Parchim : Schuster Hacker setzt sich zur Ruhe

Seit mindestens 50 Jahren lässt Hannelore Klockow aus Raduhn ihre Schuhe von Schuhmachermeister Horst Hacker reparieren.
Seit mindestens 50 Jahren lässt Hannelore Klockow aus Raduhn ihre Schuhe von Schuhmachermeister Horst Hacker reparieren.

Handwerksmeister aus Parchim war fast 69 Jahre im Metier tätig. Am 28. Februar schließt er seine Werkstatt in der Bauhofstraße

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21. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Kunden können es kaum glauben: Schuster Hacker schließt am letzten Februartag seine Werkstatt in der Bauhofstraße von Parchim und verabschiedet sich in den Ruhestand. In den wohlverdienten! Der Handwerksmeister geht mit großen Schritten auf seinen 84. Geburtstag im September zu. Fast 69 Lebensjahre – inklusive Lehrzeit – sorgte er tagaus tagein dafür, dass seine Kunden gut beschuht durchs Leben schreiten konnten.

Wie viele Stiefel, Pumps, Sandalen, Arbeitsschuhe und andere „Treter“ im Laufe seines Arbeitslebens wohl durch seine Hände gegangen sein müssen, darüber kann man wirklich nur spekulieren. Seit Anfang der 1990er Jahre nahm sogar das Landestheater seine Dienste in Anspruch: Zahlreiche Schuhe aus dem Fundus der Parchimer Spielstätte wurden von ihm wieder bühnenfein gemacht. Auch die Stadtwerke setzen auf das Geschick von Meister Hacker: Nach der Eisbahn-Saison auf dem (Schlitt)Schuhmarkt landete alle Jahre wieder so mancher Schlittschuh zur Reparatur in seiner Werkstatt.

„Das war mein Beruf“, sagt Horst Hacker schlicht. Eigentlich möchte er gar kein großes Aufsehen um seine Person machen. Die Kunden wissen seine Arbeit zu schätzen – bis heute. „Ich hatte nie einen anderen Schuster“, bekräftigt Hannelore Klockow aus Raduhn. Seit mindestens 50 Jahren lässt sie jede Schuhreparatur von Horst Hacker ausführen.

Obwohl der Meister seit einer guten Woche (eigentlich) schon gar keine Schuhe mehr annimmt, hat er bis zu seinem letzten Arbeitstag noch ordentlich zu tun. Auch die Arbeitsschuhe von Ulf Dethloff werden natürlich pünktlich bis zum 28. Februar fertig sein. Der Domsühler ist seit mehreren Jahren Stammkunde in der kleinen Werkstatt. Er schätzt die solide Arbeit von Horst Hacker zu einem annehmbaren Preis und „dass auch immer mal ein Schnack drin ist.“ Für Kunden, die es nicht ganz so eilig haben und ein Schwätzchen über Gott und die Welt halten wollen, steht in der Werkstatt stets ein Schemel parat. So war der Meister – der im Laufe seines ganzen Arbeitslebens nur ein einziges Mal einen Mitarbeiter hatte – zwar Einzelkämpfer in der Werkstatt, aber an Gesellschaft mangelte es ihm nie. Horst Hacker erlernte von 1949 bis 1952 das Handwerk von seinem Vater Richard Hacker. Dieser stammte aus Schwaan und machte sich 1928 mit einem eigenen Betrieb in Parchim selbstständig. In der heutigen Werkstatt befand sich ganz früher das Schlafzimmer der Eltern.

Als dann so um 1940/41 oben im Haus eine Wohnung frei wurde, bekam Horst Hacker in dem Raum ein kleines eigenes Reich für sich. Hineingeboren in eine Schuhmacherfamilie, ergab es sich wie von selbst, dass er eines Tages in die Fußstapfen des Vaters tritt und den Betrieb in zweiter Generation weiterführt. Die Meisterurkunde von Horst Hacker trägt das Datum vom 28. August 1963. Als der Vater 1973 starb, wurde Horst Hacker Alleininhaber der Werkstatt. Kurz nach der Wende investierte er noch einmal in neues elektrisches Gerät. Die Ausputzmaschine hat das Baujahr 1991. Hammer, Kneifzange, Schere und sein Gefühl fürs Handwerk leisteten Schuster Hacker über Jahrzehnte hinweg treue Dienste. Nur das Schwedenmesser hat er ein paar mal erneuert.

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