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Parchimer Umland : Schuldenberge auf dem Land wachsen

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Redakteurin Simone Herbst sprach mit Wolfgang Hinz, dem Leitenden Verwaltungsbeamten des Amtes Parchimer Umland, darüber, was im Jahr 2012 in den zwölf Gemeinden des Amtes erreicht wurde, wo es Probleme gab.

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erstellt am 30.Dez.2012 | 05:01 Uhr

Parchim | Ein ereignisreiches Jahr geht heute zu Ende. Redakteurin Simone Herbst sprach mit Wolfgang Hinz, dem Leitenden Verwaltungsbeamten des Amtes Parchimer Umland, darüber, was in den zwölf Monaten in den zwölf Gemeinden des Amtes erreicht wurde, wo es Probleme gab.

Herr Hinz, wenn Sie das Jahr 2012 Revue passieren lassen, was ist dann Ihr Eindruck?

Wolfgang Hinz: Wir hatten Erfolge, weil wir für diese Erfolge alle hart gearbeitet haben. Wir können mit Zuversicht in das neue Jahr blicken, wenn wir uns mit unseren persönlichen Erwartungen aber auch mit unseren auf die Gemeinschaft gerichteten Ansprüchen auf neue Situationen einstellen.

Wenn Sie von Erwartungen sprechen und von Ansprüchen, dann denken Sie ganz sicher auch an Investitionen. Da hat es ja doch einige gegeben!

Hinz: Das ist richtig. In der Gemeinde Damm, Ortsteil Malchow, konnte der Forstweg zum Jägerlehrhof ausgebaut werden für Gesamtkosten von 267 303 Euro. In der Gemeinde Lewitzrand ist der Ortsteil Klinken komplett ausgebaut worden, mit Abwasser, Beleuchtung, Deckenerneuerung, Regenentwässerung. Auch konnte hier der Gemeinde verbindende Radweg von Garwitz bis nach Tramm realisiert werden. In der Grund Schule Matzlow haben wir das Grüne Klassenzimmer geschaffen, der Forsthof in Rusch wurde saniert . In Grebbin, Ortsteil der Gemeinde Obere Warnow, ist die Gehwegbeleuchtung ohne Fördermittel erneuert und auf LED umgerüstet worden. Und das sind nur einige Beispiele. Insgesamt muss man aber sagen, dass die Investitionen in unseren Gemeinden weniger geworden sind.

Gibt es schon spruchreife Planungen für das kommende Jahr?

Hinz: Ja, zum Beispiel hoffen wir, 2013 endlich die dringend notwendige Sanierung der Grundschule in Groß Godems angehen zu können. Wir haben Fördermittel beantragt, und die Aussichten, dass wir finanzielle Unterstützung für die Gesamtmaßnahme erhalten, die voraussichtlich bei 726 257 Euro liegen wird, sind gut. Die Gemeinde Obere Warnow hofft darauf, dass der Verbindungsweg zwischen Kossebade und Woeten ausgebaut werden kann. Die Gesamtsumme liegt hier bei 1 078 198,55 Euro. Der Fördermittelantrag wird momentan im Amt vorbereitet. Zudem haben wir Kofinanzierungen für Maßnahmen des Wasser- und Bodenverbandes Untere Elde beantragt. Der Verband plant in Rom eine Teilent rohrung und in Spornitz die Gestaltung des Mühlengrabens als Hochwasserschutzmaßnahmen. Für Rom sind 50 Prozent bewilligt, es ist der erste Antrag, der durchgegangen ist.

Im Amtsbereich sind derzeit 22 Feuerwehren und die Löschgruppe von Ziegendorf aktiv. Sie sind ehrenamtlich tätig, was Sie schon bei vielen Gelegenheiten würdigten. Auf der anderen Seite stehen die Kosten.

Hinz: Das ist richtig. Die Gesamtkosten, also das Geld für Einsatzkleidung, Ausrüstung, Lohnfortzahlung, Verpflegung, Kraftstoffe etc. betrug 2012 immerhin 33 198,17 Euro. Gut die Hälfte lief durch den Einsatz der Spornitzer Wehr bei den Löscharbeiten am Kohlenanzünderwerk in Parchim auf. Der Grund: Die Kleidung der Kameraden war durch das Paraffin völlig untauglich geworden und musste ersetzt werden. Was für Spornitz natürlich hart ist. Es gibt Überlegungen, mit dem nächsten Amtshaushalt, also wahrscheinlich 2014, einen sogenannten Feuerwehrfond einzurichten. Alle Gemeinden sollen daran entsprechend ihrer Größe und ihren Möglichkeiten als Solidargemeinschaft beteiligt werden.

Herr Hinz, die zentrale Frage für die Ämter und die Gemeinden ist seit gut drei Jahren die nach der finanziellen Situation. Wie sieht es da in Ihrem Beritt aus?

Hinz: Für das Jahr 2012 wurden inzwischen alle Haushaltspläne beschlossen und liegen bei der Rechtsaufsicht vor. Davon wurden für vier Gemeinden und für das Amt Doppelhaushalte 2012/13 aufgestellt. Für alle Gemeinden unseres Amtsbereiches wurden Haushaltssicherungskonzepte beschlossen und bei der Rechtsaufsicht eingereicht. Sorge bereitet die Entwicklung der Liquidität in unseren Gemeinden. Es zeichnet sich eine Entwicklung ab, die den jährlichen Schuldenberg der Gemeinden stetig anwachsen lässt. Da sämtliche Sparmaßnahmen bereits ergriffen wurden, kann hier nur eine gerechtere Verteilung seitens der Landesregierung Abhilfe schaffen.

Wenn immer weniger Geld zur Verfügung steht, wie ist da noch die Finanzierung von Kinder- und Jugendarbeit in den Dörfern möglich?

Hinz: 2012 haben wir für die Jugendarbeit 36421,35 Euro Fördermittel erhalten. Diese Gelder flossen in Kinderfeste, Arbeitsgemeinschaften, Projekte, unsere Jugendfeuerwehren, Zeltlager, Ausflüge und vieles mehr.

Kling gut.

Hinz: Nun ja, wir können zufrieden sein.

Herr Hinz, Sie haben mitunter bemerkt, dass Fundtiere den Amtshaushalt immer mehr belasten. Wie war die Lage 2012?

Hinz: Bis zum 22. November haben wir insgesamt 19 Fundtiere aufgenommen, wobei ich sagen muss, dass nur noch ein Tier in der Pension in Holthusen - mit der wir inzwischen sehr gut zusammenarbeiten - untergebracht ist. Und 19 klingt erstmal nicht viel, aber die Kosten sind in der Tat immens. Im Haushalt schlagen sie mit 5458,62 Euro zu Buche.

Oft wird gesagt, die ländliche Regionen blutet wirtschaftlich aus. Trifft das auch für Ihr Amt zu?

Hinz: Noch können wir zufrieden sein, denn An- und Abmeldungen halten sich mit 35 bzw. 39 nahezu die Waage. Derzeit haben wir im Amtsbereich 603 aktive Unternehmen. Mit 125 liegt Spornitz naturgemäß an der Spitze, gefolgt von der Gemeinde Lewitzrand mit 96 und Domsühl mit 71. Nicht mitgezählt sind in dieser Statistik Selbstständige wie Ärzte, Rechtsanwälte oder landwirtschaftliche Unternehmen.

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