Parchim - Schwerin : Schubst der Bus die Bahn vom Gleis?

Die ODEG-Züge rollen schnell zwischen Parchim und Rehna über Schwerin.
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Die ODEG-Züge rollen schnell zwischen Parchim und Rehna über Schwerin.

Bürgerinitiative Pro Schiene kritisiert „Buslobby“ und prophezeit Ende der Bahnstrecke nach Schwerin. Der Verkehrsminister dementiert.

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16. März 2016, 05:00 Uhr

Die Menschen im Landkreis diskutieren über das Rufbus-Konzept, das in naher Zukunft jeden Bürger an eine Bushaltestelle bringen soll (wir berichteten). Jetzt meldet sich die Bürgerinitiative Pro Schiene und sieht den Bus als „Totengräber“ der Bahn. Weil Bus und Bahn nebeneinander von Parchim nach Schwerin fahren, könne das das Aus für die Bahn besiegeln. Das Verkehrsministerium in Schwerin dementiert, Stefan Lösel, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim VLP betont das unterschiedliche Angebot von Bahn und Bus.

Grundsätzlich befürwortet Clemens Russell, Sprecher der Bürgerinitiative, die Rufbus-Idee: „Grundverkehr im Zwei-Stunden-Takt, 80 Euro für ein monatliches Verbundticket für alle ÖPNV Fahrten im Landkreis, sind gute Ideen.“ Aber Russell warnt: „Wer die Karte genau studiert, erkennt Parallelangebote von Bahn und Bus auf den Bahnstrecken von Parchim nach Schwerin und von Parchim nach Hagenow.“ Das sei auch vor dem Aus der Südbahn so gewesen. Die Kritik der BI: „Hier läuft sich die Buslobby warm. Es werden Bahnstreckenstilllegungen abgewartet, um sich dann aus dem Topf der Regionalisierungsmittel von Verkehrs-Minister Christian Pegel gesund zu sanieren.“ . Die BI fordert Zusammenarbeit zwischen Bus und Bahn und keine Konkurrenz: „Vernetzte Kooperation bleibt ein Fremdwort in Schwerin und bei unseren Verkehrsplanern auf der Kreisebene.“

Der Chef des kreiseigenen Busbetriebs will sich nicht in die politische Diskussion einmischen, verweist aber auf Nachfrage unserer Redaktion auf die völlig unterschiedlichen Profile des Schienenverkehrs und der Buslinien: „Die Buslinie 706 verläuft nicht entlang der Bahn, sondern bedient zwischen Parchim und Schwerin abgesehen von Crivitz andere Ortschaften. Die Bahn fährt von Parchim nach Schwerin in 47 Minuten, der VLP-Bus braucht bis zu 120 Minuten. Es handelt sich schlicht nicht um einen Parallelverkehr, weil der Bus die Fläche erschließt und die Bahn den schnellen Verkehr zwischen den Zentren durchführt.“ VLP setze sich massiv für eine Integration aller öffentlichen Verkehrsmittel in verkehrlicher wie auch tariflicher Hinsicht ein.

Im Schweriner Verkehrsministerium denkt man offenbar derzeit nicht daran, die Bahnverbindung von Parchim nach Schwerin abzubestellen. Der Entwurf des Integrierten Landesverkehrsplans hält sogar daran fest, die Bahnverbindung bis Ende 2019 schneller zu machen, sodass die Züge auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen können. Allerdings sinken auch hier die Fahrgastzahlen um mehr als 15 Prozent. Im Schnitt fahren aber mehr als 400 Personen mit dem Zug von Parchim nach Crivitz, von dort nach Schwerin sogar rund 700 pro Tag.

Die Zukunft, in der Bahn und Bus Platz haben, ist im Landesverkehrsplan mit einem Vier-Stufen-Modell vorgezeichnet. Ein Hauptnetz aus Schnellverbindungen wird von vertakteten Busverbindungen ergänzt. Dazu kommen flexible Bedienformen wie Rufbus und Sammeltaxi in dünn besiedelten Räumen. Darunter könnten Bürgerbusse schwächere Regionen mobil machen.

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