Domsühl : Schonungslose Lebensbeichte

Beeindruckt von der Offenheit ihres Gesprächspartners: Neuntklässler lauschen Frank Plamp.
Beeindruckt von der Offenheit ihres Gesprächspartners: Neuntklässler lauschen Frank Plamp.

Frank Plamp berichtete Neuntklässlern, wie er von Gewalt und Alkohol wegkam

svz.de von
12. Mai 2018, 16:00 Uhr

Seine Freiheit genießt Frank Plamp seit neun Jahren in vollen Zügen. Seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis hat er eine feste Freundin, „auf die ich mich jeden Tag neu freue“. In Ribnitz-Damgarten betreibt der ehemalige Knastbruder ein Tattoo-Studio. „Das Tätowieren habe ich mir selbst beigebracht, nachdem ich entdeckte, dass ich gut zeichnen kann.“ 20 seiner mittlerweile 50 Lebensjahre saß er hinter Gittern, wegen Einbruchs, Diebstahls, Körperverletzung. „Ich war ein harter Knochen.“ Jetzt berichtete er Schülern der Klasse 9 a der Domsühler Eldetal-Schule von seinem wechselhaften Leben und wie er den Absprung aus der Spirale Alkoholmissbrauch und Gewalt schaffte.

Als Sohn eines SED-Funktionärs und Offiziers der Volksarmee brauchte er für die Schule nichts machen und wurde trotzdem immer versetzt. Mit elf Jahren brach er erstmals in Keller ein, um Alkohol für sich und seine Freunde zu beschaffen. „Ich wollte ein Guter sein in einer Gruppe von Idioten“, sagte Plamp. „Derartige Schönwetterfreunde aber braucht kein Mensch.“ Als Sitzenbleiber und notorischer Schulschwänzer brachte er es nicht weit. Erst im Alter von 28 Jahren habe er im Gefängnis Lesen und Schreiben gelernt. Da war er längst zum Koma-Säufer geworden, vernachlässigte sich, ließ sich gehen, verwahrloste. „Ich habe für mein Leben damals keinerlei Verantwortung übernommen.“ Anerkennung habe er, so Plamp, als Knastgröße genossen, die sich als hasserfüllt und gewaltbereit präsentierte. Als er eine Meuterei anzettelte, wurde er zu Einzelhaft verdonnert. „Man hätte mir viel früher die Beine weghauen sollen“, fordert er heute das Null-Toleranz-Prinzip. Als Plamp in der Gefängnisbücherei arbeitete, vollzog sich ein langsamer Wandel. Er lernte Lesen und Schreiben. „Ich wollte mich mit Bildung bereichern, um einen Weg aus meinem Dilemma zu finden.“ 17 000 Seiten Tagebuch schrieb er, lernte Zeichnen. Dann beschloss Plamp, keinen Alkohol mehr anzurühren. Mit seiner Abstinenz habe er sich an die Sonnenseite des Lebens herangearbeitet. Im offenen Strafvollzug habe er die Natur als erstrebsamen Kontrast zu seiner Betonwelt kennen gelernt. Nach seiner Entlassung habe er seinen Aktionsradius dadurch vergrößert, dass er seinen Führerschein machte und sich ein Auto zulegte. Sein Berufswunsch Sozialarbeiter wurde ihm wegen seiner Vorstrafen nicht erfüllt. Also schrieb er Gedichte, zeichnete, machte Ausstellungen und begann, Vorträge über Prävention zu halten.

Länger als eine Stunde lauschten ihm die Neuntklässler. Als die Schulsozialarbeiterin Marianne Grimm und die Klassenlehrerin Janine Schünemann sich diskret zurückgezogen hatten, prasselten im vertraulichen Gespräch noch viele Fragen auf Frank Plamp ein.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen