Ärger vorprogrammiert : Schnelle Bahn sorgt für leere Kasse

Entlang der Strecke von Schwerin nach Parchim wird wie hier in Domsühl tüchtig gebaut. Fotos: Wolfried Pätzold
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Entlang der Strecke von Schwerin nach Parchim wird wie hier in Domsühl tüchtig gebaut. Fotos: Wolfried Pätzold

Die Gemeinde Domsühl ist mit der Kostenbeteiligung für Ausbau der Bahn überfordert. Insgesamt sind drei Bahnübergänge betroffen und Gespräche über ein Radwegeprojekt laufen.

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02. März 2015, 13:56 Uhr

Das trifft Bürgermeister Hans-Werner Beck keineswegs unvorbereitet. Doch ein Posten raubt ihm den Schlaf. „Wir sollen 144 000 Euro für Pläne der Bahn aufbringen. Damit sind wir total überfordert“, meint das Gemeindeoberhaupt. Schon vor mehr als zehn Jahren hat die Bahn den  Ausbau der   Strecke Schwerin-Parchim angekündigt.   Die Züge sollen  schneller  bis zu 100 km/h durchs Parchimer Land rollen. Dafür aber müssen die Bahnübergänge in vielen Orten beschrankt werden. Die Bahn hat in diesem Zusammenhang geprüft,  welcher Übergang für die Kommune wichtig bleibt und auf welchen verzichtet werden kann.  In Domsühl ist man gleich mehrfach betroffen. Die Übergänge in Zieslübbe, Severin und vis-a-vis dem Haltpunkt Domsühl werden aufgerüstet. Ein vierter Übergang beim Rotdornweg soll ersatzlos verschwinden. Die Umrüstung  auf Schranken kostet  pro Bahnübergang  mehrere hunderttausend Euro.    Bund, Bahn und  Kommune sind  mit je einem Drittel der Kosten beteiligt. Das schreibt  das Eisenbahngesetz ebenso so vor,  wie die Notwendigkeit, ab einer bestimmten Geschwindigkeit  beschrankte  Bahnübergänge einzurichten.

Vor zehn Jahren sollten die Domsühler noch mit rund 88 000 Euro zur Kasse gebeten werden. Inzwischen ist viel Zeit ins Land gegangen und die Bahn geht von Gesamtkosten für den Domsühler Bereich von 1,08 Millionen Euro aus. Wäre das nicht schon schlimm genug, hat das Land die in Aussicht gestellte Förderung, die dem Domsühler Anteil zugute gekommen wären,  von seinerzeit 90 Prozent auf 60 Prozent zurückgeschraubt. „Wo soll das Geld herkommen. Wir müssten wahrscheinlich einen Kredit aufnehmen, der uns über viele Jahre belasten wird“, ärgert sich Bürgermeister Hans-Werner Beck.

Kürzlich war er im Schweriner Ministerium, um doch noch ein Umlenken zu erreichen. „Dort hat man Verständnis gezeigt. Ich hoffe, die Messe ist noch nicht gesungen“, so der Domsühler.

Und es gibt weiteren Gesprächsbedarf.  Man habe vor Jahren nur einer  Schließung des Übergangs zum Domsühler Rotdornweg zugestimmt, weil die Bahn in einer anderen wichtigen Frage Entgegenkommen zugesagt habe. „Wir benötigen einen sicheren Radweg entlang der Bahnstrecke vom Domsühler Rotdornweg bis in den Ortsteil Zieslübbe. Davon spricht inzwischen aber niemand mehr. Auch in der Nachbargemeinde Zapel wartet man auf einen Radweg als Ersatz für geschlossene Übergänge vergebens. „Wir beharren auf dieser Zusage und werden Druck machen“, verspricht Hans-Werner Beck. Für übermorgen ist ein Gespräch mit der Bahn vereinbart. „Da müssen alle Fakten auf den Tisch. Ich vermisse von Seiten der Bahn Transparenz“, betont das Domsühler Gemeindeoberhaupt. In den Dörfern entlang der Strecke ist man skeptisch. „Am Ende können die Züge womöglich 100 km/h schnell fahren, aber die Strecke wird wie die Südbahn ganz geschlossen“, ist vielerorts zu hören. Den betroffenen Gemeinden bleiben aber auch dann die Schulden auf Jahrzehnte erhalten.

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