Sucht : Schnaps ist nicht die einzige Sorge

Die Flasche im Schreibtisch. Wie Vorgesetzte gegen Suchtprobleme ihre Mitarbeiter vorgehen können, soll bei einer Schulung in Parchim vermittelt werden.
Die Flasche im Schreibtisch. Wie Vorgesetzte gegen Suchtprobleme ihrer Mitarbeiter vorgehen können, soll bei einer Schulung in Parchim vermittelt werden.

Parchimer Suchtberater wollen Chefs von Firmen durch eine Schulung helfen, wie sie mit abhängigen Mitarbeitern umgehen

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06. August 2015, 13:56 Uhr

Mit tiefen Augenrändern kommt eine Kollege jeden Montagmorgen zur Arbeit. Es fällt auf, dass er seine Leistung nicht mehr so bringt wie früher. Das könnte ein Warnsignal sein, dass mit dem Mitarbeiter etwas nicht stimmt, erfährt SVZ von Jutta Scharf, Suchtberaterin in Parchim. Hat er möglicherweise Drogen genommen? Oder die ganze Nacht durchgezockt?

Machen der Teufel Alkohol, andere Drogen oder auch eine Spielsucht den Kollegen kaputt? Jutta Scharf möchte, dass das rechtzeitig erkannt wird. Und dass die Chefs der Betroffenen, die oft verunsichert seien, richtig darauf reagieren. Deshalb organisiert die Suchtberatung im September auch erstmals in Parchim eine spezielle Schulung (Details lesen Sie auf dieser Seite) „Ich möchte, dass Mitarbeiter frühzeitig angesprochen werden, damit sie nicht versumpfen“, sagt Jutta Scharf.

Die Schulungsreihe richtet sich an Chefs mit Führungsverantwortung. Weil jüngere Menschen nicht mehr nur auf Alkohol ansprechen, sondern viele auch mit illegalen Drogen Erfahrungen haben, können die Teilnehmer der Schulung auch diese mal anfassen und daran schnuppern.

Zu Vorwendezeiten waren die Nachtschicht, die Landwirtschaft und das Bauwesen bekannt für den Alkoholkonsum. Heute wird dagegen nach Erfahrungen der Suchtberater vor allem im Büro und zu Geburtstagen auf Arbeit getrunken. Anfällig sind auch Menschen, die auf Montage sind. Oft spielt bei der Fahrt dorthin und zurück der Alkohol eine Rolle.

Das Problem für die Firma entsteht spätestens dann, wenn der betreffende Mitarbeiter nicht mehr so leistungsfähig ist. Jutta Scharf hatte einige Anfragen von Vorgesetzten: Wie soll man das Drogenproblem ansprechen? Wo es doch eigentlich ein guter Mitarbeiter ist.

In einer Zeit, wo Arbeitskräfte Mangelware werden, sind Betriebe mehr denn je daran interessiert, gute Mitarbeiter zu halten. Und dazu gehört es auch, frühzeitig auf die Betroffenen Einfluss zu nehmen, bevor die Sucht sie kaputt macht. Betriebe dulden diese oft, so lange der Betroffene seine Arbeit macht. Viele süchtige Mitarbeiter bemühen sich zudem, besonders gute Leistungen zu zeigen, berichtet Jutta Scharf. Dabei ist es wichtig, den Konsum von Alkohol und Drogen rechtzeitig einzuschränken.

In größeren Firmen gibt es spezielle Betriebsvereinbarungen. Diese sichern süchtigen Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz, wenn sie sich behandeln lassen. Die Betroffenen werden dann vor die Alternative gestellt: Entweder er unternimmt etwas gegen seine Sucht oder die Firma muss sich von ihm trennen. Bei kleinen Betrieben kommen manchmal auch die Chef mit zur Beratung.

Allerding erlebt Jutta Scharf auch immer wieder, dass sich Vorgesetzte scheuen, das Thema anzusprechen. Das ist Ansatz für die Schulung.

Termine und Ansprechpartner:

Ein Seminar zur Betrieblichen Suchtkrankenhilfe beginnt am 16. September im Suchthilfezentrum Parchim und umfasst vier Mittwoch-Nachmittage (17 bis 19.30 Uhr). Das Seminar ist für Leiter interessant, die Suchtmittelprobleme bei ihren Mitarbeitern richtig ansprechen möchten. Es werden rechtliche Probleme angesprochen, illegale Drogen erklärt und gezeigt, es werden neue Süchte wie Handy-Gebrauch und private PC-Nutzung als Problem diskutiert. Das Seminar wird von Jutta Scharf (Psychotherapeutin), Peter Schlottke (Richter im Ruhestand), Andrea Schott (Polizei Schwerin) und Birgit Grämke (LAKOST Schwerin und Fachfrau für Medienprobleme) durchgeführt. Anmeldungen sind bis 9. September möglich beim Veranstalter im Suchthilfezentrum Parchim, Telefon 03871-66041). Weitere Informationen gibt Jutta Scharf (scharf@kloster-dobbertin.de)

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