uhr

Als Karola Kimmen vom Fachbereich Grünanlagen der Stadt vor gut zwei Jahren in der Parchimer Zeitung die ehrgeizigen Visionen für die denkmalgerechte Sanierung der Wallanlagen vorstellte, kam sie zugleich ins Schwärmen: „Die Wallanlagen sind ein Schatz der Natur, der unbedingt erhalten bleiben muss“. Der Reiz der rund fünf Hektar große Parkanlage am Rande der Parchimer Altstadt hatte sich bekanntermaßen bereits im 19. Jahrhundert über die Stadtgrenzen hinaus bis zum Großherzog nach Schwerin herumgesprochen.

Inzwischen sind aus den Visionen detailreiche Pläne geworden, die seit wenigen Wochen in die Tat umgesetzt werden. „Schwärmen sollen künftig nicht nur die Parchimer und Gäste der Kreisstadt, sondern sogar im wahrsten Sinne des Wortes die wertvollen Bienen“, macht Fachbereichsleiter Frank Schmidt gegenüber SVZ deutlich. Auch dieses Detail spielt im Entwurf des von der Stadt beauftragten Landschaftsplanungsbüros von Dipl.- Ing. Sabine Webersinke aus Rostock eine Rolle. „Wir lassen im Herbst rund 100 Buchen, Eichen, Roßkastanien, Lärchen, Ulmen, Robinien und vor allem Linden neu anpflanzen, die auch Bienen eine hervorragende Nahrungsgrundlage bieten werden. Hinzu kommen etwa 9500 Bodendecker, Spiersträucher, Pfeien- und Blasensträucher, Heckenkirschen, Johannisbeeren sowie Flieder“, zählt Frank Schmidt die Artenvielfalt auf. Das sei auch ein vernünftiger Ausgleich für die inzwischen abgeschlossenen Fällungen von kranken, pilzbefallenen und der denkmalpflegerischen Absicht im Wege stehenden Bäume.

Die denkmalgerechte Sanierung der Wallanlagen ist eins der wichtigsten Projekte im Grünbereich der Kreisstadt. Grafik: Planungsbüro Webersinke/Rostock
Die denkmalgerechte Sanierung der Wallanlagen ist eins der wichtigsten Projekte im Grünbereich der Kreisstadt. Grafik: Planungsbüro Webersinke/Rostock
 

Die rund fünf Hektar großen Wallanlagen zwischen Alter Mauerstraße, Wallallee, John-Brinckman-Straße und Moltkeplatz stehen seit 1930 unter Denkmalschutz. Vor fünf Jahren wurde eine denkmalpflegerische Zielstellung für diesen Teil der Grünen Lunge Parchims erarbeitet. Im Januar 2016 haben die Stadtvertreter die Sanierung der Wallanlagen als wichtigstes Projekt auf die Prioritätenliste zur „Förderung der integrierten nachhaltigen Stadtentwicklung“ gesetzt.

Dabei war zu berücksichtigen, dass die Wallanlagen zunächst eine Wehranlage waren, die erst um 1860 nach Plänen des Großherzoglichen Gartenbaudirektors Theodor Kletts in einen Park, wie wir ihn heute kennen, umgestaltet und unter Friedrich Stegemann (seit 1879 bis zu seinem Tod im Jahre 1904 Erster Bürgermeister) trockengelegt wurde. Verbrieft ist auch, dass vor mehr als hundert Jahren hier ausgelichtet wurde. Gärtner E. Bohm hat 1894 beklagt: „Die Bäume und Sträucher sind inzwischen viel zu dicht aufgewachsen und eine gründliche Durchforstung tut dringend Not. Die Anlage hat ein wildes und ungepflegtes Äußeres angenommen“. Hofgartendirektor Kähler aus Schwerin hat nach einem Ortstermin im Oktober 1902 empfohlen, dass bei Gruppenanpflanzungen in Zukunft die Bäume derartig „weitständig zu arrangieren sind, dass die selben sich nicht durch Ausbreiten der Zweige gegenseitig den Raum zur Entwicklung streitig machen“.

Im Zuge der nunmehr begonnenen rund 1,2 Millionen Euro teuren Sanierung– 813000 Euro kommen aus Fördertöpfen der EU– werden die historischen Raumstrukturen, die verloren gegangenen bzw. durch Wildwuchs zugewachsenen Blick- und Sichtachsen wieder herausgearbeitet. Insbesondere die Wege sind in keinem guten Zustand. Sie werden neu hergerichtet und als Rundweg für Besucher wieder erlebbar. Am Standort eines früheren Pavillons wird ein markanter Aufenthaltsbereich u.a. mit Info-Tafeln zur Stadtgeschichte eingerichtet. „Von hier aus wird man einen fantastischen und bis dahin wieder freigestellten Blick in die räumliche Tiefe der Anlage genießen können“, versprechen die Planer im Konzept. Auch das Dragonerdenkmal am Rande der Wallanlagen wird in den kommenden Monaten aufgefrischt und saniert. Die kleinen Parkbesucher dürfen sich auf einen neu gestalteten Spielplatz vis-a-vis der Feuerwehr freuen.

Am 6. Februar hat die Auswahl der sich an einer Ausschreibung beteiligten Firmen begonnen. „Nachdem acht Landschaftsunternehmen zunächst die Unterlagen angefordert hatten, lagen uns fristgemäß drei Angebote von Firmen aus der Region vor. Der Hauptausschuss wird am 5. März darüber endgültig entscheiden, wer den Zuschlag bekommt“, so Frank Schmidt. Nach der Bauanlaufberatung am 20. März könnten die Bagger anrollen. Der Park wird dann für Monate komplett gesperrt sein. Zunächst werden rund 70 Kubikmeter mit Pilzen belasteter Boden gegenüber der Sparkasse auf rund 300 Quadratmetern ausgetauscht.

In der Verwaltung ist angedacht, während der Bauphase Führungen für interessierte Bürger anzubieten. „Am Bauzaun wird es für jedermann einen großformatigen Bauplan geben“, verspricht Frank Schmidt und fügt hinzu: „Karola Kimmen betreut das Projekt und kann unter Telefon 038 71/71 544 konsultiert werden“.

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