Drefahl : Schnupperkurs für Bio-Imker

Unter den Imkereineulingen sind mehr (künftige) Bienenmütter als Väter.
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Unter den Imkereineulingen sind mehr (künftige) Bienenmütter als Väter.

Eldeland Bioimkereiverein e.V. startet in Drefahl „BienenLandProjekt“. Zahl der Neuimker steigt leicht an. Finanzierung bleibt Problem

svz.de von
02. August 2016, 05:00 Uhr

Mit einem Schnupperkurs für seine neuen Mitglieder startete der Eldeland Bioimkereiverein e.V. sein „BienenLandProjekt“. Über 15 Teilnehmer, darunter drei syrische Jugendliche, kamen dazu an den Bienenstand von Wolfgang Pfeffer, zertifizierter Bioimker und Vorstand des Vereins mit Sitz in Drefahl. Vom Rähmchen-Bauen über das Gießen von Wachsmittelwänden bis zur Ermittlung des Varrao-Befalls bekamen die Imkereineulinge viele Handgriffe erklärt und konnten sie dann sogleich praktisch ausprobieren. Als besonders kniffelig erwies sich die Aufgabe, auf Fotos von bienenbesetzen Waben die nicht markierte Königin zu finden. „Auch für erfahrene Imker ist das nicht immer leicht“, tröstete Wolfgang Pfeffer die Teilnehmer.

Im Spätherbst soll dann die eigentliche Schulung der Neuimker beginnen, mit ausführlichem Theorie- und Praxisteil. „Anders als bei vielen Imkerkursen lassen wir die Anfänger mit den Bienen danach nicht allein“, erklärt Pfeffer. Ein laufendes Coaching soll die Neueinsteiger über die ersten Jahre begleiten und Fehler vermeiden helfen, die für die Bienen tödlich enden können. Außerdem werden im Projekt den Imkern alle Geräte zur Verfügung gestellt, die sonst teuer angeschafft werden müssen. Dazu gehört eine professionelle Honigschleuder genauso wie Geräte zur Wachsverarbeitung und zum Abfüllen des Honigs.

Vor allem aber will das BienenLandProjekt nicht nur Menschen für die Imkerei begeistern, sondern die Bienenprodukte auch vermarkten. „Heimischer Bienenhonig ist ein mit großer Sorgfalt hergestelltes Premiumprodukt, das höchsten kulinarischen Ansprüchen genügt“, betont Pfeffer. Er findet es traurig, wenn hiesige Imker sich gezwungen sehen, ihren Honig unter Wert zum gleichen Niedrigpreis wie minderwertigen Importhonig fragwürdiger Herkunft zu verschleudern. „Vier Fünftel des in Deutschland verbrauchten Honigs kommen aus dem Ausland“, erklärte Pfeffer. „Woher genau, muss nicht angegeben werden.“ So wisse in Deutschland kaum ein Verbraucher, dass China auf Platz drei der Lieferländer steht.

Wie für heimischen Honig in guter Qualität ein ordentlicher Preis zu erzielen ist, zeigt Wolfgang Pfeffer mit seiner eigenen kleinen Bio-Imkerei. Rund eine halbe Tonne Biohonig liefern ihm seine Völker im Jahr „und ich habe kein Problem, ihn auch zu verkaufen“. Nicht zuletzt der Verkauf über das Internet sei dabei für Imker fern von großstädtischen Märkten wichtig. Einen Teil seiner Honigernte erzeugt Pfeffer als Presshonig – eine unter Kennern begehrte Spezialität.

Ausgangsidee für das „BienenLandProjekt“ war laut Pfeffer nicht das Bienen-, sondern ein Imkersterben. Für Mecklenburg-Vorpommer zeigt eine vom Landwirtschaftsamt in Auftrag gegebene Studie zwar einen leichten Anstieg bei der Zahl der Neuimker. „Der wird aber den altersbedingten Ausstieg vieler Imker auf Dauer nicht ausgleichen können.“

Ein weiterer Grund dafür liegt laut Pfeffer darin, dass kleine Imkereien meist nicht rentabel arbeiten. „Dabei kann die Bienenhaltung nicht nur ein faszinierendes Hobby, sondern auch ein interessanter Nebenerwerb sein.“ Das setze aber voraus, dass man über die Region hinaus vermarkte, was einzelne Imker meist nicht schaffen. Auch die Biozertifizierung sei eine weitere gute Voraussetzung.

Die Zahl der Imker und Bienenvölker nimmt in Deutschland laut Pfeffer seit einigen Jahren wieder zu, vor allem in den Städten. Auf dem Land sehe es vielfach schlechter aus. „Genau dieses Dilemma hatten wir vor Augen, als wir das BienenLandProjekt ins Leben riefen“, betont Pfeffer. Ob nach dem Schnupperkurs die Zahl der Neuimker steigt, hänge von der Finanzierung ab. Derzeit läuft auf der Plattform „Startnext“ eine Spendenkampagne für das BienenLandProjekt. Wer sich für Honig und Bienen begeistert, ist eingeladen, das Projekt mitzufinanzieren. „Spender bekommen dafür Honig aus der ersten Ernte der neuen Bioimkereien“, verspricht Wolfgang Pfeffer. Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite www.bienenlandprojekt.de

 
 

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